US-Immobilienkrise
Deutschen Anlegern drohen Verluste in Texas

Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt holt deutsche Anleger ein. Rund 1 600 Beteiligte am geschlossenen US-Treuhand-Fonds Nr. XVI Victory Park erfahren heute per Postbrief, dass der „vollständige Verlust“ ihrer Einlagen nicht auszuschließen ist.

DÜSSELDORF. Rund 180 Mio. Dollar investierten Deutsche im Herbst 2005 in ein milliardenschweres Stadtentwicklungsprojekt im texanischen Dallas. Sie sitzen in einem Boot mit Hillwood, einem der größten US-Immobilienentwickler, hinter dem die Milliardärsfamilie Perot steht.

Auslöser der Schieflage sei gewesen, dass Mieter aus einem Einzelhandelsobjekt abgesprungen seien, sagt Volker Arndt, Geschäftsführer des Fondsanbieters US Treuhand. Daraufhin kündigten Banken Kreditverträge vorzeitig, weil der darin vereinbarte Verschuldungsgrad überschritten wurde, geht aus dem Anlegerschreiben hervor. Mit den Mieteinnahmen sinkt auch der Wert eines Gebäudes, so dass der Verschuldungsgrad automatisch steigt.

Banken verlangen in solchen Fällen, dass Teile des Kredites getilgt werden. Dies konnte oder wollte Hillwood nicht. Darüber hinaus erfuhr US Treuhand von Banken, dass Hillwood-Gesellschaften, die als Kreditgaranten fungieren sollten, nicht mehr über das vertraglich zugesicherte Nettovermögen von 100 Mio. Dollar verfügten. Im November 2008 wurde bekannt, dass die Familie Perot mit einem Hedge-Fonds rund eine Mrd. Dollar verloren hat.

Ob die Anleger ihren gesamten Einsatz verlieren, ist noch unklar. Zurzeit laufen hinter den Kulissen Verhandlungen mit allen Beteiligten. Die Deutschen sind über den Fonds zu 70 Prozent an einer gemeinsam mit Hillwood gegründeten Gesellschaft beteiligt. Die hält wiederum über acht Objektgesellschaften Büro-, Wohnungs- und Einzelhandelsgebäude und ein Hotel. Hillwood hat sich verpflichtet, die Gewinne dieser Töchter zuerst an die deutschen Anleger zu verteilen bzw. durch Hillwood-Gesellschaften aufzustocken. Doch daraus wird nun nichts mehr. Denn die Ausschüttungsgaranten sind die selben Gesellschaften, die auch die Kredite garantieren sollten.

Der Fonds stellte eine Anfangsausschüttung von 7,5 Prozent in Aussicht. Zudem sollten in den Jahren 2009 bis 2011 rund 68 Prozent des Kapitals primär aus Verkäufen von Eigentumswohnungen an die Anleger zurückfließen. Auch die Verkäufe liefen nicht nach Plan. Die Idee, ein weiteres Luxushotel zu bauen wurde verworfen. Ein stattdessen geplantes Bürogebäude ist bisher nicht über die Tiefgarage hinausgekommen.

Victory Park ist aber nicht allein an der Immobilienkrise gescheitert. Der Versuch, so genannte High-End-Geschäfte und -Restaurants als Mieter zu gewinnen, sei gescheitert, sagt ein Insider. „Wie viele Menschen sind wohl bereit, 100 Dollar für ein Steak vor einem Basketballspiel auszugeben?“, fragt ein Beobachter in einer Lokalzeitung. Hillwood-Vertreter räumen inzwischen ein, sich verkalkuliert zu haben.

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