US-Zinspolitik belastet die osteuropäischen Anleihemärkte
Rentenfondsmanager blicken gespannt nach Polen

Von Konvergenz-Entwicklungen sind insbesondere Rentenfonds betroffen. Je nach Länderanteil in den Portfolios entwickeln sich die Fonds derzeit recht unterschiedlich.

HB HAMBURG. Mit einem Plus von knapp 15 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten (Stichtag: 30. September) führt der UniEuroAspirant der Union Investment weiter die Kategorie der auf europäische Anleihen spezialisierten Rentenfonds an. Doch der Vorsprung schmilzt: Unter den Top Ten seiner Vergleichsgruppe wies der überwiegend in Osteuropa aktive Spitzenreiter im letzten Monat des Betrachtungszeitraums als einziger Fonds ein leichtes Minus aus, während Konkurrenten wie der DWS Euro Strategie (Renten) oder der Activest Euro Konvergenz Rent bis zu 1,2 Prozent zulegen konnten.

Union-Managerin Barbara Eberhardt führt das jüngste Minus unter anderem auf den vergleichsweise hohen Anteil ungarischer Titel im Portfolio von knapp 16 Prozent zurück: "Dort waren im September sowohl der Rentenmarkt als auch die Währung schwach", erläutert sie. Hintergrund sei die Diskussion über das ungarische Haushaltsdefizit, die Eberhardt aber nicht überbewertet sehen möchte: "Ungarn ist Mitglied der Europäischen Union, deshalb kann die Regierung das Defizit nicht beliebig ausweiten." In Polen, wo Eberhardt derzeit rund 15 Prozent der Mittel investiert hat, rechnet sie mit weiteren möglichen Korrekturen, falls es nach dem Rechtsruck bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen nicht schnell zu einer Koalitionsbildung kommt.

Ungünstig für den UniEuroAspirant dürfte sich auch ausgewirkt haben, dass die durchschnittliche Restlaufzeit der im Fonds enthaltenen Anleihen im September bei mehr als sieben Jahren lag. Dadurch reagierte das Portfolio stärker auf den allgemeinen Renditeanstieg als beispielsweise der Activest Euro Konvergenz. Dort fuhr Activest-Manager Stefan Amenda die durchschnittliche Restlaufzeit zwischenzeitlich auf weniger als drei Jahre zurück. "Die Konsolidierung an den europäischen Rentenmärkten ist noch nicht beendet", begründet Amenda seine Vorsicht. Mittelfristig böten allerdings speziell die Märkte in Osteuropa gute Chancen: "Trotz der aktuellen Risikoscheu sind viele Investoren weiter stark an höherverzinslichen Anlagen interessiert", sagt Amenda. Deshalb hat der Activest-Manager die durchschnittliche Restlaufzeit inzwischen wieder auf fünf Jahre hochgefahren. Auf polnische Zloty lautende Titel stellen derzeit knapp ein Drittel des Fondsvermögens.

Der DWS Euro Strategie (Renten) profitierte im September ebenfalls von einer Laufzeitverkürzung sowie von Währungsabsicherungen. Das Konzept von DWS-Manager Peter Schottmüller lässt sich allerdings nur bedingt mit dem der Konkurrenten vergleichen: "Wir verfolgen einen Absolute-Return-Ansatz und versuchen, ein im Vergleich zum Deutschen Rentenindex REX-P besseres Verhältnis von Ertrag zu Risiko zu erzielen", erläutert Schottmüller seine Strategie. Dabei erfordere die Verlustvermeidung auch in den kommenden Monaten viel Fingerspitzengefühl: "Solange die US-Zinsen weiter steigen, bewegen sich die europäischen Rentenmärkte bestenfalls seitwärts." Die größte ungesicherte Fremdwährungsposition stellt gegenwärtig der Zloty mit sieben Prozent, die durchschnittliche Restlaufzeit beträgt 4,5 Jahre.

Autor: Egon Wachtendorf, Der Fonds

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