Verbrannt im Wüstensand
Warum dem US-Pensionsfonds Calpers Milliarden fehlen

Auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms trafen die Vermögensverwalter des California Public Employees’ Retirement Systems (Calpers) eine verhängnisvolle Entscheidung. Sie investierten richtig viel Geld in Grund und Boden. Nun droht dem Staatsfonds der größte Verlust seit seiner Gründung.

Wall Street Journal HB. Der Übergang von wiesengrün auf wüstenbraun verläuft in diesem Landstrich wie mit dem Messer gezogen. Nämlich dort, wo die künstliche Bewässerung aufhört. Gleichwohl ist diese Gegend rund um Phoenix im US-Bundesstaat Arizona unter Städteplanern wie Häuslebauern beliebt. Das heißt, sie war beliebt, bis zum Crash des Immobilienmarktes. Nun bleibt viel potenzielles Bauland das, was es hier immer war: verbrannte Erde. Damit beginnt die Geschichte eines Großinvestors, der in großem Stil Geld in ebendiesen Wüstensand gesetzt hat.

Calpers, der größte staatliche Pensionsfonds der USA, verwaltet das Geld für die Altersvorsorge der über 1,6 Millionen Beamten Kaliforniens und hat seine Milliarden bis vor nicht allzu langer Zeit mit großem Erfolg vermehrt. Doch auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms trafen die Vermögensverwalter des California Public Employees’ Retirement Systems (Calpers) eine verhängnisvolle Entscheidung. Sie investierten richtig viel Geld in Grund und Boden.

Einerseits ist Calpers jetzt einer der größten Eigentümer von Bauerwartungsland in Amerika. Andererseits droht dem Staatsfonds nun der größte Verlust seit seiner Gründung im Jahr 1932. Das Vermögen des Fonds hat seit dem Start des laufenden Geschäftsjahrs am 1. Juli 2008 ein Viertel seines Wertes verloren – in absoluten Zahlen: rund 50 Milliarden Dollar.

Der gigantische Pensionsfonds, der Ende des vergangenen Geschäftsjahres am 30. Juni 2008 noch Vermögenswerte von 239 Milliarden Dollar in seinen Büchern stehen hatte, schockte bereits mit einigen Horrorzahlen: Im laufenden Geschäftsjahr dürften in der Sparte „Investments in den Wohnimmobilienmarkt“ auf dem Papier Verluste von 103 Prozent anfallen. Über 100 Prozent deshalb, weil Calpers nicht nur das eigene Geld investiert hat, sondern dafür auch massiv Kredite aufgenommen hat. Diese müssen zurückgezahlt werden, egal wie viel die gekaufte Liegenschaft noch wert ist. Einige Deals hatten die Calpers-Investmentprofis bis zu 80 Prozent fremdfinanziert.

Dazu kommt, dass Calpers in einer entscheidenden Phase, nämlich während der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres, ohne reguläre Führung war. Erst kurz vor Weihnachten verkündete der Pensionsfonds, dass Anne Stausboll neue Vorstandschefin wird. Sie war zuvor seit April 2008 kommissarisch die Investmentchefin von Calpers. Die 52-Jährige ist die erste Frau an der Spitze von Calpers. Sie versucht nun zu retten, was zu retten ist.

Denn noch stehen die Verluste nur auf dem Papier, wie Calpers betont. Und bei der langfristigen Anlagestrategie könnten diese sich durchaus noch verringern. Diese Erfahrung habe man schließlich auch nach dem Platzen der Internetblase gemacht.

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