Verkaufsempfehlungen führten zu extremen Abflüssen
Berater irritieren Fidelity-Kunden

Selten hat ein Fonds so unter Mittelabflüssen gelitten wie das Flaggschiff der US-Gesellschaft Fidelity in Europa: der European Growth Fund. Dabei spielen gezielte Verkaufsempfehlungen von großen deutschen Banken eine entscheidende Rolle, heißt es aus dem Markt.

FRANKFURT. „Da wurde verkauft, nur um Einnahmen über Gebühren für den Kauf eines anderen Produktes zu erzielen – ein knallhartes Geschäft“, sagt ein Insider, der nicht namentlich genannt werden möchte. Binnen Jahresfrist zogen die Anleger aus dem großen Fonds europaweit rund neun Mrd. Euro ab und drückten das Vermögen von 24,5 auf jetzt 15,5 Mrd. Euro. Da etwa 40 Prozent der investierten Anleger aus Deutschland kommen, musste der Deutschland-Chef von Fidelity, Klaus-Jürgen Baum, schon zur Jahreswende seinen Hut nehmen. Erst im vergangenen Monat wurden die Abflüsse auf dem hiesigen Absatzmarkt gestoppt. Das belegt eine Datenreihe, die dem Handelsblatt vorliegt.

Offiziell heißt es von Fidelity: „Einige Anbieter haben eine kurzfristige Schwäche des Fonds in der letzten Zeit genutzt, ihren Kunden andere Produkte anzubieten.“ Nach Angaben aus der Anlagebranche sind für die Verkäufe überwiegend Berater von Großbanken verantwortlich, an vorderster Stelle Deutsche Bank und Commerzbank. Auf Nachfragen des Handelsblatts antwortete die Commerzbank nicht. „Der Fonds stand bei denen lange auf der Verkaufsliste“, sagt ein Berater. Von der Deutschen Bank heißt es: „Der Fidelity European Growth Fund steht seit Dezember 2006 auf Halten.“

In der Branche kursieren Schätzungen über die Provisionseinnahmen, die allein durch die Verkäufe des Fonds und einen damit verbundenen Wechsel in ein anderes Produkt entstanden sind – dafür können wiederum etwa fünf Prozent Ausgabeaufschlag bzw. entsprechende Gebühren bei Zertifikaten veranschlagt werden. „Deutsche Banken verdienten damit mindestens 200 Millionen Euro“, sagt ein Fachmann.

In die Diskussion geraten war der Fonds Ende vergangenen Jahres nach Ankündigung des Managerwechsels von Graham Clapp zu Alexander Scurlock und einer gleichzeitig leicht unterdurchschnittlichen Wertentwicklung. „Das waren gute Argumente, mit denen ein Berater den Ausstieg und einen Wechsel in einen anderen Fonds oder in ein Zertifikat rechtfertigen konnte“, sagt ein Vertriebsmann (siehe „Aus der Praxis“). Inzwischen ist der Fonds wieder in der Performance-Spitzengruppe im Vergleich mit ähnlichen Produkten.

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