Vermögensaufbau
Die Grenzen verwischen

Beim privaten Vermögensaufbau sollten Anleger alle am Markt verfügbaren Finanzprodukte wie Aktien, Fonds, Indexfonds (ETF) und vor allem auch Zertifikate einbeziehen, sagen vom Handelsblatt befragte Experten von Banken und Fondsgesellschaften. Dabei arbeiten Fondsbranche und Zertifikate-Emittenten immer enger zusammen.

FRANKFURT. Die Auswahl der geeigneten Finanzprodukte müsse maßgeschneidert auf die jeweiligen Bedürfnisse - vor allem die Risikobereitschaft - der einzelnen Anleger abgestellt werden, sagen Experten von Banken und Fondsgesellschaften.

Zudem sei der zeitliche Horizont des geplanten Investments von großer Bedeutung; denn nicht jedes Produkt eigne sich auch für jeden Anlagehorizont. Für die langfristige Kapitalanlage - und in diesem Kontext für die Altersvorsorge - sieht Mathias Bauer, Präsident von Europas Fonds- und Asset-Manager-Vereinigung Efama, Investmentfonds als geeignet an. Hier seien Zertifikate weniger passend; Anleger sollten berücksichtigen, dass Zertifikate und strukturierte Produkten Schuldverschreibungen seien, die Bonitätsrisiken aufweisen. "Das Zertifikat hat seinen Platz dort, wo Anleger einen Investmenthorizont von drei bis vier Jahren haben" , sagt Bauer.

Festzustellen ist, dass die Welt der Fonds und Zertifikate immer stärker zusammenfindet. "Die Fondsbranche begrüßt den Wettbewerb unter einzelnen Finanzinstrumenten, plädiert allerdings europaweit für rechtliche Chancengleichheit", sagt Bauer. Dass die Grenze zwischen diesen Instrumenten verwischt, kommt nicht nur darin zum Ausdruck, dass Emissionsbanken Zertifikate auf einzelne Fonds emittieren, sondern Kapitalanlagegesellschaften auch Fonds auflegen, die ausschließlich in Zertifikate investieren. Die meisten Experten halten jedoch wenig von Zertifikaten auf einzelne Investmentfonds. "Das ist Gebührenschneiderei", heißt es von mehreren Seiten. "Ich habe mich in unserem Hause eindeutig gegen solche Zertifikate ausgesprochen", sagt Bauer, der Chef der österreichischen Raiffeisen Capital Management ist.

Für Banken sei es eine wichtige Aufgabe, ihre Klientel auf dem gesamten Lebensweg durch eine fachkundige Beratung und die Entwicklung geeigneter Produkte zu begleiten, sagt zum Beispiel Silke Müller aus dem Bereich Financial Engineering / Derivate Marketing der WGZ Bank in Düsseldorf.

Alle am Markt verfügbaren Finanzprodukte sollten dabei Berücksichtigung finden, spricht sich Bauer für eine Nutzung der gesamten Palette aus. An vorderer Stelle der Prioritätenliste von Anlegern werden in Bankenkreisen deren absoluten Sicherheitsbedürfnisse gesehen. Diese seien vor allem bei Investmentfonds gegeben. Zweites wichtiges Thema sei die private Altersvorsorge, die in einer Zeit kränkelnder Staatskassen an Bedeutung gewinne. "Beim Thema Altersvorsorge ist Europa erst am Anfang", sagt Efama-Präsident Bauer. Eher temporäre Bedeutung hat für Experten das zuletzt in der Öffentlichkeit hitzig diskutierte Thema Besteuerung von Kapitalanlagen. Erst nach Optimierung der Bearbeitung dieser Prioritätenliste stelle sich für Banken und Anleger die Frage von Investmentstrategien und Anlageklassen, sagen die Fachleute anderer Banken. Erst dann könne man auch darüber nachdenken, welche Produkte man dem privaten Anleger etwa im Hinblick auf den sich gerade entwickelnden Megatrend Klimawandel anbiete.

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