Vermögensverwalter
Anleger setzen auf Unabhängigkeit

Kleine, unabhängige und spiezialisierte Asset Manager rücken ins Rampenlicht. Immer mehr Anleger suchen in ihnen Alternativen zu den abhängigen Anbietern. Manch große Gesellschaft hat diesen Trend früh erkannt - und entsprechende Modelle entwickelt.
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FRANKFURT. Institutionelle und private Investoren erwärmen sich immer häufiger für unabhängige Vermögensverwalter. "Das sehen wir ganz deutlich", sagt Christian Michel, Leiter Research bei Feri Eurorating. Die Auswahl für Anleger steigt. Es gründen sich viele neue Gesellschaften, die auch zum Ziel von Aufkäufen werden - international und in Deutschland. Diese Gesellschaften sind meist auf Vermögensformen wie Aktien, Risikoanleihen, Wandelanleihen oder bestimmte Anlagestile wie Valueansätze spezialisiert.

Manche große Gesellschaften haben früh auf den Trend zu unabhängigen und spezialisierten Häusern gesetzt. Auf der internationalen Bühne haben einige Asset Manager daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. BNY Mellon Asset Management vereint unter seinem Dach viele größere Adressen. Vor kurzem hatte das Haus mit Insight Investment Management einen auf Anleihen spezialisierten britischen Verwalter erworben. Ähnlich arbeitet Paribas Investment Managers. In Deutschland hat der Vermögensverwalter Feri Finance jetzt Zukaufwünsche geäußert.

Institutionelle Investoren haben keine Berührungsängste mehr

Kleine, unabhängige und meist spezialisierte Asset Manager rücken stärker ins Rampenlicht. Der Verband unabhängiger Vermögensverwalter in Deutschland zählt bereits rund 200 Firmen, die meist überschaubare Millionenbeträge betreuen. Zuletzt hatten Feri und die Ratingagentur Telos das wachsende Interesse institutioneller Investoren an größeren unabhängigen Häusern durch Umfragen belegt. "Die Anleger sind heute eher bereit, solche Adressen zu prüfen und mit ihnen zusammenzuarbeiten - es gibt keine Berührungsängste mehr", sagt Telos-Leiter Frank Wehlmann. Er registriert außerdem eine steigende Wechselbereitschaft der Investoren. Als Grund nennt er die Unzufriedenheit mit den Leistungen vieler Verwalter.

Auch im Geschäft mit Privatanlegern wird Unabhängigkeit immer häufiger als Vorteil erkannt. Im Gegensatz zum institutionellen Anlagemarkt treten die kleinen Anbieter auf diesem Geschäftsfeld mit einem Nachteil gegenüber Fondstöchtern von Banken oder Versicherungen an. "Sie müssen durch Performance überzeugen, während sich große konzernabhängige Anbieter auf ihren eigenen Vertrieb stützen können", sagt Hermann-Josef Hall, Vorstand von Sauren Fonds-Service, die als unabhängiger Anbieter von Dachfonds knapp zwei Mrd. Euro betreut.

Viele bekannte deutsche unabhängige Häuser haben eine lange Tradition - teils länger als die abhängige Konkurrenz. Dazu gehören etwa DJE Kapital, Lingohr & Partner, Lupus Alpha, Flossbach & von Storch mit jeweils hohen einstelligen Milliardenbeträgen an verwaltetem Kapital.

Neu gegründete Firmen buhlen um das Geld der Anleger

Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art ist die französische Carmignac, die sich vor allem auf zwei Flaggschiffprodukte stützt. Sie schaffte mit guter Performance und einer paneuropäischen Vertriebsstrategie eine Kapitalverdopplung in weniger als einem Jahr - trotz Krise und gegen den Branchentrend. Jetzt verwaltet Carmignac rund 30 Mrd. Euro. Allein im laufenden Jahr wurde das Haus mit 12,8 Mrd. Euro an frischem Kapital überschwemmt (siehe Interview).

Das Spektrum der unabhängigen Anbieter dürfte sich vergrößern. "Es gibt immer mehr erfolgreiche Fondsmanager, die es in die Selbstständigkeit drängt oder die sich unabhängigen Verwaltern anschließen", erkennt Hall. Beratungsfirmen wie Funds at Work sprechen sogar von einer regelrechten Gründungswelle in Deutschland. Gerade gründeten ehemalige Lupus-Alpha-Mitarbeiter f+m Financial mit Ausrichtung auf Derivatestrategien. Jetzt meldet sich der frühere VCH-Leiter Michael Hallacker als Chef von Agathon Capital zurück. "Wir wollen uns als Spezialisten für Anleihen etablieren", sagt er.

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