Vermögensverwalter
Die Abhängigkeit von Starhändlern ist riskant

Anfang des Jahres gewannen Roger Guy und Guillaume Rambourg, die Star-Manager der Gartmore Group, den Preis für den Europäischen Fonds des Jahres. Nur zehn Monate später sind beide beim Vermögensverwalter nicht mehr an Bord - und das Unternehmen erwägt, sich selbst zum Verkauf zu stellen. Der Absturz verdeutlicht die Problematik für den Anleger.
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LONDON. Rambourg hatte Gartmore schon im Juli endgültig verlassen. Guy kündigte jetzt an, sich zum Ende des Jahres zurückziehen zu wollen. Die Aktie büßte deutlich ein. Investoren, die beim Börsengang des Unternehmens im Dezember dabei waren, stehen jetzt vor Verlusten von rund 50 Prozent.

Gleichzeitig zeigt der steile Absturz von Gartmore laut Analysten auch die Verletzlichkeit von Vermögensverwaltern, die zu sehr von ihren "Star-Händlern" abhängig sind. "Wenn wir uns in einen Fonds von Roger Guy einkaufen, dann tun wir das wegen seines Talents und nicht wegen der Firma, für die er arbeitet", sagte Meera Patel vom Broker Hargreaves Lansdown. Benjamin Phillips, Partner beim Investmentberater Casey Quirk & Associates in Boston argumentiert ähnlich: "Wenn man bei einem Fondsmanager einsteigt, dann kauft man die Leute. Und falls nur eine Person oder zwei Personen die Mehrheit der Erlöse generieren, dann hat man ein potenzielles Problem."

Zusammen hatten Rambourg und Guy zuletzt rund ein Drittel aller Anlagen von Gartmore verwaltet. Auf dieses Risiko hatte Gartmore in dem Prospekt zum Börsengang vergangenes Jahr sogar explizit hingewiesen. Darin hieß es, die Firma habe "eine Konzentration beim verwalteten Vermögen um ein Investment-Team herum". Dabei bezog sich Gartmore auf Guy und Rambourg, die als "Schlüssel-Portfolio- Manager" in dem Prospekt bezeichnet wurden.

Rambourg war im März wegen Verstößen gegen interne Richtlinien von Gartmore zunächst suspendiert worden. Derzeit ermittelt die britische Finanzsaufsicht Financial Services Authority gegen ihn. Dabei geht es um die Frage, ob er bestimmte Broker bei der Erteilung von Kauf- und Verkauforders für Aktien bevorzugt hat. Am Montag gab Gartmore bekannt, Goldman Sachs als Berater für eine Fusion oder einen Verkauf des Unternehmens engagiert zu haben.

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