Vermögensverwaltung
HSBC setzt auf Indexfonds

Die Vermögensverwaltungssparte der britischen Bank HSBC steigt in den kommenden Monaten in das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds, den ETFs, ein. HSBC richtet sein Private Banking dabei konsequent auf die neuen Produkte aus.

FRANKFURT. "Es ist eine europäische Initiative mit Indexprodukten auf wichtige Messlatten, keine Nischenprodukte", kündigt Farley Thomas, Vertriebschef von HSBC Global Asset Management, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. "Innerhalb von drei Jahren wollen wir zu den Marktführern gehören, das Projekt hat für uns höchste Priorität."

Der europäische Markt für die preiswerten, transparenten und jederzeit zum aktuellen Wert handelbaren ETFs ist seit dem Start vor neun Jahren rasant gewachsen. In der Finanzkrise sind außerdem viele institutionelle Investoren stärker auf Produkte, die Kreditrisiken praktisch ausschließen, umgeschwenkt. Derzeit verwalten 31 Anbieter in knapp 700 Produkten etwa auf den Dax, Euro Stoxx 50 oder Anleihe-Messlatten rund 125 Mrd. Euro. Thomas ist vom weiteren Wachstum überzeugt: "Der ETF-Markt wird mindestens doppelt so stark wachsen wie der klassische Fondsmarkt und könnte in drei Jahren 500 Mrd. Euro groß sein."

Beim Thema ETF will HSBC neue Wege gehen. "Wir werden die Produkte vor allem im eigenen Private Banking für Depots einsetzen, die verschiedene Vermögensformen abdecken", sagt Thomas in London. Die Bank betreut insgesamt rund 540 Mrd. Euro, jeweils zur Hälfte im Private Banking für vermögende Privatkunden und in der Asset-Management-Sparte. "Es ist möglicherweise der erste große Asset-Manager, der sagt, dass er Produkte auflegen und diese im eigenen Private Banking nutzen will", urteilt Deborah Fuhr, Leiterin ETF-Research beim größten ETF-Anbieter Barclays Global Investors, der kürzlich von Blackrock erworben wurde. So könnte HSBC im neuen Geschäftsfeld schnell wachsen.

Mit diesem Ansatz will Thomas auch Zweifel an der Initiative aushebeln, die an der Konzentration auf wichtige Indizes ansetzen - diese haben Konkurrenzanbieter bereits abgedeckt. Beim internen Einsatz eigener ETFs dagegen spielt Konkurrenz keine Rolle.

Andere große Banken scheuen bisher den konsequenten und umfassenden Einsatz von ETFs in der eigenen Vermögensverwaltung, von einigen sehr kleinen Verwaltern abgesehen. Sie vertrauen weiter dem klassischen aktiven Management mit hohen Margen.

Auf nationaler Ebene lancierte die Sparkassengruppe vor einem Jahr zwar eine ETF-Gesellschaft, die bisher moderate 1,7 Mrd. Euro einsammelte. Und die zur Sparkassengruppe gehörende Dekabank betreut in eigenen Dachfonds für Privatkunden immerhin 15 Mrd. Euro Vermögen. Ein Dekabank-Sprecher sagt allerdings: "Eine Verwaltung mit ETF-Bausteinen ist derzeit nicht vorgesehen."

Aufgeschlossener ist die Deutsche Bank mit ihrer jetzt 21 Mrd. Euro großen ETF-Sparte. Die Bank betreut im Wealth Management für vermögende Private in Deutschland 45 Mrd. Euro. "ETFs werden schon in großem Umfang eingesetzt und machen phasenweise bis zu 20 Prozent des Volumens aus", sagt Björn Jesch, Leiter Portfolioverwaltung im Wealth Management.

Beobachter wie Fuhr registrieren ein Umdenken. Der Barclays-Analystin zufolge hat die Lehman-Pleite im vergangenen September die Aufmerksamkeit für Emittentenrisiken erhöht und den Blick auf die hier kaum anfälligen ETFs gerichtet: "Jetzt beginnen sich viele Häuser näher mit den Produkten zu beschäftigen und damit arbeitende Fonds anzubieten."

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