Vertrauenskrise
Das Ende der Immobilienfonds

Fondsmanager in Zeitnot verramschen Immobilien. Anleger der Krisenfonds sehen trotzdem kaum Geld: Erst einmal sind die Banken dran. Sie haben die Fonds mit Krediten aufgepumpt und fordern ihre Milliarden zurück.
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DüsseldorfAls mündelsicher galten sie einmal, als Wertpapiere, bei denen ein Verlustrisiko ausgeschlossen ist, sodass ein Vormund selbst das Geld von Waisen dort anlegen darf. Noch 2009 stufte das Amtsgericht Fürth den SEB Immoinvest als mündelsicher ein. Gerd Merkel kann darüber heute nur noch bitter lachen. Ihm geht es wie rund einer Million Anlegern in Deutschland: Sein Geld hängt in Immobilienfonds fest, die ihm von Bankberatern als sichere Investments verkauft wurden. Beide Fonds, in die er investiert hat, stehen vor dem Aus, neben dem sechs Milliarden Euro schweren SEB Immoinvest auch noch der halb so große Axa Immoselect. Von seinem Höchstkurs Anfang Mai hat der SEB-Fonds schon sechs Prozent verloren, der Axa-Fonds ist seit seinem Hoch Ende 2010 um 7,3 Prozent gefallen. Doch das sind nur die offiziellen, von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Zahlen. Anleger misstrauen diesen zu Recht. Wer den SEB-Fonds an der Börse verkauft, bekommt 35 Prozent weniger, beim Axa-Fonds liegt der Abschlag bei 53 Prozent.

Die beiden Fonds und noch sechs weitere müssen in den nächsten Jahren sämtliche Immobilien verkaufen und werden dann zwangsweise aufgelöst. SEB Asset Management und die Credit Suisse mit ihrem Fonds CS Euroreal hatten in diesem Mai mit einer verzweifelt anmutenden Abstimmung versucht, die Fonds zu retten: Anleger sollten entscheiden, ob die Fonds im Normalbetrieb weitergeführt werden sollten – dann hätten sie ihre Anteile behalten müssen – oder ob sie ihr Geld zurück haben wollten, selbst wenn sie die Fonds damit in die Abwicklung schickten. Beide Plebiszite scheiterten krachend: Beim CS Euroreal wollten Anleger Anteile im Wert von knapp drei Milliarden Euro zurückgeben, bei nur 5,7 Milliarden Euro Fondsvermögen, das zum Großteil in Büroimmobilien steckt, die sich nicht von einem Tag auf den anderen verkaufen lassen. Bei SEB AM, die zu der Zahl der Rückzahlungsbegehren schweigt, dürfte das Ergebnis ähnlich gewesen sein. 60 Prozent der Anleger, die den SEB-Fonds im Depot bei der Münchner DAB Bank halten, wollten verkaufen, kamen aber nicht zum Zuge.

Investor Merkel sagt, er hätte sich nicht träumen lassen, dass beide Fonds, die anfangs nur mal für sechs Monate vorübergehend geschlossen werden sollten, jetzt dichtgemacht werden. Er rechne mit hohen Verlusten, sagt er, so wie die, die Anleger mit dem Morgan Stanley P2 Value erlitten haben, der seit Schließung die Hälfte an Wert verloren hat – auch nach offiziellen Zahlen. „Ich vermisse bei den Fondsgesellschaften das Bewusstsein für den Anleger, der auf das Geld angewiesen ist“, sagt Merkel. Jetzt sei er froh, nur überschaubare Summen investiert zu haben. Trotzdem beunruhigt es ihn, dass er vergeblich auf eine für April angekündigte Ausschüttung der Axa wartete. „Ich hoffe, dass alles mit rechten Dingen zugeht und Anleger nicht an der Nase herumgeführt werden.“

Auch nach vier Krisenjahren stecken in offenen Immobilienfonds noch immer 85 Milliarden Euro. In 19 Portfolios konnten auch Privatanleger mit Beträgen ab 50 Euro einsteigen. Noch immer zehren sie von ihrem einst guten Ruf, profitieren auch von Zuflüssen von Anlegern, die vor drohender Inflation Schutz im Betongold suchen. Ihre Pluspunkte haben offene Immobilienfonds längst verspielt:

  • Anleger sollten in Gewerbeimmobilien investieren und trotzdem täglich verkaufen können. Das ist inzwischen bei vielen Fonds nicht mehr möglich.
  • Die Fonds sollten, weil sie in verschiedene Immobilien investieren, das mit dem Kauf einer einzelnen Immobilie verbundene Risiko streuen. Inzwischen verbuchen viele dennoch zweistellige Verluste. Die Wertsteigerungen, die viele Fonds auf Basis der von Sachverständigen ermittelten Immobilienwerte ausgewiesen hatten, existierten nur auf dem Papier.

Kommentare zu " Vertrauenskrise: Das Ende der Immobilienfonds"

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  • Dank an das Finanzministerium.

    Na, da freut man sich doch, daß das Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz zur Schliessung des SEB Immofonds geführt hat. Dank Herrn Schäuble hat sich ein seit mehr als 23 Jahren erfolgreicher Fond vom Markt verabschieden müssen. Leider verwechselt man bei der Journaille immer noch Ursache und Wirkung. Das der unaufgeklärte Anleger um sein Geld fürchtete, verdanken wir ja der veröffentlichten Meinung.
    Gratulation.
    Wenn die Anleger viel Pech haben, bekommen Sie so gar mehr Geld zurück als sie eingezahlt haben.
    Verstehen werden sie das dann auch nicht.

  • Die AXA ist nicht nur in diesem Punkt hier schwach. Wer seine Kraftfahrbedinungen genau liest, erkennt auch dort Schwächen. Abgesehen davon muss das Geld ja noch zur Kompensation des Milliardenverlustes eines (angebl.) ehemaligen Vorstandes kompensiert werden (1,3 Mrd. verspekuliert).

    Axa Real Estate, eine Geschäftseinheit des französischen Konzerns, hat angekündigt, in nächster Zukunft verstärkt in "Hypotheken" und "Immobilien" zu investieren... Auch die Versicherer wollen raus aus dem EURO-Geldwert.
    .
    Das sollte Frau Murkel (IM Erika) zu denken geben mit Ihrer "EUROPA-Politik" und dem "EURO". Aus meiner Sicht ein einziger Fehlgriff und ein deutsches Dilemma dazu!
    .
    Nun gut die Wahlen werden eine Änderung bringen, die Schulden und Garantien (Griechenland und weitere folgen Spanien, Ir(r)land, Italien... Frankreich...).
    .
    Nun das obige ist natürlich alles Irnie & Blödsinn und die (EU-)Politiker wissen es besser - oder doch nicht?

  • @dasistschontraurig

    wer lesen kann ist klar im Vorteil:

    Die Kapitalrückzahlungsrate
    sollen jeweils
    im April bzw. Oktober eines Jahres
    erfolgen, sofern ausreichend freie
    Liquidität durch Objektverkäufe geschaffen
    werden konnte.

    Punkt 2.5
    http://www.axa-immoselect.de/downloads/QuA.pdf

    Geschichtsstunde: Erinnern wir uns nochmal an 2008. Warum sind die offenen Immobilienfonds in diese Lage geraten?

    Weil alle Anleger, ja, auch die privaten aus Angst Ihre Gelder aus nahezu allen Anlageklassen auf die Bank gebracht haben. Wurde ja von der Regierung deutlich hingewiesen, dass Spareinlagen bei Banken sicher seien. Dumm nur, dass keine Aussage zu Investmentsondervermögen getroffen wurde. Hätte man Offene Immobilienfonds richtig allokiert, als Beimischung, könnte man jetzt auch abwarten, was innerhalb der Auflösungszeiträume geschieht. Wir deutschen Anleger müßen noch viel lernen. Investment - Risiko - Rendite. Sobald was nicht funktioniert ist es natürlich ein leichtes alle Anderen vernatwortlich zu machen.

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