Vertrauenskrise
Rekordabflüsse aus Fonds

Der August stellt den vorläufigen Höhepunkt der US-Hypothekenkrise an den Finanzmärkten dar: Die Märkte für forderungsbesicherte Anleihen (ABS) trockneten aus, einige darauf spezialisierte Fonds mussten schließen. Nur wenige Gesellschaften konnten noch positive Absätze ausweisen – europaweit haben die Anleger im August über 70 Mrd. Euro abgezogen.

FRANKFURT. Die Verunsicherung strahlte auf Geldmarktfonds und auch auf andere Fondsgruppen aus. Im Zuge der dadurch ausgelösten Vertrauenskrise gaben Europas Anleger Fondsanteile von netto 70,7 Mrd. Euro zurück, nachdem sie im Juli noch für 41,3 Mrd. Euro gekauft hatten. „Es ist der stärkste Rückgang seit Beginn unserer Datenerfassung vor fünf Jahren“, sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin des Datenanbieters Lipper Feri in London.

Allein am deutschen Fondsmarkt waren für August bereits Rückflüsse von 8,4 Mrd. Euro gemeldet worden (Handelsblatt 1.10.). Sowohl in Deutschland als auch in Gesamteuropa entsprechen die Rückgaben etwas mehr als einem Prozent des insgesamt verwalteten Fondsvermögens. Etwa zur Hälfte entfielen die Rückflüsse auf Geldmarktfonds, jeweils ein Viertel auf Aktien- und Rentenprodukte. Diese Relation galt für den deutschen und den gesamteuropäischen Markt gleichermaßen. „Es scheint aus Sicht der Anleger keine sicheren Häfen zu geben, viele parken anscheinend Kapital auf Festgeldkonten“, sagt Mackay. Die Umschichtungen werden auch von deutschen Banken bestätigt.

Für die Zeit ab September, die eine Beruhigung der Krisenlage brachte, ist Mackay vorsichtig optimistisch: „Die Absatzzahlen für September und Oktober werden sicher besser ausfallen – allein schon wegen der Beruhigung an der Börse.“ Mackay erwartet daher eine positive Entwicklung beim Absatz von Aktienfonds, allerdings bezweifelt sie, dass dies ausreichen wird, um die gesamte Fondsbilanz zurück in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Ähnlich urteilt Alain Clot, weltweiter Leiter von Société Générale Asset Management. „Die Septemberzahlen sollten besser aussehen, auch wenn man noch nicht das Ende der Liquiditätskrise an den Märkten ausrufen kann“, sagt er. Nachfragen bei den dominierenden Fondshäusern bestätigen diese Vermutung. „Wir haben im September wieder Zuflüsse bei den Aktienfonds, die Abflüsse auf der Geldmarktseite sinken“, sagt beispielsweise ein Sprecher von Deutschlands größtem Anbieter DWS. Die vorerst eingetretene Beruhigung an den Märkten spiegelt sich auch in der rückläufigen Zahl von Krisenmeldungen in den Medien wider.

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