Vertriebsbedingungen
Fondsbranche kämpft für EU-Pass

Die letzten Monate haben die Verwundbarkeit von Investmentfonds deutlich gemacht: Obwohl die Aktienkurse gestiegen sind, hat die Branche bei Publikumsfonds europaweit mit Mittelabflüssen zu kämpfen. Verbandschef Mathias Bauer fordert daher gleiche Vertriebsbedingungen für alle Finanzprodukte. Da sei Europas Fondsbranche im Nachteil.

FRANKFURT. „Wir streben nach mehr Gerechtigkeit für Investmentfonds", steckt Mathias Bauer das wichtigste Ziel seiner Ende Juni begonnenen Amtszeit als neuer Vorsitzender der European Fund and Asset Management Association (Efama) ab. Es müsse sichergestellt werden, dass alle Finanzprodukte die gleichen Bedingungen im Vertrieb vorfinden, sagte Bauer in Frankfurt. Europas Fondsbranche sei in ihrem Vertrieb durch einseitig negative rechtliche Rahmenbedingungen benachteiligt.

Die letzten Monate hätten die Verwundbarkeit der Branche gezeigt; obwohl die Aktienkurse gestiegen seien, habe die Branche bei Publikumsfonds europaweit mit Mittelabflüssen zu kämpfen. „Nachteilige Vertriebsbestimmungen schwächen unsere Wettbewerbsposition im Vergleich zu anderen Finanzinstrumenten wie Zertifikaten und Versicherungsprodukten", kritisiert Bauer. Dies bringe nicht nur eine schiefe Optik mit sich, sondern sei darüber hinaus untragbar.

„Wir erwarten uns durch die Mifid einen großen Schritt zu mehr Chancengleichheit“, sagt Bauer, der zugleich Chef der größten Fondsgesellschaft Österreichs, der Raiffeisen Capital Management, ist. Wettbewerb auf der Produktseite sei grundsätzlich sehr gut, weil jedes Finanzprodukt seine Berechtigung habe. Während Zertifikate für Anleger mit einem Anlagespektrum von drei bis vier Jahren geeignet seien, spiele der Fonds in der Langfristigkeit der Altersvorsorge seine Stärken aus.

Bauer solle sich stärker um Waffengleichheit bemühen, wird der Österreicher von Experten ermutigt. Während Banken und Finanzdienstleister ihre Produkte über lokale Dependancen anbieten, müsse ein Fondsanbieter bislang in jedem Land aufwendig eine Kapitalanlagegesellschaft gründen, moniert Sven Zeller, Partner der Anwaltskanzlei Clifford Chance.

Der „EU-Pass“ für Fonds gehört nach Auffassung Zellers daher zu den dringlichsten Aufgaben der Efama. Ein solcher Pass würde bedeuten, dass eine europäische Fondsgesellschaft in anderen Ländern ohne Kapitalanlagegesellschaft Fonds auflegen darf. Ein Anbieter würde laut Zeller dadurch Millionen von Euro im Jahr sparen. Nach einer Studie der angelsächsischen Investmentgesellschaft Invesco belastet die zersplitterte Fondswelt die Branche mit Zusatzkosten für Produktion und Management von sechs Mrd. Euro pro Jahr. Anleger zahlen demzufolge um bis zu 0,15 Prozentpunkte höhere Gebühren. Die fehlende Harmonisierung bedingt nach Schätzungen von Invesco zusätzliche Verwaltungskosten für die Fondsindustrie von 2,6 Mrd. Euro im Jahr.

Als Schritt zu einem europäischen Binnenmarkt fordert Efama seit Jahren die Erlaubnis für Fonds, ihre Produkte länderübergreifend zu fusionieren. Dies ermöglichte eine umfangreiche Bereinigung der Fondspalette europaweit agierender Häuser, so Zeller. Als Beispiel gilt die niederländische Gesellschaft Robeco, die ihre niederländische und luxemburgische Fondspalette aufeinander abgestimmt hat.

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