Verwalter steuern Rekordkurs
Anleger sind Herdentiere

Die Börsen warfen in den zurückliegenden zwei, drei Jahren Top-Renditen ab. Das Vertrauen in die Märkte ist wieder gestiegen. Doch Experten warnen vor prozyklischem Verhalten von Anlegern und Anbietern.

HB FRANKFURT. Über die deutsche Investmentfondslandschaft brandet eine Welle guter Zahlen hinweg. Bei den Wertentwicklungen sorgt die Aktienhausse für teilweise spektakuläre Bilanzen. Darüber freuen sich Anlagegesellschaften und Investoren. Parallel dazu sorgt das zunehmende Vertrauen in die Börsen für deutlich mehr Neuinvestments als in früheren Jahren. Das bringt vor allem die Entscheider in den Asset-Management-Häusern in Stimmung.

Noch vor drei Jahren hätte das kein Branchenkenner zu glauben gewagt: Aktienbörsen in Schwellenländerregionen werfen Jahresrenditen von 50 Prozent oder mehr ab, auch an den Börsen der etablierten Industrieländer geht es noch deutlich zweistellig aufwärts. An den Fondsmärkten Europa investieren die Anleger netto mehrere hundert Mrd. Euro jährlich.

Eine neue Dynamik zeichnet sich auch auf der Nachfrageseite ab. Investoren lassen sich von den Performance-Hitlisten locken und greifen bei den favorisierten Anlagegruppen zu. Genau hier wollen die Investmenthäuser in der kommenden Zeit Akzente mit der Auflage neuer Produkte setzen. Beliebt sind derzeit vor allem Emerging Markets, Rohstoffe und spezielle Ansätze wie Nachhaltigkeit oder Dividendenstärke.

Branchenkenner spekulieren allerdings, ob diese Reaktionen auf bereits mehrere Jahre anhaltende Börsenaufschwünge nicht die Gefahr einer Prozyklik in sich bergen - sowohl auf Anleger- als auch auf Anbieterseite. Eines ist sicher: Die spektakulären Wertentwicklungen der vergangenen Jahre sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wiederholbar. Insoweit scheinen Enttäuschungen programmiert.

Gleichzeitig werden die Investoren immer sorgloser. International sind die Prämien für risikobehaftete Investments stark abgeschmolzen. Das gilt beispielsweise für den Renditevorsprung von Hochzinsanleihen gegenüber Staatsbonds. Auf der anderen Seite kann man die Hausse der Rohstoff- und Edelmetallpreise auch als vorlaufenden Indikator für zunehmende Inflation und als Indikator einer möglichen Wende an den Anleihemärkten nach einem Vierteljahrhundert Kursaufschwung verstehen.

Die Ergebnisse in dem vom Volumen her wichtigsten Sektor Anleihen bröckeln bereits. Innerhalb einer Jahresfrist haben sich die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in USA und in der Eurozone um mehr als einen Prozentpunkt von ihren historischen Tiefständen entfernt. Das muss bei den Anlegern für lange Gesichter sorgen: Die durchschnittlichen Fondsergebnisse für wichtige Gruppen von Anleiheportfolios liegen in den Zwölfmonatslisten meist nur noch knapp über null.

Jetzt schlägt auch die Bewährungsstunde der Derivatespezialisten. Sie begleiten einen der größten Umbrüche in der deutschen und internationalen Anlagewelt. Die Experten für den Einsatz von Terminmarkt-Bausteinen in Portfolios können - theoretisch - auf diesem Wege bisher unbekannte Risiko-Ertrags-Profile von Fonds schaffen, am Rentenmarkt beispielsweise Zinsrisiken ausschalten. Der Derivatemarkt wächst dramatisch, und auch einige große deutsche Investmentgesellschaften beginnen, ihre Expertise auf diesem Feld kräftig auszubauen.

Anlageklassiker wird neuer Publikumsliebling

Altersvorsorge, Riester-Rente und Sicherheitsbewusstsein - das sind nur drei Bausteine von vielen, auf denen der aktuelle Erfolg der Investmentfonds-Branche ruht. Mit innovativen Ansätzen bieten die Gesellschaften weitere Kaufanreize.

Kapitalspritze

In den vergangenen Monaten konnten deutsche Kapitalanlagegesellschaften kräftige Zuflüsse verbuchen.

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