Verzicht auf Kapitalanlagegesellschaft senkt die Kosten
Merrill schließt deutsche Fondsfirma

In die festgefügte Landschaft des Asset-Managements in Deutschland kommt Bewegung: Merrill Lynch schließt seine Kapitalanlagesellschaft (KAG), Fidelity treibt dagegen mit Hochdruck eine Gründung voran, KAG-Hüllen wie die von Swiss Re wechseln den Besitzer.

FRANKFURT/M. Der Ertragsdruck zwingt zur Arbeitsteilung und Konzentration auf die Kernkompetenz Asset-Management oder die Fondsadministration. Ein liberaleres Rechtsumfeld beim Outsourcing erleichtert den Umbau. Während sich einige Vermögensverwalter auf das reine Asset-Management konzentrieren und die für sie eher lästigen Administrationsaufgaben wie Fondsbuchhaltung nun spezialisierten KAGs (so genannten Master-KAGs) überlassen, suchen andere ihr Heil in genau diesem neuen Geschäftsfeld – hier entbrennt ein heftiger Wettbewerb.

Ein Beispiel für die Konzentration auf die reine Vermögensverwaltung liefert Merrill Lynch. Wie das Handelsblatt erfuhr, gab der Fondsanbieter Ende Oktober die KAG-Lizenz an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zurück und beantragte dafür eine so genannte Finanzdienstleister- Lizenz. „Wir brauchen jetzt keine aufwendige KAG mehr, können außerdem die Vertriebsteams für Publikums- und Spezialfonds zusammenlegen“, sagt Achim Küssner, Deutschland-Chef von Merrill Lynch Investment Managers (MLIM), dem Handelsblatt. Statt der insgesamt drei Fondsfirmen in Deutschland wird es ab 1. Januar nur noch eine MLIM Deutschland GmbH geben. Die Reaktion der institutionellen Anleger, die neben Merrill nun auch von Master-KAGs betreut werden, „war durchweg positiv“.

Durch den Schritt konnte Merrill den Personalstamm von 55 auf 20 Mitarbeiter senken. „Damit fallen unsere fixen Kosten um über 60 Prozent“, sagt Küssner. Und die für den Fondsanbieter überzähligen Mitarbeiter „wurden von den Master- KAGs mit Kusshand genommen.“ Merrill war in Deutschland „schon in der alten Form profitabel und ist es jetzt erst recht“, sagt Küssner. Die Firma verwaltete im Jahr 2000 über 5 Mrd. Euro für mehr als 20 institutionelle Kunden in Spezialfonds. Heute sind es „wegen der Börsenbaisse und der dadurch erzwungenen Auflösung von Aktienportfolios bei Versicherungen“ 2,5 Mrd. Euro. Aber Merrill konnte im laufenden Jahr auch sieben neue Mandate mit einem Volumen von über 600 Mill. Euro gewinnen.

Mit der Schließung der KAG fühlt sich Küssner als Trendsetter: „Wir sehen uns mit diesem wichtigen Schritt zur Konzentration auf das Asset-Management als Vorreiter.“ Seiner Ansicht nach werden weitere Fondsanbieter ihre KAGs dicht machen.

Start im kommenden Jahr mit zusätzlicher KAG

Das große US-Haus Fidelity mit starker deutscher Präsenz geht jedoch den umgekehrten Weg und startet im nächsten Jahr zusätzlich mit einer KAG. „Wir machen das für die institutionellen Kunden“, sagt ein Fidelity-Mann. Grund: „Wir wollen zum lokalen Anbieter werden und unser Bekenntnis zum deutschen Markt unterstreichen.“

Während die einen schließen, die anderen gründen, wird der Eigentümerwechsel einer KAG über Management Buy-outs beliebter. Vor wenigen Tagen verkaufte die Swiss Re ihre Einheit an zwei der bisherigen Geschäftsführer. Jörg W. Kloy und Helmut Schnabel treten jetzt als Asecuris Asset Management KAG.

„Die Swiss Re wird sich auch weiter der KAG bedienen, aber wir sind nun unabhängig und wollen den institutionellen Kunden einige Produkte unserer Kooperationspartner anbieten“, sagt Kloy. In den Anlagebereichen europäische Aktien und Anleihen greift er wie bisher auf die Marktexpertise des schweizerischen Rückversicherers zu. „In anderen Segmenten wie Hochzinsbonds oder US-Aktien suchen wir noch nach Partnern“, sagt Kloy.

Im April gab die Citigroup Asset Management ihre KAG an ein eigenes dreiköpfiges Team um Tobias Klein ab. Klein steuert die umbenannte First Private Investment Management KAG und sagt: „Ob man heute noch eine deutsche Rechtshülle braucht, ist eine Frage der Ernsthaftigkeit, mit der man sich dem Markt und den Kunden stellt.“ Klein sieht zwei Trends: „Große globale Häuser verkaufen wie Coca Cola ihre Produkte in vielen Ländern, da sind Effizienz und geringe Kosten wichtig, die brauchen eventuell keine KAG“. Auf der anderen Seite gebe es kleinere Häuser wie First Private: „Wir wollen vor Ort beim Kunden kochen und ihm etwas Individuelles bieten.“

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