Vier Fragen zum Thema Indexzertifikate an: Christian M. Kreuser
„Die Wahl fällt meist auf Indexfonds“

Christian M. Kreuser ist Leiter der Privatkundenabteilung bei der Quirinbank. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er unter anderem, welche Rolle Indexzertifikate in der Vermögensberatung spielen und wann diese Indexfonds vorzuziehen sind.

Herr Kreuser, welche Rolle spielen Indexzertifikate in der Vermögensberatung Ihrer Bank?

Wir sind große Anhänger von Indexinvestments - einerseits um die Kosten, andererseits aber auch das Managementrisiko bei der Geldanlage zu minimieren. Langfristig schneidet der Index in den meisten Fällen besser ab als aktive Manager. Das interne Duell heißt aber: Indexzertifikat versus Indexfonds. Haben wir die Wahl, ziehen wir Indexfonds (ETFs) den Zertifikaten vor. Wir setzen aber auch, wo es sinnvoll erscheint, ganz gezielt Indexzertifikate mit fairen Ausstattungsmerkmalen bei Kunden ein.

Warum ziehen Sie ETFs vor?

Indexfonds berücksichtigen stets Dividenden, Indexzertifikate nicht immer. Zudem sind Indexfonds als Sondervermögen vor einer Bankpleite geschützt, während Indexzertifikate rechtlich Inhaberschuldverschreibungen sind. Und die jüngsten Erfahrungen zeigen: Die Frage " Sondervermögen oder Inhaberschuldverschreibung?" ist nicht länger nur theoretischer Natur.

Die Auswahl an Indexzertifikaten ist um ein vielfaches größer als die der Indexfonds. Wo ziehen sie Zertifikate vor?

Obwohl der Indexfonds-Markt in Deutschland in den letzten Jahren rasant gewachsen ist, decken die ETFs noch immer nicht alle Märkte ab, die für eine breite Vermögensstreuung bei Anlegern von Bedeutung sind. Bei Aktien und Anleihen ist der Kosmos der Indexfonds bereits sehr groß. Anders sieht es bei Gold oder Rohstoffen sowie anderen alternativen Anlageklassen aus. Dort setzen wir gezielt auf Indexzertifikate, achten aber auf faire Ausstattungsmerkmale, also volle Zins- oder Dividendenberücksichtigung, keine Laufzeitbegrenzung, transparente Gebühren und einen liquiden Handel im Sekundärmarkt.

Gegenüber Indexfonds haben Zertifikate derzeit vor allem einen steuerlichen Nachteil. Das wird sich ab 1. Januar 2009 ändern, dann gilt für Fonds und Zertifikate wieder gleiches Recht für alle. Wird das dazu führen, dass Sie häufiger Zertifikate einsetzen?

Wenn die Abgeltungsteuer erst einmal in Kraft ist ab 2009, werden sich Anleger schnell daran gewöhnen, dann tritt die Frage nach der Besteuerung vollständig in den Hintergrund. Ich glaube, das wird die Anleger viel stärker als bisher noch für die Gebühren sensibilisieren. Sie werden nicht länger bereit sein, hohe Gebühren für schlechte Managementleistungen zu bezahlen. Davon werden passive Investments ganz unabhängig von der Form der Verbriefung - also Fonds oder Zertifikate - stark profitieren. Allerdings wächst der Markt für Indexfonds sehr stark, und die Anbieter dringen allmählich auch in Nischen vor, die bislang ausschließlich von Zertifikaten besetzt wurden.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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