VIP-Chef sitzt bereits in U-Haft
Die nächste Fondskrise kommt bestimmt

Drei deutschen Großbanken droht eine Schadenersatzklage wegen ihrer Geschäfte mit dem Filmfonds-Anbieter Film & Entertainment VIP Medienfonds.

HB FRANKFURT. „Wir bereiten im Namen von rund 70 Anlegern eine Schadenersatzklage gegen Verantwortliche der VIP Medienfonds, aber auch gegen die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Hypo-Vereinsbank vor“, kündigte Jens-Peter Gieschen, Rechtsanwalt bei der Bremer Kanzlei KTAG, am Dienstag im Gespräch mit Dow Jones Newswires an. In der zweiten Februarhälfte werde die Klage voraussichtlich eingereicht, da die Ansprüche der Anleger andernfalls bereits Ende März verjähren könnten.

Der VIP-Vorstandsvorsitzende, Andreas Schmid, sitzt bereits seit 29. September 2005 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen ihn wegen des Verdachtes auf Steuerhinterziehung und Betrug. Gieschen zufolge könnten die Dresdner Bank und die HVB dazu Beihilfe geleistet haben. Der Commerzbank wirft er Falschberatung beim Verkauf der beiden VIP Medienfonds 3 und 4 vor.

Schmid soll bei den beiden VIP Medienfonds mit einem Volumen von 235 bzw. 392 Millionen Euro entgegen den Angaben in den Fondsprospekten und in Steuererklärungen lediglich einen geringen Teil des von den Anlegern eingesammelten Geldes tatsächlich in die Filmproduktion investiert haben. Der Löwenanteil der Anlegergelder soll hingegen über Zwischenstationen auf Konten der Dresdner Bank und der HVB geflossen sein, um so genannte Schuldübernahme-Garantien der Banken zu finanzieren.

Mittels dieser Bankverträge sollte den Investoren die vollständige Rückzahlung ihrer Gelder am Ende der Fondslaufzeit garantiert werden, während sie zunächst die Fondsverluste steuerlich hätten verwerten können.

Zweifelhaft ist zudem, ob diese Fondskonstruktion mit einer nur geringen Investition in Filmprojekte überhaupt als Medienfonds zu klassifizieren ist und die Verluste dementsprechend steuerlich genutzt werden können. KTAG rechne damit, dass den Anlegern die Steuervorteile aberkannt würden, so Gieschen. Dann stünden ihnen Steuernachzahlungen über 160 Millionen Euro ins Haus.

Zudem ist Gieschen zufolge unklar, wieviel die Anleger überhaupt von ihrem Geld zurückerhalten. Denn der Kanzlei lägen Informationen aus den Verträgen mit den Banken vor, dass die Gelder nicht unbedingt an die Film & Entertainment VIP Medienfonds ausgezahlt werden müssten. Der Fonds könne die Banken auch anweisen, das Geld an Dritte zu überweisen. Damit seien die Bankgarantien für die Anleger wertlos, so Gieschen.

Sollte die Film & Entertainment VIP Medienfonds in die Insolvenz gehen, drohe den Anlegern schlimmstenfalls sogar ein Totalverlust, da sie keine direkten vertraglichen Ansprüche gegen die Banken hätten.

Die Dresdner Bank und die HVB hätten das ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Fondskonzept durch ihre Beteiligung erst ermöglicht, sagte Gieschen. Daraus erwachse der Verdacht der Beihilfe.

Die Commerzbank habe den meisten der jetzt von der Kanzlei vertretenen Anlegern die Fonds als sichere Anlage im Medienbereich empfohlen, ohne darauf hinzuweisen, dass das Investment wirtschaftlich überwiegend als festverzinsliche Anleihe mit niedrigen Zinsen und hohen Kosten zu bewerten sei. Das sei gemäß Wertpapierhandelsgestz als Falschberatung zu werten.

Das Wertpapierhandelsgesetz verlangt von einer Bank, ihre Dienstleistung mit der erforderlichen Sachkenntnis und Sorgfalt zu erbringen.

VIP Medienfonds und die drei betroffenen Banken wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern. Unisono verwiesen Sprecher darauf, dass ihr Haus zu laufenden Verfahren keine Stellung nehme.

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