Vorsicht Falle!
Wie Hedge-Fonds Anleger über den Tisch ziehen

Lange Diskussion, endlich ein Ergebnis: Die EU will die Hedge-Fonds an die kurze Leine nehmen - darauf einigten sich am Dienstag Europaparlament, Kommission und Finanzministerrat. Doch die neuen Regeln in Europa helfen laut Experten nur wenig, denn manche Fonds manipulieren kräftig.
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BRÜSSEL/FRANKFURT. Nach monatelangem Streit hat sich die Europäische Union auf Regeln für Hedge-Fonds verständigt. Ab 2013 benötigen alle europäischen Betreiber dieser Fonds einen EU-Pass, der von der zuständigen nationalen Börsenaufsicht vergeben wird. Dieser Pass erlaubt es Hedge-Fonds, europaweit Investoren zu werben. Darauf einigten sich am Dienstag in Brüssel die drei gesetzgebenden EU-Institutionen Kommission, Europaparlament und Finanzministerrat.

Die neue EU-Richtlinie zu den Alternativen Investmentfondsmanagern (AIFM), die private Beteiligungsgesellschaften und alternative Investmentfonds einschließt, wird voraussichtlich Mitte November vom Europaparlament verabschiedet und kann dann Anfang 2011 in Kraft treten.

Binnenmarktkommissar Michel Barnier wertete die Einigung als historisch. Erstmals gebe es europäische Regeln für Fonds, die Aktiva von rund zwei Billionen Euro verwalten und "an manchen Tagen die Hälfte aller Transaktionen" am europäischen Finanzmarkt durchführen, sagte Barnier. "Wir nehmen die hochriskanten Hedge-Fonds aus der Grauzone und stopfen nationale Schlupflöcher", sagte Europaparlamentarier Udo Balz (CDU).

Dem Jubel zum Trotz bleibt für die Anleger das Risiko der Manipulation

Bis zuletzt umstritten war, wie die EU mit Fondsmanagern aus Drittstaaten verfährt. Nun ist geplant, dass Betreiber aus den USA und anderen Ländern ab 2015 einen EU-Pass beantragen können. Parallel dazu haben sie in einer Übergangszeit bis 2018 noch die Möglichkeit, sich nationale Zulassungen zu besorgen, die nur für das Territorium einzelner EU-Staaten gelten. Ab 2018 ist der EU-Pass dann zwingend für alle in der EU tätigen Fondsmanager vorgeschrieben.

Trotz des Jubels der Politiker: Den Anlegern hilft das wenig. Für sie bleibt auch mit den neuen Regeln die Gefahr, von Hedge-Fonds über den Tisch gezogen zu werden. Eine Studie der Universität Köln macht klar: So mancher Hedge-Fonds arbeitet bewusst mit falschen Angaben und glättet so seine Renditen, um für Anleger attraktiv zu sein. Nach einer Untersuchung der Universität Köln waren in den USA sieben Prozent aller Kursangaben über Aktien im Besitz der Hedge-Fonds falsch. Der Kölner Finanzprofessor Alexander Kempf wird deutlich: "Man kann auch sagen, hier wurde manipuliert."

Dieser Manipulation können die Aufseher nur Herr werden, wenn eine unabhängige Stelle die im Fonds angesammelten Wertpapiere bewertet. Das ist aber nicht gesichert. Nach der brandneuen Richtlinie können Hedge-Fonds ihre Engagements auch selbst bewerten. Alles andere wie die Prüfung durch einen Dritten ist eine Kann-Bestimmung. Mit ihren Vorschriften bleibt die EU weit hinter dem deutschen Recht zurück, in dem bislang zwingend das Vier-Augen-Prinzip gilt. Sprich: Alle in Deutschland aufgelegten Fonds müssen die Bewertung ihrer Wertpapiere von einer Depotbank überprüfen lassen.

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  • @jonas, da sieht man mal wieder dass die meisten einfach keine Ahnung haben, so wie du!

    Man sollte als leihe einfach die finger von Hedge Fonds lassen, weil 80% das tun der Fonds eh nich verstehen und es somit dem berater gar nicht möglich wäre den Fonds zu erklären. Somit muss der berater sich auf den Fonds verlassen. Nur sind es eben meist die Hedge Fonds Manager die nicht immer sauber arbeiten.
    Aber wenn jeder anfangen würde sein Geld zu Managen, dann gute nacht.
    Wir brauchen Fonds.

  • "Wir brauchen eine unabhängige bewertung"


    Die könnt ihr haben:
    Gebe NiEMALS dein Geld einem Fonds !
    (und das gilt für alle Fonds, ob hedgend oder nicht)

    Denn es wird sowieso betrogen.

    Fonds haben nur eine Aufgabe: ihren Verwaltern viel Geld einzubringen und üppige Saläre zu liefern.

    Alles andere, wie Renditen für die Anleger, sind nur notwendiges Übel welches man möglichst klein halten will.

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