VW-Affäre
Britischer Hedgefonds fordert Rückzug Niedersachsens

Niedersachsen soll sich nach dem Willen des britischen Hedgefonds TCI aus dem VW-Aufsichtsrat zurückziehen. Dem Investor ist vor allem der hohe Mitarbeiterschutz beim Autobauer ein Dorn im Auge.

London/HamburgDer britische Hedgefonds TCI drängt Niedersachsen zum Rückzug bei Volkswagen. Der für aktivistische Kampagnen bekannte Investor forderte das Land am Freitag auf, seine zwei Aufsichtsräte aus dem 20-köpfigen Kontrollgremium abzuziehen. „Wir möchten, dass sie von ihren Aufsichtsratsposten zurücktreten und es dem neuen Management sofort ermöglichen, Maßnahmen zur Produktivität und Effizienz einzuleiten“, sagte TCI-Partner Ben Walker der Nachrichtenagentur Reuters.

TCI hatte Aufsichtsrat und Vorstand des von der Abgaskrise schwer gebeutelten Wolfsburger Konzerns vor kurzem bereits in einem Brief zu Reformen aufgefordert. Der Fonds will erreichen, dass Europas größter Autobauer mehr Geld an seine Aktionäre ausschüttet und hatte insbesondere die hohen Arbeitskosten kritisiert.

Weder die Landesregierung noch Volkswagen wollten sich dazu äußern. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) sitzen in dem Kontrollrat. Eine Vertretung im Aufsichtsrat steht dem Land aufgrund des VW-Gesetzes zu, das aus den 1960er Jahren stammt.

Angelsächsische Investoren kritisieren seit langem, dass Niedersachsen zusammen mit der bei Volkswagen besonders mächtigen IG Metall die Geschickte des Autobauers bestimmt. Zusammen stellen die Arbeitnehmer und Niedersachsen zwölf Mitglieder in dem 20-köpfigen Kontrollgremium.

Das Land kann zudem als zweitgrößter VW-Eigner dank seiner Sonderstellung mit seinem 20-Prozent-Anteil wichtige Entscheidungen blockieren. Jede Landesregierung, egal welcher politischen Couleur, hat sich bisher für die Arbeitsplätze bei VW eingesetzt. In Niedersachsen arbeiten rund 120.000 VW-Beschäftigte, die Wolfsburger unterhalten dort mehrere Werke.

TCI (The Children's Investment Fund) kritisierte, die beiden Politiker im Aufsichtsrat blockierten jede Art von Vorschlägen des Managements zur Steigerung von Produktivität und Effizienz von VW, weil sie vor allem die Beschäftigten im Auge hätten. Dies schade der langfristigen Entwicklung von Volkswagen. Arbeitsplätze könnten damit allenfalls kurzfristig gesichert werden, langfristig würden dadurch Stellen gefährdet. Volkswagen müsse zudem in der Lage sein, im weltweiten Konkurrenzkampf zu bestehen. Derzeit versuche der Wolfsburger Autobauer jedoch, wie „mit beiden Händen auf dem Rücken gefesselt“ zu agieren, sagte Walker.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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