VW-Stammaktien
Wette gegen die WestLB

Was haben die Autobauer VW und Porsche, die WestLB und der normale Anleger miteinander zu tun? Viel, wenn es um Spekulationen auf VW-Stamm - und Vorzugsaktien und die Interessen der anderen Mitspieler geht.

VW Ende Juli: Der WestLB-Aufsichtsrat entlässt nach dem Skandal um Fehlspekulationen mit Stamm- und Vorzugsaktien von VW und anderer Dax-Unternehmen (Metro, BMW) Vorstandschef und Risikovorstand, an den Börsen wächst die Angst vor einer weltweiten Finanzkrise. Doch was machen die VW-Stämme? Sie heben ab um ein Viertel auf über 150 Euro. Es könnte erneut die WestLB sein, die bei VW die Kurse macht. Jetzt aber nur, um endgültig aus der Nummer rauszukommen.

Zur Erinnerung: Händler der WestLB hatten in großem Stil auf eine Verringerung des Abschlags der Vorzüge zu den Stämmen gewettet. Das ging schief und dürfte in der Endabrechnung mehrere Hundert Millionen Euro kosten. Gut möglich also, dass der Aufsichtsrat Ende Juli die Losung ausgab, die restlichen offenen Positionen zu schließen - koste es, was es wolle. Das erklärte den aberwitzigen Anstieg der VW-Stämme, deren Abstand sich gegenüber den Vorzügen seit Juli von 55 auf 65 Prozent ausweitete.

Parallel zum Kursanstieg verdoppelten sich an der Terminbörse Eurex die offenen Verkaufsoptionen auf VW-Stämme auf 1,28 Millionen Kontrakte (à 100 Aktien). Mit den Optionen lässt sich verdienen, wenn die Aktie fällt. Darauf wird offenbar massiv gesetzt. Die Summe der Kontrakte reichten VW-Großaktionär Porsche locker aus, um sich den in die Höhe getriebenen Kurs für seinen gesamten Bestand zu sichern.

Landesbankern ist viel zuzutrauen, aber dass die WestLB an der Börse Aktien kauft und an der Eurex Verkaufsoptionen eingeht, wohl nicht mehr. Auffällig ist dagegen die 180-Grad-Wende der WestLB-Analysten. Sie setzten VW vor ein paar Tagen auf "Kaufen" und hoben ihr Kursziel von 115 auf 180 Euro an. Es darf spekuliert werden. Mögliche Varianten: 1. Neue fundamentale Einschätzung. 2. Die WestLB sitzt auf hohen VW-Beständen, da passt kein negatives Urteil aus dem eigenen Haus.

Egal, für Anleger sollte sich erneut lohnen, gegen das Votum der WestLB-Analysten anzutreten, etwa mit einem Put auf VW-Stammaktien. Im November 2006 empfahl die WestLB noch, den Autotitel beim Kurs von 81 Euro abzubauen.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 36 vom 3.9.2007

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