Wachstum lockt
Fondshäuser zieht es nach Russland

Russlands Wirtschaft geht es blendend. Nach der schweren Krise vor kaum zehn Jahren legt das Wachstum Jahr für Jahr mit großen Schritten zu. Diese Entwicklung blieb auch Finanzhäuser nicht verborgen, die sich nun vor Ort niederlassen und vom Boom profitieren möchten. Skandale der Vergangenheit können dabei die gute Stimmung nicht trüben.

MOSKAU. Die russische Wirtschaft wächst seit vielen Jahren mit jährlichen Raten von rund sieben Prozent. Das zieht zunehmend Finanzhäuser ins Land, die über die Gründung von Dependancen vor Ort Anlageprodukte vertreiben. „Franklin Templeton, die Raiffeisenbank und die DWS sind da, Pioneer kommt zurück, Lehman und Salomon Brothers sind auf dem Weg“, sagt Andrey Podoinitsyn, Leiter des russischen Fondsverbandes. Zusätzliche Dynamik erhält die Entwicklung vom russischen Kapitalmarkt: Der RTS-Aktienindex hat sich seit Anfang 2003 verfünffacht – auch wenn die Messlatte im bisherigen Jahresverlauf leicht im Minus liegt.

Ende 2006 lagen die Volumina der nationalen Aktien- und Anleihemärkte bei 738 bzw. 61 Mrd. Euro. Auch der Fondsmarkt ist mit rund 40 Mrd. Euro noch eher klein, wobei offene Investmentfonds etwa vier Mrd. Euro ausmachen. Die Attraktion auch für ausländische Produktanbieter liegt in den Wachstumschancen: Maximal eine halbe Million Russen besitzen Fonds, doch es gibt mit 75 Mill. Arbeitnehmern weit mehr potenzielle Käufer. Die DWS gründete vor drei Jahren eine russische Anlagegesellschaft. Sie hat bisher zwar lediglich 50 Mill. Euro eingesammelt. „Aber es gibt ein großes Potenzial bei den Vertriebswegen“, sagt Elena Loginova, Leiterin der DWS-Dependance. Die den Landesbürgern angebotenen Fonds investieren in russischen Papieren. Insgesamt betreut die Gesellschaft etwa vier Mrd. Euro. Dies schließt Aktienfonds ein, die in Russland investieren und Anlegern außerhalb des Landes angeboten werden.

Jetzt sondieren auch Immobiliengesellschaften das Terrain. „Wir prüfen konkrete Abschlüsse im Immobilienbereich auf dem Büromarkt“, sagt Bärbel Schomberg, Geschäftsführerin der zur Allianz Global Investors gehörenden Immobilienfondstochter Degi. Sie beobachtet ein steigendes internationales Interesse. „Aber noch ist keiner der konservativen institutionellen Investoren dort“, sagt Schomberg. Vor vier Jahren habe man mit Büroobjekten noch Spitzenrenditen von jährlich 9,5 Prozent erzielen können. Jetzt seien die Sätze auf acht Prozent gesunken. „Aber das ist im internationalen Vergleich immer noch hoch.“

Alle Beteiligten kennen die politischen Probleme des Landes, das zuletzt vor knapp zehn Jahren in eine große Krise rutschte. Politische Stabilität, Wahrung der Eigentumsrechte und Korruption sind entscheidende Stichworte. „Wie sich die Kapitalmärkte entwickeln, hängt auch davon ab“, sagt Tatjana Sedash, Expertin für die nationale Reform der Altersvorsorge. Doch für Schomberg ist klar: „Das Rad in Russland kann nicht mehr zurückgedreht werden.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%