Wachstumschancen
Die Gesundheitsbranche befindet sich im Umbruch

Die Gesellschaft altern, der Markt für Arzneien wächst. Eigentlich beste Voraussetzungen für Investoren in Pharmawerte. Doch die Branche steht vor einer großen Herausforderung: Weil etliche lukraktive Medikamente ihren Patenschutz verlieren, müssen die Branchenriesen ihre neuen Zugpferde besser vermarkten.
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WERTHER. Die Performance von Pharmawerten war zuletzt schwach. "Die Gesundheitsfonds haben sich grundsätzlich unterdurchschnittlich am Aktienmarkt entwickelt", sagt Experte Harald Schwarz, geschäftsführender Gesellschafter, Analyst und Portfoliomanager der Medical Strategy GmbH. 2008 seien Pharmawerte ein defensives Investment gewesen. "Da aber die Prognosen für die Weltkonjunktur besser sind, gibt es eine Trendwende." Die Marktteilnehmer setzen wieder verstärkt auf zyklische Titel - auf Kosten defensiver Werte, zu denen Pharmaaktien zählen. Finanz- und Technologietitel haben sich an die Spitze gesetzt, die Gesundheitsbranche hinkt hinterher. Die Wertentwicklung dieser Unternehmen seit 2008 beläuft sich aktuell auf plus vier bis minus fünf Prozent.

Die Pharmaindustrie befindet sich in einer Übergangsphase. Von 2009 bis 2013 verlieren Medikamente mit einem Umsatz in Höhe von rund 100 Mrd. US-Dollar ihren Patentschutz. Dem Wachstum schaden die dann auf den Markt kommenden günstigen Nachahmer-Präparate aber nicht - das Marktvolumen für Arzneien steigt laut Prognose der IMS Health GmbH in Frankfurt von 825 Mrd. US-Dollar in 2010 auf 975 Mrd. US-Dollar in 2013 an. "Zukünftige Verluste werden durch neue Medikamente mehr als kompensiert", erklärt Schwarz. "Wir investieren nicht in die Unternehmen, die sich wandeln müssen, sondern in die Firmen, die neue Medikamente entwickeln." Die Pharmakonzerne müssten sich wandeln.

Der Gesundheitsmarkt wächst zwar, aber nicht unbedingt die Pharma-Konzerne, die sich lange auf die Einnahmen ihrer Blockbuster verlassen haben. Nun drohen ihnen diese Blockbuster - trotz Milliardeninvestitionen in die Forschung - auszugehen.

Die Investments des Fonds Pharma/wHealth bestätigen diese Entwicklung. Der Fonds wird von drei unabhängigen, spezialisierten Research- und Investmenthäusern gemanagt - darunter auch Medical Strategy. Den mit 40 Prozent größten Fondsanteil weist gegenwärtig die Biotechnologie auf. Es folgen Medizintechnik mit 20 Prozent, Generika mit 15 Prozent und Dienstleistungen mit 13 Prozent. Der Pharmabereich ist derzeit trotz des Fondsnamens mit 12 Prozent am schwächsten gewichtet. Unter den zehn größten Positionen, die zusammen 26 Prozent des Fondsvermögens ausmachen, finden sich sechs Biotechwerte, aber kein einziger großer Pharmakonzern.

Allein mit Personaleinsparungen sei der Wandel in der Branche nicht zu schaffen, meint eine Studie des Beratungsunternehmens ZS Associates Europe. Führungskräfte müssten neue Strategien entwickeln, um Produkte erfolgreich zu vermarkten und sie im Gesundheitswesen verkaufen zu können.

Der Fonds mit der stärksten Performance seit Jahresbeginn ist der CF Equities Haig Pharma, emittiert und verwaltet von Hauck & Aufhäuser. Der Fonds hat kleine und mittlere Generikafirmen und-zulieferer übergewichtet. Untergewichtet sind hingegen die extrem kapitalintensiven forschenden Pharmaunternehmen.

Für Anleger können sich Pharmawerte trotzdem langfristig lohnen. Die Bewertungen sind historisch niedrig, der Einstieg günstig. Ein guter Zeitpunkt also, um an einem wachsenden Zukunftsmarkt zu partizipieren - denn mit zunehmendem Alter der Gesellschaft steigt die Nachfrage nach Medikamenten weltweit.

Zudem werden mit der bevorstehenden Reform in den USA 47 Millionen bisher unversicherte US-Amerikaner von Versicherungsleistungen profitieren. "Die Ausweitung des Versicherungsschutzes wird mögliche Einschränkungen durch staatliche Preisverhandlungen wettmachen", ist Experte Schwarz sicher. Es werde eine Kursrally einsetzen, angeführt von Pharmaunternehmen mit Patenten, die noch lange laufen.

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