Wachstumstreiber
Zertifikatebranche fürchtet strengere Regulierung

Anbieter von strukturierten Finanzprodukten wehren sich gegen eine stärkere staatliche Regulierung ihres Geschäfts. "Die bisherigen gesetzlichen Regeln reichen aus", sagt Dieter Lendle, Chef des Branchenverbands Deutsches Derivate Institut (DDI). Die vergleichsweise geringen rechtlichen Anforderungen in Deutschland gelten als ein Wachstumstreiber des Marktes.

DÜSSELDORF. Die wesentlichen Bestimmungen, denen die Branche unterliegt, stammen von EU-Ebene. Dort wird derzeit die Überarbeitung des engen Rechtsrahmens für Investmentfonds (OGAW-Richtlinie) diskutiert. Das Europäische Parlament dürfte Ende des Monats seinen Vorschlag zur OGAW-Reform beschließen. Danach sollen Investmentfonds auch in Zertifikate investieren dürfen, sofern die Derivate bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Die Branche fürchtet nun, dass mit der Überarbeitung der Fondsrichtlinie auch Zertifikate stärker ins Blickfeld der Regulierer rücken. Auch die europäischen Finanz-Aufsichtsbehörden diskutieren, wie gleiche Wettbewerbsbedingungen für Fonds und Zertifikate geschaffen werden können.

Der Zertifikateverband DDI wendet sich gegen eine Verschärfung der Regeln. "Die strenge Regulierung bei Fonds darf nicht bedeuten, dass auch andere Anlageformen stärker reguliert werden", sagt Lendle. Mit Lobbyarbeit in Brüssel wirbt der Verbandschef in Parlament und Kommission für diese Position.

Der zweite deutsche Branchenverband, das Derivate Forum, arbeitet dagegen seit Monaten an einem Wohlverhaltenskodex für Zertifikateanbieter. Der Beirat des Verbandes, dem sieben Bankvorstände angehören, fordert, "die deutsche Regulierung nach Europa zu exportieren".

In Deutschland ist der Rechtsrahmen der Branche vergleichsweise weit gesteckt. Anleger profitieren vom harten Preiswettbewerb, den sich die Emittenten vor allem bei Standardprodukten wie Discountzertifikaten liefern. Die wesentliche Grundlage für den Verkauf von Zertifikaten ist das seit 1. Juli 2005 gültige Wertpapier-Prospektgesetz, das auf der EU-Prospektrichtlinie basiert. Nach Ansicht des Deutschen Derivate Instituts reicht dieser Rahmen auch vollständig aus. Die Wertpapierprospekte der Emittenten enthielten "eine äußerst umfangreiche Beschreibung der Risiken des jeweiligen Wertpapiers", heißt es in der Stellungnahme des Verbandes zum OGAW-Papier des Parlaments. Mehr Transparenz bei den Kosten hält der Verband nicht für nötig, da die Absicherungsgeschäfte des Emittenten - anders als bei der Fondsverwaltung - keine direkten Auswirkungen auf die Kosten für Anleger haben. Allerdings brauchen die Banken für die Absicherung meist nur einen Teil der angelegten Gelder, den Rest kassieren sie selbst.

Im europäischen Ausland sind die Rahmenbedingungen für strukturierte Finanzprodukte teilweise strikter. Ein Gegenpol zum liberalen Deutschland ist beispielsweise Frankreich. So hat die Pariser Finanzaufsicht AMF ihre Regeln für den Vertrieb von Derivaten an Privatanleger deutlich verschärft. Emittenten müssen dort sogar ihre Werbeunterlagen von der Aufsicht genehmigen lassen. Auch die französische Justiz geht nicht zimperlich mit der Branche um. Im Februar verurteilte sie die Post zur Zahlung von Schadensersatz an 17 Anleger, die ein Garantiezertifikat gekauft hatten. Begründung: Irreführende Werbung.

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