Währungen
John Taylor kapituliert vor dem Euro

John Taylor machte keinen Hehl daraus, dass er nichts vom Euro hält. Die Währung sei wie ein Huhn, dem der Kopf abgeschlagen wurde, sagte er einst. Doch jetzt ändert der Hedge-Fonds-Manager überraschend seine Meinung.
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„Der Euro ist wie ein Huhn, dem der Kopf abgeschlagen wurde. Das Tier rennt noch Minuten kopflos umher, bis es einknickt und stirbt.“
Mit diesen Worten wetterte John Taylor, Gründer und Manager des weltweit größten Devisen-Hedgefonds FX Concepts, gegen den Euro. Das war im Jahr 2010. Der Hedge-Fonds-Manager wettete nach eigenem Bekunden auf ein Ende des Euros. Doch die Wette ging nicht auf. Jetzt gibt Taylor seinen Fehler zu - und nimmt die ungeliebte Währung wieder in sein Portfolio auf.

„Die Fakten sprechen für sich“, sagte Taylor in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag, „Wenn man einen hohen Handelsbilanz-Überschuss hat, wenn die Kapitalzuflüsse groß sind und wenn die Notenbank streng ist - und diese Notenbank ist strenger als die der USA - dann wird die Währung einfach nicht nachgeben.” Und: „Selbst ich besitze den Euro.”

Dass der bekennende Euro-Gegner seine Meinung ändert, kommt überraschend. Schließlich erklärte Taylor noch im März dieses Jahres einem Interview, dass seine Fonds den Euro schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr besessen hätten. Lieber seien ihm Währungen außerhalb der Eurozone - etwa der russische Rubel oder der rumänische Leu.

Zudem kommt die Einsicht spät. Schließlich erwirtschaftet die EU schon seit 2011 positive Überschüsse. Im April dieses Jahres betrugen sie knapp 16 Milliarden Euro. Die Gemeinschaftswährung hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt: Ende Juni konnte der Euro im Vergleich zu Dollar um rund 4,9 Prozent aufwerten und wies damit die beste Entwicklung unter zehn wichtigen Währungen auf, die von Bloombergs Correlation-Weighted-Indizes abgebildet werden. Dem konnten auch die leichten Einbrüche in den vergangenen Tagen wenig anhaben.

Taylor ist bekannt dafür, mit seinem Fonds, der über vier Milliarden US-Dollar verwaltet, in Krisenzeiten hohe Renditen zu erzielen. Satte 43 Prozent Rendite fuhr er ein, als George Soros gegen den britischen Pfund spekulierte. Doch das ist lange her. Er wäre nicht der erste Hedge-Fonds-Manager, den das Glück verlassen hat.


Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Währungen: John Taylor kapituliert vor dem Euro"

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  • Ein John Taylor macht noch keinen Sommer könnte man sagen...
    Nur zur Erinnerung paar kleine Fakten: Die Euro-Zone stand bereits (mehr als einmal) vor der unkontrollierten Auflösung, wie erst kürzlich v. EZB Direktoren-Darsteller Asmussen vorm BVerfG ausgeführt.
    Ohne massive Manipulation der Zinssätze durch EZB wäre der "Friedenseuro" längst für zahlreiche Mitgliedsländer der Südzone unhaltbar.
    Und selbst ich hab noch einige der häßlichen Noten im Portemonaie, und..??
    Was sollte uns dieser Artikel eigentlich sagen liebes HB?

  • 'Oldi.' sagt
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    @Rechner Ich habe gegooglt und andere, negativere, Zahlen für den Euroraum erhalten.
    -----------------

    Man fragt sich wo.

    Schauen Sie doch einfach bei der EZB nach:

    https://stats.ecb.europa.eu/stats/download/bsi_ma_flows/bsi_ma_flows/bsi_maflows.pdf

    +++

    'Oldi.' sagt
    -----------------
    Aber selbst die sagen nichts aus, da der Geldmengen-Zuwachs im Verhältnis zum Wirtschaftszuwachs gesehen werden muss. Nur dann lässt sich die tatsächliche Realität erkennen.
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    Auch bei NULL Wirtschaftswachstum können Sie aus einem Geldmengenwachstum von 1,5% p.a. ceteris paribus nicht mehr als 1,5% Geldentwertung basteln.

    Das ist besser, als was die DM in 40 Jahren (1949 - 1989 : 2,6% p.a. durchschnittlich) geschafft hat.

    ...

    Das schlimmste was man gegen den Euro sagen kann ist daß er nicht der Schweizer Franken ist.

    Aber sonst eigentlich nichts.

  • 'Oldi.' meint
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    @Verrechner, leider haben sie die offenstehenden Bundesbanksalden nicht gegengerechnet, die zwar auf der Positivseite bei den Firmen stehen, nicht aber in die Statistik einfließen.
    ----------------

    Die "offenstehenden Bundesbanksalden" sind soweit Sie damit die berühmten "Target-Salden" meinen für die Zahlungsbilanz der Eurozone irrelevant, da sie nur INNERHALB derselben auftreten.

    Solten Sie Salden mit Notenbanken außerhalb der Eurozone meinen, so versuchen Sie bitte zu verstehen, daß man nicht gleichzeitig eine positive Zahlungsbilanz und keine Auslandssalden haben kann.

    Die Eurozone insgesamt hat übrigens eine negative Netto-Investment-Position von etwa 1,1 Billionen. Auch wenn die aufgrund der positiven Zahlungsbilanzen der letzten Jahre um etwa 15% gesunken ist. In jedem Fall - das Ausland scheint sich TATSÄCHLICH keine großen Sorgen um seine 1,1 Billionen zu machen - sonst würde der Euro fallen. Im Vergleich zum BSP der Eurozone (9,5 Billionen) sind 1,1 Billionen auch nicht allzuviel.

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