Wahlen Mexiko und Brasilien
Kurs Südamerikas ist offen

Drei Jahre kontinuierlicher Kursanstieg an den Börsen Südamerikas, sechs Präsidentschafts- und Kongress-Wahlen mit möglichem politischem Linksruck in den nächsten neun Monaten – lohnt sich da noch der Einstieg in Lateinamerika-Fonds?

HB HAMBURG. „Bedingt“, lautet die Antwort von Kennern der Emerging Markets. Kurszuwächse von mehr als 73 Prozent, wie sie 2005 die zehn besten Fonds erzielten, erwartet wohl niemand mehr. Dennoch sind die Experten optimistisch.

„Ökonomisch gesehen, bietet die Region sehr attraktive Perspektiven“, sagt Bill Rudman von WestAM in London. Er ist Manager des erfolgreichsten Lateinamerika-Fonds 2005. Sein WestAM Compass Latin America Fund erzielte ein Plus von 82 Prozent. Für das Superwahljahr 2006 in Lateinamerika hält er aber nur Wertzuwächse von 20 bis 25 Prozent für realistisch. Nachdem in einigen südamerikanischen Staaten bereits linksgerichtete Regierungen an der Macht sind und auch die Wahlen in Chile und Bolivien Ende 2005 zugunsten des linken Parteinspektrums ausfielen, herrscht Unsicherheit. „Viele internationale Investoren fürchten einen sozialistischen ‚Flächenbrand' mit der Abkehr von marktwirtschaftlichen Grundsätzen", sagt Günther Scheppler, Lateinamerika-Analyst der DZ-Bank. „Wir halten das aber für übertrieben.“

Ohnehin sind die meisten Länder, in denen 2006 gewählt wird – Costa Rica, Peru, Kolumbien, Ecuador und Venezuela – nicht oder nur in geringem Maße in den Lateinamerika-Fonds vertreten. Interessant sind nur die Wahlausgänge in Mexiko im Juli und in Brasilien im Oktober. In diesen Ländern liegen auf Grund der Vorgabe durch den Vergleichsindex, den MSCI EM Latin America Index, meist die Investitionsschwerpunkte.

Die Kandidatur des Sozialisten Andrés Manuel López Obrador in Mexiko sehen Experten mit Sorge. „Wir gewichten mexikanische Aktien weniger stark, halten sie aber als zweitgrößte Position“, sagt Rudman. Robert Lampl – Manager des ING Invest Latin America P Cap, des drittplatzierten Fonds der Spitzenreiter – erklärt: „Wir haben uns in Sektoren und Industriezweigen positioniert, die von einem möglichen politischen Wechsel am wenigsten betroffen sein dürften. Das sind unserer Einschätzung nach die Bereiche Wohnungsbau, Banken und Infrastruktur.“

Die größten Hoffnungen ruhen auf Brasilien. „Das ist nicht nur der interessanteste Markt, weil er der liquideste ist und die meisten Unternehmen aufweist, in die investiert werden kann. Er ist darüber hinaus auch noch günstig bewertet“, sagt Will Landers, Manager des Merrill Lynch MLIIF Latin American Fund, des mit einem Volumen von rund 2,8 Mrd. Dollar größten Südamerika-Fonds. Als größter Rohstofflieferant der Region profitiere Brasilien von der ungebremsten Nachfrage nach Grundstoffen und den gestiegenen Rohstoffpreisen, so Rudman. Große Impulse erwartet er auch vom historisch niedrigen Zinsniveau. „Wenn der Kreditkreislauf in Brasilien anspringt, steckt dahinter eine enorme Kraft. Wir rechnen damit, dass die Konsumenten mehr von allem kaufen.“

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