Weltkonjunktur
Schwellenländer überflügeln Industrienationen

Die Verbraucher in den Industrieländern müssen sparen - oder gleich auf Konsum verzichten. Die Kaufzurückhaltung belastet das Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Jahren. Einzige Hoffnung: Die Binnenkonjunktur der aufstrebenden Länder zieht deutlich an.
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FRANKFURT. Treffsicher analysieren Ökonomen die derzeitige Situation in den Industrieländern: "Wachstum findet woanders statt." Denn die US-Verbraucher, die über mehrere Dekaden den weltweiten Aufschwung anheizten, sind durch die größte Wirtschaftskrise der Geschichte zum Sparen gezwungen - jedenfalls jene, denen noch Geld zum Sparen bleibt.

Weltweit reflektieren die Börsen die verschobenen Wachstumsperspektiven. Denn während die Aktienmärkte in den Industrieländern - gemessen am MSCI-Weltindex - in diesem Jahr lediglich ein Plus von knapp 23 Prozent aufweisen, ist die Performance der Schwellenländer - gemessen am MSCI EM-Index - mit 67 Prozent fast dreimal so hoch. Noch beeindruckender ist die Wertentwicklung an den Börsen der am stärksten wachsenden Länder Brasilien, Russland, Indien und China: Der MSCI-BRIC-Index weist seit Jahresanfang ein Plus von 83 Prozent auf.

"Richtig ist zwar, dass die Schwäche der Weltkonjunktur auch die Emerging Markets negativ beeinflusst, doch entwickeln diese durch ihre wachsende Binnenkonjunktur immer mehr Eigendynamik", sagt Mark Mobius, geschäftsführender Chairman der Fondsgesellschaft Templeton Asset Management. In diesen Ländern hat sich in den vergangenen Jahren unverkennbar ein Strukturwandel vollzogen: weg von Exporten, hin zum Inlandskonsum. Länder wie Brasilien, Indien, die Türkei, Russland, China und Indonesien haben ihre Abhängigkeit von Exporten in die G7-Staaten deutlich reduziert. "Diese Tendenz wird sich wegen der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten weiter fortsetzen", sagt Wim-Hein Pals, Portfoliomanager des Robeco Emerging Markets Equities Fund.

Die Anhäufung gigantischer Devisenreserven in den aufstrebenden Märkten versetze sie in die Lage, externe Schocks erheblich besser zu verkraften, sagt Mobius. Bei der Einzelanalyse setzen Fondsmanager auf verschiedene Märkte, wobei China, Indien und Brasilien auf den Empfehlungslisten immer wieder oben erscheinen.

Nach Meinung der Experten in der Fondsbranche bieten die Emerging Markets bessere Anlagechancen als die traditionellen Industrieländer: Zum einen hätten die Emerging Markets wegen des Wohlstandsgefälles zu den Ländern der westlichen Welt einen enormen Nachholbedarf. Zum anderen würden demographische Trends wie die wachsende Zahl junger Menschen für die Schwellenländer als Anlageziele sprechen. Robeco-Experte Pals hat mehrere Wachstumstreiber identifiziert, die seine Vorliebe für Schwellenmärkte begründen.

Pal erwartet, dass die Börsen der Schwellenländer kurzfristig durch positive Gewinnkorrekturen angetrieben werden. Die Bewertungen seien heute fast vergleichbar mit denen der entwickelten Märkte, doch sei die Wachstumsdynamik von BRIC & Co. wesentlich stärker ausgeprägt. Zudem verfügen Länder wie beispielsweise Korea und Taiwan über hunderte Millionen Dollar ausländischer Devisenreserven, und ihre Staatshaushalte weisen Überschüsse auf. Und als Klassenprimus hat China in den vergangenen Jahren gigantische Währungsreserven aufgebaut, die 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

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