Weltweiter Wohlstand
Die neuen Reichen leben im Osten

Der Reichtum in China hat sich in zehn Jahren mehr als verdreifacht. In Russland wuchs der Wohlstand sogar um den Faktor fünf. Die Geldhäuser in aller Welt hoffen auf neue Geschäfte mit der betuchten asiatischen Kundschaft.
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FRANKFURT. Das Reich der Mitte wird immer reicher. Wie die Schweizer Großbank Credit Suisse in ihrem "Global Wealth Report" feststellt, hat sich das Vermögen chinesischer Privathaushalte in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Verfügten alle Chinesen noch im Jahr 2000 zusammen über ein Sach- und Anlagevermögen in Höhe von rund 4,7 Bill. US-Dollar, liegt der Wert inzwischen bei rund 16,5 Bill. US-Dollar Zum Vergleich: Die Deutschen steigerten ihr Privatvermögen im gleichen Zeitraum von 5,8 auf rund 11,0 Bill. US-Dollar - ein Anstieg um fast 90 Prozent.

In dem erstmals veröffentlichten Report und dem dazugehörigen Datenbuch untersuchen die Ökonomen der Credit Suisse, wie sich das Vermögen der Welt in den vergangenen zehn Jahren verändert hat. Ihr wichtigstes Ergebnis: Trotz platzender Dotcom-Blase, Lehman-Pleite und Wirtschaftskrise wächst der weltweite Wohlstand langfristig immer noch deutlich.

Auf rund 200 Bill. US-Dollar taxiert die Credit Suisse die weltweit vorhandenen Besitztümer. Umgerechnet auf erwachsene Erdenbewohner entspricht das einem durchschnittlichen Vermögen in Höhe von rund 43800 US-Dollar - rund 43 Prozent mehr also noch im Jahr 2000. Einen Teil des in US-Dollar gemessenen Wachstums führen die Schweizer Ökonomen auf die Schwäche der amerikanischen Währung im Vergleich zu anderen Leitwährungen zurück. Aber selbst wenn man die Währungseffekte herausrechnet, ist die Weltbevölkerung heute im Schnitt 24 Prozent reicher als noch vor zehn Jahren.

Befeuert wird diese Entwicklung von einem starken Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern. Die rasanteste Aufholjagd in Sachen Wohlstandsmehrung legten Indonesien und Russland hin. Die Ökonomen schätzen, dass sich in beiden Ländern das Vermögen eines Erwachsenen in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht hat. Allerdings auf vergleichsweise geringem Niveau: Lag das indonesische Durchschnittsvermögen im Jahr 2000 bei etwa 2 500 US-Dollar sind es jetzt rund 12 200. Vor allem die wachsenden Immobilienpreise in dem südostasiatischen Land treiben laut Credit Suisse das Wohlstandswachstum.

Zu den Wachstumsstars gehören auch Länder wie Australien, Neuseeland, Polen, Rumänien und eben China, wo sich der Wohlstand immerhin noch verdreifacht hat. In den USA wuchs das Vermögen der privaten Haushalte mit 22 Prozent in zehn Jahren nur moderat, in Japan blieb es bei nur fünf Prozent Wachstum nahezu konstant. Am unteren Ende der Skala befinden sich Island und Argentinien, wo der Wohlstand sogar um 30 Prozent eingebrochen ist.

Die reicher werdenden Gesellschaften in Asien und Osteuropa beflügeln die Phantasien von Bankern und Vermögensverwaltern. Sie alle wollen mit den neuen Dagobert Ducks dieser Erde Geld verdienen. So strebt etwa die Credit Suisse in Zentral- und Osteuropa bis zum Jahr 2012 ein Wachstum ihres Geschäftsvolumens von 20 bis 25 Prozent an. Im asiatisch-pazifischen Raum hofft das Geldhaus auf ein Wachstum zwischen 15 und 20 Prozent. Im Vergleich dazu sind die Aussichten in Westeuropa geradezu langweilig: Maximal sieben Prozent Steigerung halten die Schweizer in der Alten Welt für möglich.

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  • Es ist zwar mal schön, das Durchschnittseinkommen eines Erdmenschen zu erfahren, doch die Statistiken, auch die Anzahl der Millionäre, ist absolut nicht repräsentativ für den Reichtum eines Volkes. Wenn 15% der bevölkerung über 85% der Vermögen verfügen, ist das zugrunde liegende Durchschnittseinkommen so aussagefähig, wie die Durchschnittstemperatur einer Stadt. in San Franzisko fast konstant 15-25Grad, im Sommer wie im Winter, bei einer Stadt mit Kontinentalklima im Sommer 45Grad plus und im Winter 45 Grad minus, in der Statistik identische Temperatur.

    Der Reichtum einer ganz kleinen Schicht in den Schwellenländern ist ausschließlich einer korrupten und kriminellen Minderheit in und um das Machtzentrum angesiedelt. bestes beispiel Kenia.
    Flüsse werden umgeleitet, die Landbevölkerung bekommt über Tankwagen kostenpflichtiges Trinkwasser, das Vieh verreckt, ebenso die Wildtiere.
    Das Wasser wird über eine Pipeline direkt in die Tulpenanbauplantagen des bruders des Präsidenten nach Nairobi geleitet, natürlich kostenlos, versteht sich ja von selbst.

    Und so lange in den aufstrebenden industrienationen moderne Sklaverei alltäglich ist, 20 Euro im Monat für die große Masse der bevölkerung, keinen Schutz bei Krankheit, keine Altersversorgung usw., verdienen die korrupten und kriminellen Parteikader mit ihren Helfershelfer Millionen und Milliarden.
    Russland, eines der reichsten Länder überhaupt auf diesem Planeten mit unendlichen bodenschätzen, dort verrecken im Winter die Rentner, weil ihnen die Heizung abgedreht wird zu Tausenden. Was juckt dies dagegen ein paar Oligarchen, die mit ihren Luxusjachten um die Welt chippern, wo so ein Schiffchen schon mal 100 Mio. kostet.

    Es könnte so schön sein, auf diesem Planeten, wenn gerechter Wohlstand für alle da wäre. Kein Traum, sondern nur eine Frage, wie lange sich die geknechteten Völker sich das alles noch gefallen lassen. Die Lunte brennt schon .... und das Pulverfass steht nicht weit weg!!
    Vielleicht einer der Gründe, weshalb die „Terroristen“ weltweit immer mehr Unterstützung erhalten.

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