Wertentwicklung verschreckt Anleger
Steigende Abflüsse bei großem Fidelity-Fonds

Die internationale Fondsgesellschaft Fidelity hat immer größere Probleme mit ihrem Flaggschiffprodukt „European Growth Fund“. Anleger zogen im Oktober und November aus dem europaweit größten Aktienfonds weitere zwei Mrd. Euro ab.

FRANKFURT. Damit flossen seit Jahresbeginn gut fünf Mrd. Euro ab. Das im Frühjahr erreichte Vermögen von 24,5 Mrd. Euro ist jetzt auf wenig mehr als 19 Mrd. Euro und damit um rund ein Fünftel abgeschmolzen. Diese Zahlen nannte Klaus-Jürgen Baum, Deutschland-Leiter von Fidelity, dem Handelsblatt. „Die Abflüsse haben sich beschleunigt“, sagte er.

Deutsche Anleger spielen eine Schlüsselrolle. Laut Baums Schätzung halten rund eine Million deutscher Kunden etwa 40 bis 45 Prozent des Fondsvermögens. Ein Grund für den Kapitalverlust ist die unterdurchschnittliche Wertentwicklung in diesem Jahr. Wichtig sind auch die Dispositionen von Dachfonds und Vermögensverwaltern, denn der European Growth war mit seinen langfristigen Überrenditen lange ein beliebter Baustein in den Depots. Das hat sich teilweise geändert. „Einige Dachfondsmanager und Vermögensverwalter müssen laut internen Richtlinien nach einem Managerwechsel entsprechende Fondsbestände ganz oder teilweise abbauen“, sagt Baum. Graham Clapp wird zum Jahresende die Leitung des Fonds an Alexander Scurlock übergeben. „Scurlock ist Experte für Standardaktien und hat hier in der Vergangenheit nur minimale Mehrerträge gegenüber dem Index erzielt, deshalb gibt es keinen Grund am Fonds festzuhalten“, sagt ein Vermögensverwalter, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Der European Growth habe seine Mehrrenditen vor allem Investments in mittelgroßen und kleinen Werte zu verdanken. Dieses Urteil über den neuen Mann auf der Kommandobrücke hält Baum für falsch: Scurlock habe sein Talent außerhalb des Standardwertebereichs bereits unter Beweis gestellt.

Der Vermögensverwalter kritisiert das starke Wachstum des Fondsvermögens über viele Jahre: „Fidelity war schlecht beraten, das Portfolio so groß werden zu lassen – eine Schließung wäre besser gewesen.“ Immerhin hatte die Gesellschaft wegen des starken Zuflusses neuer Anlegergelder schon vor zwei Jahren zumindest die Werbung eingestellt. Jetzt wird der Fonds wieder aktiv vermarktet.

Darüber, wann die Mittelabzüge beendet sind, möchte Baum nicht spekulieren. „Von Panik sind wir weit entfernt“, sagt er. Eine Präsentation des neuen Managers vor Vertriebspartnern sei jedenfalls auf gute Resonanz gestoßen. Baum hat übrigens eigenes Geld im Fonds angelegt: „Ich bleibe investiert.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%