Wertpapiere von in finanziellen Schwierigkeiten befindliche Unternehmen sind gefragt
Wertpapiere: Gewinnen mit Verlierern

„Distressed Securities“ ist eine Subkategorie des Bereichs „Event Driven“. Als „distressed“ gelten Wertpapiere wirtschaftlich stark angeschlagener Firmen. Wertpapiere mutieren dann zu Distressed Securities, wenn sich die Kreditqualität von Unternehmen verschlechtert und Zweifel aufkommen, ob das Unternehmen Zins- und Tilgungs-Verpflichtungen erfüllen kann.

FRANKFURT. Im engeren Sinn zählen dazu Anleihen und Kredite von Unternehmen, die kurz vor oder bereits in einem Konkursverfahren oder in einer Restrukturierung stehen. Im weiteren Sinn gehören hierzu auch Aktien sowie alle Wertpapiere, deren implizite Verzinsung mehr als 10% über der Verzinsung von Staatsanleihen liegt.

Das Angebot an Distressed Securities ist zyklisch. In ausgeprägten Aufschwungphasen senken die Banken ihre Kredit-Standards und Anleger sind weniger risikoscheu als in Baissezeiten. Dadurch können sich viele Unternehmen über die Kapitalmärkte finanzieren. Das benötigte Kapital für risikoreiche Expansionspläne oder Akquisitionen können sich Firmen durch High Yield Bonds – Unternehmensanleihen mit hoher Verzinsung und tiefem Rating (unter BBB-) – beschaffen. Dadurch steigt die Verschuldung der Unternehmen im Verhältnis zur Ertragskraft und zum Eigenkapital und führt zu einer höheren Anfälligkeit für konjunkturelle Rückschläge.

Sinkende volkswirtschaftliche Wachstumsraten führen in der Regel auch zu sinkenden Cashflows. Auf der anderen Seite muss aber die volle Schuldenlast bedient werden. Unternehmen, die eine schwächere konjunkturelle Entwicklung nicht antizipiert und sich während des Aufschwungs übernommen haben, können dann ihren Verpflichtungen oft nicht mehr nachkommen.

Trotz geringerer Einnahmen müssen Unternehmen ihrer Zahlungsverpflichtung nachkommen

Das Volumen neu emittierter High Yield Bonds gilt als ein wichtiger Indikator für künftig zu erwartenden Kreditausfälle. Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurden hohe Volumina an High Yield Bonds emittiert, insbesondere von Technologie-, Telekom- und Medienunternehmen. Die Ausfallraten stiegen seit Mitte des Jahres 1998 stark an. Die konjunkturelle Abkühlung und das Platzen der Technologie

-Blase ab dem Frühjahr 2000 führten in der Folge zu einer explosionsartigen Zunahme an Distressed Securities.

Der Investor in Distressed Securities erzielt einen Gewinn auf die Investition, wenn der innere Wert der erworbenen Wertpapiere die Anschaffungskosten übersteigt. Die Attraktivität von Distressed Securities liegt in der teilweise starken Ineffizienz des Marktes. Diese Ineffizienz ist oft auf das stimmungs-zyklische Verhalten von Anlegern zurückzuführen. Unternehmen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, werden von Analysten oft wie „heiße Kartoffeln“ fallen gelassen und nicht weiter verfolgt. Die meisten Anleger verfügen aber weder über die Möglichkeit noch das Know-how, sich die notwendigen Informationen selbst zu beschaffen und verkaufen die Papiere ungeachtet des aktuellen Preises. Auch institutionelle Investoren stehen unter Verkaufsdruck: Viele sind auf Grund von Vorschriften und Richtlinien gezwungen, sich von Papieren zu trennen, die unter die Bewertung „Investment-Grade“ rutschen. Dieses Anlegerverhalten hat zur Folge, dass die Preise von Distressed Securities häufig weit unter dem effektiven Wert liegen. Das macht sie für Hedge Funds Manager attraktiv.

Seite 1:

Wertpapiere: Gewinnen mit Verlierern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%