Wettbewerb
Luxemburg hängt Deutschland als Fondsstandort ab

Im Wettbewerb zwischen Luxemburg und Deutschland als Fondsstandort öffnet sich die Schere nach Einschätzung von Experten weiter zugunsten des Nachbarlandes. Dabei profitiert das Nachbarland gerade in der Finanzkrise von seinen größeren Anlagefreiheiten für das Management.

FRANKFURT. „Die aktuelle Börsenkrise im Zusammenspiel mit der nahenden Abgeltungsteuer werden diesen Vorsprung per Saldo noch vergrößern“, sagt Clemens Schürhoff, Geschäftsführer von Kommalpha Institutional Consulting.

Schon die bisherigen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Laut Zählung der Analysefirma FWW Research Services wurden im bisherigen Jahresverlauf insgesamt 284 Publikumsfonds in Luxemburg aufgelegt, aber nur 65 in Deutschland. Dies ist der größte Abstand seit drei Jahren (siehe „Vorsprung wird immer größer“). Auch gemessen an den Zuflüssen allein der deutschen Anbieter setzt sich Luxemburg immer weiter ab. Im laufenden Jahr kamen praktisch die gesamten Nettozuflüsse aus Fonds, die in Luxemburg aufgelegt und dann den hiesigen Kunden angeboten wurden.

„Die Debatte ist deshalb so bedeutsam, weil es um Arbeitsplätze und Steuern geht“, sagt Hans-Jürgen Dannheisig von Kommalpha. Das kleine Land hat sich als Auflagestandort und damit als zentraler Platz für Fondsadministration und -buchhaltung etabliert, wobei es auch von der starken Ballung an Dienstleistungsexpertise etwa von Anwälten und Wirtschaftsprüfern profitiert. „Große internationale Häuser legen ihre Produkte fast ausschließlich in Luxemburg auf, um sie von dort aus pan-europäisch anzubieten“, sagt Bernd Vorbeck, Geschäftsführer von Universal Investment. Nach einer einmaligen Auflage im Nachbarland ist der anschließende Vertrieb in anderen Ländern vergleichsweise einfach. „Wenn ein ausländisches Haus seine Produkte in Europa verkaufen will, geht es automatisch nach Luxemburg“, urteilt Stefan Grün, Leiter der Luxemburger Niederlassung von DJE Kapital. Für ihn hat der Treck ins Nachbarland eine Eigendynamik erreicht. „Wie Tempo für Taschentuch steht, steht Luxemburg inzwischen für einen einfachen Zulassungsprozess, über Deutschland wird gar nicht mehr nachgedacht“, sagt er.

Die aktuellen Nachrichten von den Anbietern sprechen eher für einen weiter wachsenden Vorsprung Luxemburgs. Die Bank Sal. Oppenheim verlegte ihre Zentrale ins Nachbarland, Universal hat in ihre dortige Niederlassung investiert, die Meag stärkte ihren Luxemburger Standort, eine andere deutsche Anlagegesellschaft wird ihre Fonds dort zusammenziehen. Ein Insider berichtet über Auswüchse des Runs: „Wegen des starken Wachstums sind dort die Personalnöte so groß, dass die Gesellschaften Halte- und Wechselprämien zahlen, fast wie in der Bundesliga.“

Auch die Börsenkrise dürfte die Produktauflage im Nachbarland stimulieren. „Fonds mit Risikopuffern werden in Zukunft eine noch größere Rolle spielen“, sagt Dannheisig. Schon bisher zog Luxemburg Vorteile aus seinen größeren Anlagefreiheiten für das Fondsmanagement, die gerade bei risikobegrenzten Fonds wichtig sind. „Da war Luxemburg immer führend.“

Die ab 2009 geplante Abgeltungsteuer sollte wegen des leichten Steuerstundungseffektes für Luxemburger Fonds tendenziell ebenfalls das Nachbarland begünstigen. Daran wird ein erwarteter Einmaleffekt nichts ändern: Viele kleine Vermögensverwalter, die bisher Direktbestände betreuen, müssen wegen der neuen Steuer Fonds auflegen, da sie sonst bei jeder gewinnbringenden Transaktion Abgeltungsteuer zahlen müssten. Das dürfte laut Experten im kommenden Jahr zur Auflage von Fonds mit allerdings geringem Volumen führen. Die Universal, klassische Anlaufstelle für unabhängige Vermögensverwalter zur Auflage eigener Fonds, spürt die Nachfrage bereits. „Die werden fast alle ihre Produkte nach deutschem Recht auflegen lassen, weil das für ihre Anforderungen völlig ausreichend ist“, heißt es bei der Anlagegesellschaft.

Die Novelle des deutschen Investmentgesetzes mit seinen vorgesehenen Erleichterungen im Fondsgeschäft soll den Vorsprung Luxemburgs zwar verringern helfen. „Das ist ein richtiges Signal, aber wir können nicht erwarten, dass wir damit die Entwicklung über Nacht umkehren können“, sagt Wolfgang Mansfeld, Präsident des deutschen Investmentverbandes BVI. Ein Anwalt geht noch weiter: „Deutschland wird es nicht schaffen, die Luxemburger sind in ihrer Gesetzgebung und bei der Aufsicht einfach cleverer.“

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