Wissenswertes über Fonds
Nicht jeder Hedge-Fonds ist eine Heuschrecke

Hedgefonds sind in den vergangenen Jahren in die Diskussion geraten. "Blutsauger" und "Heuschrecken" sind Schlagworte, die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. Doch das wird dieser Fondsgattung nicht ganz gerecht. Denn Hedgefonds ist nicht gleich Hedgefonds.

DÜSSELDORF. Hedgefonds sind Alleskönner - jedenfalls lesen sich die Selbstbeschreibungen der Fonds so. Unabhängig von Benchmark und Börsenaufsicht dürfen Hedgefonds-Manager in alles investieren, was Gewinn bringt. Theoretisch jedenfalls. Bei näherer Betrachtung sieht es schnell anders aus. Denn erstens es ist gar nicht das eigentliche Ziel von Hedgefonds, überdurchschnittlich hohe Gewinne mit riskanten Spekulationen zu erzielen. Und zweitens ist Hedgdefonds nicht gleich Hedgefonds. Es gibt fünf verschiedene Strategien, mit denen die jeweiligen Fondsmanger sehr unterschiedliche Investmentziele verfolgen.

Erstens: Hedgefonds kommt von "to hedge"

"To hedge" bedeutet wörtlich übersetzt "absichern". Beim Vater der Hedge-Fonds, Alfred Winslow Jones, hatte es Ende der vierziger Jahre tatsächlich noch diese Bedeutung. Der gelernte Finanzjournalist entwickelte eine Handelsstrategie, die sowohl bei fallenden als auch bei steigenden Märkten Gewinne möglich machte: Er kaufte Aktien aussichtsreicher Unternehmen. Und er verkaufte Aktien von weniger aussichtsreichen Unternehmen leer, ohne sie zu haben - er lieh sie sich und kaufte sie später, wenn sie im Wert verloren hatten, preiswerter zurück. Durch den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Aktien konnte er einen Teil des Marktrisikos eliminieren. Alfred Winslow Jones starb 1989 - übrigens steinreich. Die Idee, Marktrisiken mit Hilfe verschiedener Strategien zu minimieren, überlebte. Und mit ihr Winslows Ansatz, "Short zu gehen" - also Aktien leer zu verkaufen, die man gar nicht besitzt. Dieser Handelsansatz ist eines der beiden wichtigsten Instrumente von Hedgefonds.

Ein anderes wichtiges Instrument ist das Hebeln, auch Leveraging genannt. Dabei werden kurzfristig Kredite aufgenommen, um größere Marktvolumina bewegen zu können. Die Idee ist dem Leerverkauf ähnlich, nur in umgekehrter Richtung: Der Fondsmanager leiht sich nicht Wertpapiere, verkauft sie und kauft sie später (hoffentlich) preiswerter wieder zurück, sondern er leiht sich Geld, kauft damit Aktien und verkauft diese später (hoffentlich) wieder zu einem höheren Preis. Der unter dem Strich erwirtschaftete tatsächliche Netto-Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen realisiertem Kursgewinn und den Kreditkosten, die in der Zeit zwischen Kauf und Verkauf der Wertpapiere angefallen sind.

Sowohl beim Leerverkauf als auch beim Leveraging müssen Hedgefonds-Manager Gebühren zahlen: entweder die Leihgebühren für die Aktien (beim Leerverkauf) oder Zinsen für den Kredit (beim Leveraging). Der mit der jeweiligen Transaktion erzielte Gewinn muss höher sein als die Kosten für die Finanzierung. Hedgefonds-Manager müssen also besonders gut sein und in der Mehrzahl der Fälle besser als der Markt agieren, damit die Rechnung aufgeht. Das ist ein schwieriges Unterfangen, weshalb zunehmend viele Hedgefonds-Manager in den vergangenen Jahren mit geliehenem Kapital in Finanzderivate investierten, in denen implizit ein Wertpapierkredit versteckt war. So hebelten sie ihr Kapital gleich doppelt.

Vorteil: Auf diese Weise können Hedgefonds-Manager mit relativ kleinem Kapital sehr, sehr große Summen an der Börse bewegen. Die potenziellen Gewinnspannen sind enorm. Nachteil: Der Schuss kann auch gewaltig nach hinten losgehen, wie Anleger zuletzt während der Finanzkrise 2008 bitter erfahren mussten. Aber auch schon 1998 führte die Pleite des Hedgefonds Long Term Capital Management (LTMC) vor, wie riskant das Geschäft mit doppelt gehebelten Investments sein kann. Die Pleite des LTMC löste einen weltweiten Zusammenbruch der Aktienmärkte aus. Die US-amerikanische Zentralbank sprang in letzter Sekunde ein und verhinderte das Schlimmste.

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