Wogen haben sich geglättet
Schiffsbeteiligungen: Volle Fahrt voraus

Schiffsbeteiligungen bewegen sich mit voller Fahrt einer weiterhin sehr lukrativen Zukunft entgegen. Die unruhigen Wogen vergangener Zeiten haben sich längst geglättet.

Containerschiffe und Tanker regieren die Weltmeere. Mit jährlichen Wachstumsraten von zukünftig sieben Prozent bilden Containerschiffe in Deutschland den wichtigsten und dynamischsten Markt. Die Größe eines solchen Schiffes wird in Twenty-Foot-Equivalent-Units TEU gemessen. Die Einheit von 20 Fuß entspricht genau der Länge eines Standard-Containers. Somit bestimmt dieses Maß, wie viele Boxenstellplätze ein Schiff zur Verfügung hat. Prof. Dr. Manfred Zachcial vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik ISL prognostiziert die Entwicklung des Segments: "Der Containerumschlag von 300 Millionen TEU wird sich bis 2015 mindestens verdoppeln." Das Emissionshaus MPC Münchmeyer Petersen Capital sieht ebenso den positiven Trend dieses Bereichs und investiert hauptsächlich in Containerschiffe. "Der Bedarf an Containern und deren Transport steigt seit Jahren, und zwar überproportional zur Weltwirtschaft", erklärt Ulrich Oldehaver, Vorstand von MPC. "Zudem ist dieser Wachstumsmarkt deutlich weniger volatil als zum Beispiel der Tankermarkt."

Dennoch spielen in der Schifffahrt auch Tanker eine entscheidende Rolle. Mehr als ein Drittel des gesamten Weltseehandels bilden Rohöl- und Mineralölprodukte. Allerdings sind die Charterraten der Tanker, gerade im Öl-Bereich, anfälliger als die von Containern. Asien ist die Quelle des Aufwärtstrends in der Schiffsbranche. Der konjunkturelle Aufschwung Chinas, aber auch Indiens, lässt die Nachfrage nach Rohstoffen sowie Produkten steigen und damit auch die Charterraten. Außerdem müssen bis 2015 alle einwandigen Tanker aus Umweltschutzgründen verschrottet werden. Durch den Ersatzbedarf entsteht eine zusätzliche Nachfrage nach Doppelhüllentankern.

Der Trend nach oben spiegelt sich auch in der Entwicklung der Schiffsfonds wider. Im vergangenen Jahr investierten deutsche Anleger 2,2 Milliarden Euro, rund 70 Prozent mehr als 2002. Den Löwenanteil bilden einer Studie der Ratingagentur Scope zufolge Containerschiffe mit etwa 53 Prozent. Knapp ein Viertel des Segments nehmen Tankerfonds ein. Darüber hinaus beteiligen sich Investoren aber auch an Mehrzweckschiffen, Massengutfrachtern und Binnen- und Kreuzfahrtschiffen. Gerade Letztere hält der Bremer Professor Dr. Zachcial für den lukrativsten Markt nach den Containern. Deswegen bietet das Münchener Emissionshaus Premicon hauptsächlich Fonds mit Flusskreuzfahrtschiffen an. "Einer der erfolgsversprechendsten Wachstumsmärkte ist die Flusskreuzschifffahrt, da sich dieser Sektor gerade erst am Anfang seiner Entwicklung befindet und erst langsam sowohl als Urlaubsvariante wie aber auch als Kapitalanlagemöglichkeit entdeckt wird", erklärt Alexander Nothegger, stellvertretender Vorstand von Premicon. "Seit 1995 hat sich allein in Deutschland die Passagieranzahl um über 200 Prozent erhöht. Dieser Trend wird sich auf jeden Fall fortsetzen."

Quelle: » www.creditreform.de

Schiffsfonds als Steuersparmodell

Ursprünglich richteten sich Schiffsfonds als Steuersparmodell in erster Linie an Spitzenverdiener. Um die Steuerlast zu senken, werden die anfänglich, aus dem Schiffskauf, resultierenden Verluste mit anderen Einnahmen anteilig verrechnet. Doch die Situation hat sich verändert. "Aufgrund der gegenwärtig hohen Charterraten, der langen Nutzungsdauer, dem Wegfall der Halbjahresabschreibung sowie der nahezu vollständigen Aktivierungspflicht der Gründungskosten gemäß dem 5. Bauherrenerlass sind kaum noch Verluste darstellbar", so Heino Bartholl, persönlich haftender Gesellschafter des Wirtschaftsprüfers TPW Todt & Partner. Dadurch haben sich die Anlageziele verschoben, und somit zählen heute vor allem Renditechancen. Ebenso hat die Einführung der Tonnagesteuer zu dieser Entwicklung beigetragen. Seit 1999 bietet sich nun einem breiteren Anlegerkreis die Möglichkeit, weitgehend steuerfreie Erträge zu erwirtschaften. Der Gewinn hängt von der Größe des Schiffes ab. Er wird pauschal ermittelt und zu einem sehr niedrigen Satz versteuert. Demnach bleiben 95 bis 98 Prozent des Ausschüttungsbetrags nach Steuern beim Investor.

Üblich sind heute jedoch nach wie vor steuerliche Kombimodelle. Zunächst wählt der Anleger die Verlustzuweisung und wechselt nach wenigen Jahren zur pauschalen Gewinnermittlung. Doch diese Regelung gilt nur noch für Schiffe, die vor 2006 gebaut und angeschafft werden. "In Zukunft muss der Fonds sofort entscheiden, ob er die Tonnagesteuer wählt oder nicht", erklärt Bartholl.

Schiffsfonds wandeln sich also vom Steuerspar- zum Renditemodell. Ihre Renditen entwickeln sich unabhängig zu Aktien- und Rentenmärkten. Daher eignen sie sich zur Risikostreuung und Stabilisierung von Portfolios. Schiffsbeteiligungen bieten viel Rendite für wenig Risiko. Ihre Schwankungen fallen im Vergleich zu Aktien und Indizes geringer aus. Nur Rentenmärkte verzeichnen ein geringeres Risiko, aber dafür auch niedrigere Erträge. Bis zu zehn Prozent netto verdient ein Anleger im Durchschnitt an einem Schiffsfonds.

Quelle: » www.creditreform.de

Risiken der Anlage

Trotz dieser hohen Renditechancen bergen Schiffsbeteiligungen auch ein gewisses Risiko. Als geschlossene Fonds tragen sie ein unternehmerisches Risiko, denn durch die Beteiligung wird der Anleger als Kommanditist zum Mitunternehmer. Darüber hinaus ist das investierte Kapital über einen längeren Zeitraum, meist 10 bis 15 Jahre, fest gebunden. Außerdem besteht ein Charterrisiko für den Fall, dass die Schiffe nicht genügend ausgelastet sind. Auch die Währung kann zu einem Risiko werden, denn die meisten Verträge laufen auf US-Dollar. Darum prüfe wer sich lange bindet.

Worauf sollten Anleger nun beim Erwerb eines Schiffsfonds achten? Neben einer aktuellen und vollständigen Leistungsbilanz spielt vor allem die Erfahrung des Initiators eine wichtige Rolle. Ein weiteres Entscheidungskriterium bilden renommierte Vertragspartner. Der Reeder sollte ebenfalls über langjährige Erfahrung verfügen. Ein guter Charterer zeichnet sich durch starke Bonität aus. Darüber hinaus ist auf ein marktkonformes Design des Schiffes zu achten, denn davon hängt seine Wirtschaftlichkeit ab. Ebenso ist die Dauer der Charterverträge für einen Investor entscheidend. Bei einer langjährigen Charter verringert sich zwar das Risiko, aber oftmals auch die Rendite. Dementsprechend gilt für eine kürzere Laufzeit ein größeres Risiko, dafür ist aber häufig eine höhere Rendite möglich.

Derzeit versuchen vor allem Rating-Agenturen Licht in den grauen Markt der Schiffsfonds zu bringen. Doch ob ihre Bewertungsmethoden geeignet sind, bezweifelt Peter Kastell, Geschäftsführer des Analysehauses FondsMedia. "Für Schiffsfonds sind keine Verfahren anwendbar, die vergleichbar mit dem sind, was man üblicherweise unter einem Rating versteht", so Kastell. Er hält Analysen für wichtiger und aussagekräftiger. Ein Rating setzt voraus, dass für alle Fonds das gleiche Verfahren angewendet wird. Da aber Schiffsbeteiligungen wesentlich komplexer sind und selten immer die gleichen Informationen zur Verfügung stehen, ist diese Voraussetzung nicht gegeben. Allerdings sind Bewertungen von Chancen-Risiko-Verhältnissen sinnvoll, um die Qualität eines solchen Fonds zu beurteilen.

Nur wer die Chancen und Risiken mit einem kritischen Auge betrachtet und abwägt, wird sein Schiff wieder sicher in den Hafen steuern.

Quelle: Creditreform Nr.09 vom 01.09.2004 Seite 72

Weitere Infos: » www.creditreform.de

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