Zahl der Produkte soll halbiert werden – Konkurrenten wollen nicht mitziehen: Cominvest sortiert einen Großteil der Fonds aus

Zahl der Produkte soll halbiert werden – Konkurrenten wollen nicht mitziehen
Cominvest sortiert einen Großteil der Fonds aus

Die fünftgrößte deutsche Fondsgesellschaft Cominvest will die Zahl ihrer Publikumsfonds auf Sicht von zwei bis drei Jahren halbieren. Das sagte der neue Chef-Anlagestratege des Fondsanbieters der Commerzbank, Wolfram Gerdes, gestern in Frankfurt. Bereits in diesem Jahr sollen 20 Prozent der angebotenen Produkte geschlossen werden. Insgesamt verwaltet Cominvest derzeit 112 Portfolios mit einem Gesamtvolumen von 25 Mrd. Euro.

HB FRANKFURT/M. Unabhängige Researchfirmen wie Fitzrovia in London mahnen seit langem die Zusammenlegung von Portfolios an, weil viele Fonds klein und unrentabel und damit auch teuer für den Anleger sind. Unter den sechs größten deutschen Investmentgesellschaften will allerdings kein anderes Haus dem drastischen Beispiel der Cominvest folgen, wie Anfragen des Handelsblattes ergaben. Das gilt auch für die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka Investment. Deren Chef Thomas Neiße sagte: „Fondsschließungen sind aktuell bei der Deka kein Thema.“ Die im Handelsblatt veröffentlichte Aussage, die Fondspalette solle um die Hälfte reduziert werden (Ausgabe vom 3.3.), beruhe auf einem Missverständnis. Es habe sich um rein theoretische Überlegungen zu einer optimalen Struktur der Produktpalette gehandelt.

Eine Halbierung der Fondsanzahl in dieser Größenordnung und in so kurzer Zeit wie von der Cominvest angekündigt wäre außergewöhnlich und in der Branche einmalig. Das sagen auch Berater wie Matthias Koss, Geschäftsführer von Fonds Advice. „Ich kann mir das kaum vorstellen“, urteilt er. „Aber wenn die Gesellschaft tatsächlich ernst macht, würde das Unruhe in die Branche bringen und sicher einen Trend anstoßen.“

Andere große Gesellschaften hatten in den vergangenen Jahren zwar eine ganze Reihe von Portfolios geschlossen. An der Spitze stand der Dit mit über 100 Schließungen. Dies war allerdings vor allem auf die Fusion von Allianz und Dresdner Bank und die Zusammenlegung der Investmentsparten zurückzuführen. Dabei ging es insbesondere um die Zusammenlegung von ähnlichen Portfolios. „Andere Gesellschaften haben sicher mehr Nachholbedarf als wir“, glaubt ein Dit–Sprecher.

Gerdes von Cominvest ist dagegen sicher, „dass die Anlagebranche mit der Fülle aufgelegter Einzelprodukte für spezielle Bereiche das Rad überdreht hat“ und Konsolidierungsbedarf hat. Zu den Plänen der eigenen Gesellschaft sagt er: „Wir werden rascher aktiv als andere, weil wir eine offene Architektur verfolgen – da müssen wir handeln.“ Im Rahmen der so genannten „offenen Architektur“ bietet die Commerzbank auch Produkte anderer Investmentgesellschaften an und schürt damit die interne Konkurrenz. „Das war für die hohen Mittelabflüsse im vergangenen Jahr mitverantwortlich“, sagt Gerdes. Anleger hatten aus Cominvest–Fonds 2,6 Mrd. Euro abgezogen. Es war das schlechteste Ergebnis unter allen deutschen Gesellschaften. Ein Grund dafür ist auch die relativ schlechte Wertentwicklung vieler Aktien- und Anleihenprodukte. Das hatte zuletzt die unabhängige Analysegesellschaft Morningstar bestätigt.

Gerdes will deshalb mit dem harten Konsolidierungskurs ganz neue Wege gehen. „Wir werden uns in Zukunft auf die fünf bis zehn guten Flaggschifffonds konzentrieren, etwa den deutschen Aktienfonds Fondak, und die stärker bewerben“, kündigte er an. Neben den großen Flaggschiffen für europäische Aktien und Anleihen sollen neue Produkte im Vordergrund stehen. Dazu zählt Gerdes Dachfonds, Portfolios für Genussscheine und Firmenanleihen. In diesem Jahr sollen auch Rentenfonds mit Total–Return–Ansatz kommen, die verschiedene Ertragsquellen nutzen, darüber hinaus Portfolios, die in verschiedene Vermögensformen investieren.

Mit der Gewinnsituation der Cominvest ist Gerdes trotz der Absatzschwäche zufrieden. „Vor drei Jahren hatten wir eine Kosten– Einnahmen–Quote von 1,0. Jetzt liegen wir bei 0,58“, sagt er.

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