Zeichner von Filmfonds sollen Darlehen in Form von Ausschüttungsverzicht gewähren – Initiator fürchtet Übernahme
Victory bittet Anleger zur Kasse

Unter den geschlossenen Fonds waren Filmbeteiligungen das Boomprodukt der Jahre 2000 und 2001. Seitdem bröckelt der Absatz. In diesem Jahr werden Anleger nur noch Anteile für 1,2 Mrd. Euro zeichnen, wie Stefan Loipfinger, Herausgeber des Analysedienstes „Fondstelegramm“, schätzt. Das wäre nur wenig mehr als die Hälfte des Volumens der Boomjahre.

DÜSSELDORF. Manche Anbieter trifft der Einbruch besonders hart – beispielsweise die Victory Media Gruppe. Firmenchef Franz Landerer verweist darauf, seit 1991 bei rund 8 500 Anlegern etwa 360 Mill. Euro in 24 Fonds für 100 Medienprojekte eingesammelt zu haben – hauptsächlich Familienprogramme fürs Fernsehen. Doch davon entfallen nach Loipfingers Erhebung nur noch 11,8 Mill. Euro auf das vergangene Jahr. 1999 bis 2001 waren noch in jedem Jahr rund 90 Mill. Euro eingeworben worden.

Nun ist Victory in finanziellen Schwierigkeiten. Deshalb will sich der Fondsinitiator aus Kaufbeuren rund 5,5 Mill. Euro von den Anlegern leihen, indem diese auf Ausschüttungen verzichten. Landerer fürchtet, dass anderenfalls andere die Schwäche ausnutzten. Vorsichtshalber verkündet er in einer Presseerklärung, eine feindliche Übernahme sei gescheitert. Hinter dem Übernahmeversuch vermutet er „eine kleine Gruppe von Medienfondsvermittlern zusammen mit einem Wettbewerber“. Auf Nachfrage rutscht ihm der Medienfondsvertrieb Mönius heraus, der sich sehr eng an den Victory-Konkurrenten Bolu GmbH gebunden hat. Mönius-Inhaber Peter Mönius dementiert jegliches Interesse der Bolu. Firmeninhaber Uwe Boll sei viel zu beschäftigt, um sich für Victory zu interessieren. Peter Mönius spart aber nicht mit Vorwürfen gegen Victory-Miteigner Landerer. Dessen Buchführung sei „chaotisch“. Daher hegt Mönius Zweifel an der korrekten Abrechnung der Einnahmen aus den Filmen und klagt: „Herr Landerer legt überhaupt nichts offen.“

Bevor die Anleger endgültig Geld geben, wollen auch noch andere Licht ins Dunkel bringen. Einer davon ist Jochen Gottschlich, geschäftsführender Gesellschafter des vermutlich größten Victory-Vermittlers, Poxleitner & Kollegen: „Es hat ein Gespräch zwischen Herrn Landerer, Poxleitner & Kollegen und weiteren Vertriebspartnern gegeben. Eine feindliche Übernahme war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand dieser Gespräche.“ Im wesentlichen sei es um die Form der Abstimmung über die Finanzspritze gegangen. Die kam nicht auf einer Gesellschafterversammlung, sondern im so genannten Umlaufverfahren zustande. Dabei stimmen die Anleger schriftlich ab. Der Initiator erspart sich so Diskussionen mit den Anlegern. Victory wählte zudem das Abstimmungsverfahren geschickt. Wohl wissend, dass viele ihre Stimmzettel nicht zurücksenden würden, wurde die Frage nach der Darlehensgewähr so gestellt, dass Schweigen als Zustimmung gewertet werden konnte. Ergebnis: Die Finanzspritze wurde gebilligt.

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