Zertifikate
Alte Hüte in neuem Design

Im Geschäft mit Zertifikaten spielt die Verkaufsstrategie oft eine entscheidende Rolle. Emittenten verbriefen Anlagethemen und-strategien in Papiere mit phantasievollen Namen und preisen sie in bunten Prospekten an. Oft kreieren die Anbieter inzwischen sogar eigene Indizes, um ihre Produkte an den Anleger zu bringen.

HB DÜSSELDORF. Lange hatten Zertifikate-Emittenten neue Anlagethemen in Aktienkörben (Baskets) verpackt, deren Zusammensetzung sich während der Laufzeit nicht änderte. Der Wert der Papiere war von Anfang bis Ende der Laufzeit von denselben Aktien abhängig. Viele dieser Produkte, beispielsweise auf einstige Modethemen wie Logistik und Medien abgestimmt, sind bereits abgelaufen. Nur noch wenige Emittenten, beispielsweise die WestLB, bringen neue Basketzertifikate ohne regelmäßige Anpassung auf den Markt.

Zwar scheint die Zeit starrer Aktienkörbe abgelaufen zu sein, Modethemen und Strategien kommen im Zertifikatemantel aber trotzdem noch gut an. "Es kann sinnvoll sein, bestimmte Strategien in Zertifikaten zu verbriefen", sagt Uwe Johannhörster, geschäftsführender Gesellschafter der Bielefelder Concept Vermögensmanagement. So setzte er in den Portfolios seiner Kunden bereits vor Jahren Zertifikate auf dividendenstarke Aktien ein. "Wichtig ist aber, dass die Zusammensetzung der Baskets in regelmäßigen Abständen justiert wird. Dafür muss es klar erkennbare Regeln geben", sagt Johannhörster.

Einige Zertifikateanbieter konstruieren aus diesen Regeln für ihre Strategiepapiere gleich eigene Indizes - von sehr unterschiedlicher Qualität. Leicht nachvollziehbar sind beispielsweise die Regeln der "Alpha-Indizes" von ABN Amro, auf deren Basis die Bank eine ganze Familie von Zertifikaten anbietet (siehe "Von der Anlagestrategie zum Index"). Die Barometer bilden eine Strategie ab, nach der am Anfang und Ende jedes Monats in Aktien, an anderen Tagen in Geldmarktpapiere investiert wird. Diese einfache Strategie verwenden laut ABN Amro auch Hedge-Fonds. Berechnen lässt die Bank die Indizes von Standard & Poor?s. Auch andere Zertifikateanbieter kooperieren mit externen Unternehmen, beispielsweise mit dem Indexanbieter Stoxx. Allerdings sind die Kooperationen für den Zertifikateanbieter mit Kosten verbunden, die Anleger zusätzlich tragen müssen.

Bei Anlegern kommen die verbrieften Portfolios offenbar trotzdem gut an. "Im kommenden Jahr werden wir Index-Strategien sicher öfter sehen", sagt Frank Burkhardt, Derivateexperte der Société Générale (SG). Die französische Bank verbrieft allerdings nicht nur selbst konstruierte Indizes, deren Zusammensetzung sich wie Dax oder Euro-Stoxx an harten Kriterien orientiert, sondern hat auch Zertifikate im Programm, die aktive Anlagestrategien zu Indizes formen.

Ein neues SG-Papier bezieht sich beispielsweise auf eine Aktienauswahl von Kandidaten für Übernahmen und Fusionen (M&A). Die Zusammensetzung des hauseigenen M&A-Indexes wird ein Mal jährlich von Analysten der Bank überprüft. Neben Kriterien wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Eigenkapitalrendite fließt auch die Einschätzung der Analysten in die Auswahl ein.

Auch die UBS hat Zertifikate auf selbst berechnete Indizes im Programm. Das komplexeste Beispiel ist der Volatility-Arbitrage-Index, der sich aus dem Unterschied zwischen erwarteten (impliziten) und tatsächlichen (realisierten) Schwankungen der Aktienmärkte ableitet. Der Vorteil von Zertifikaten auf solche Indizes liegt darin, dass Anleger Zugang zu Strategien erhalten, die sonst nur professionellen Investoren vorbehalten sind. Die Alpha-Strategie und Vola-Arbitrage sind unter Hedge-Fonds-Managern schon länger bekannt.

Von der Anlagestrategie zum Index

Passive Auswahl

Viele Zertifikateanbieter verpacken Anlagethemen und-strategien in eigene Indizes. Deren Zusammensetzung wird in regelmäßigen Abständen nach festgelegten Regeln überprüft. Damit unterscheiden sich die Papiere von aktiv gemanagten Strategiezertifikaten, die oftmals aktive Anlageentscheidungen von Experten abbilden.

Transparenter Korb

Bei einigen Papieren, wie dem Erix-Zertifkat der Société Générale, treffen externe Experten die Auswahl der im Index enthaltenen Aktien. Die Schweizer Vermögensverwaltung Sustainable Asset Management (SAM) hat den Index entwickelt, die Kalkulation verantwortet der Indexanbieter Stoxx.

Strategien

Manche Zertifikate basieren auf Indizes, die auf Strategien aufbauen, die Hedge-Fonds anwenden. Dazu zählen die Papiere auf die ABN Amro Alpha-Indizes und das UBS Volatility Arbitrage-Zertifikat, das Unterschiede zwischen erwarteter und tatsächlicher Volatilität ausnutzt.

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