Zertifikate-Fonds
Steuervorteil gleicht Ausgabeaufschlag aus

Zertifikatefans dürften dieser Tage darüber nachdenken, ob sie sich ein Konkurrenzprodukt, einen Zertifikate-Fonds, kaufen. Der Grund ist die Abgeltungsteuer: Wer bis Ende 2008 Fonds kauft, muss für seine Anteile keine Abgeltungsteuer auf künftige Kursgewinne zahlen.

HB FRANKFURT. Zertifikatekäufer müssen dagegen nach März 2007 erworbene Papiere bis zum Juni 2009 verkaufen, sonst droht die pauschale Steuerbelastung von 25 Prozent auf den Kapitalgewinn. "Wer Zertifikate mag, hat nun ein zusätzliches Argument, um Zertifikatefonds zu erwerben", sagt Henrik Büscher, Leiter strukturierte Produkte bei der Allianz GI (AGI).

Anleger, die jetzt Fondsanteile kaufen, bekommen den Wertzuwachs nach Ablauf der Spekulationssteuerfrist von einem Jahr netto wie brutto. Steuerschädliche Ausschüttungen - ordentliche Erträge, die aktuell und auch ab 2009 unabhängig vom Kaufzeitpunkt versteuert werden müssen - fallen in der Regel nicht an. Die Fondsmanager kaufen meist Bonus-, Discount- oder Expresszertifikate auf europäische Standardwerte des Euro Stoxx 50 oder bilden Zertifikatestrukturen über Derivate nach.

Wenn ein großes Haus ein Zertifikat mit Millionenvolumen ausschreibe, könne es seinen Größenvorteil voll ausspielen, sagt etwa ein Experte der Deutsche-Bank-Tochter DWS. "Zertifikatefonds kosten den privaten Anleger nicht unbedingt mehr als Zertifikate, und das bei geringerem Risiko", sagt Büscher von AGI. Ein Zertifikat mit einfacher Struktur wie ein Discountpapier kostet Fondsmanager rund 0,2 Prozentpunkte des Volumens. Für einen Fonds zahlen Anleger zudem zwischen 1,5 und zwei Prozent Gebühren im Jahr. Wer ein Zertifikat erwirbt, zahlt hingegen Ausgabeaufschlag oder im Handel einen Spread von bis zu zwei Prozent. Vertriebs- und Strukturierungsgebühren sind bisher auch nicht ausgewiesen.

Folglich können die Zertifikatefonds ihre Gebühren von bis zu zwei Prozent pro Jahr zumindest teilweise wieder herausholen - erst recht in der Nachsteuerbetrachtung. Wenn man bei - der Einfachheit halber - ähnlich angenommener Rendite den Steuervorteil von 25 Prozent auf eine in den vergangenen drei Jahren erzielte jährliche Durchschnittsrendite von gut zehn Prozent hinzurechnet, stehen Fondsanleger besser da als Zertifikatekäufer. "Ein Steuervorteil besteht für Zertifikatefonds-Käufer ohne Zweifel", sagt Natalia Wolfstetter vom Fondsratinghaus Morningstar. Allerdings solle man den Effekt nicht überbewerten. Als klassische Form des Vermögensaufbaus sieht auch Detlev Glow vom Ratinghaus Lipper die Zertifikatefonds nicht. Ihn stört die doppelte Verpackung und damit Intransparenz der Zertifikatefonds im Vergleich zu Fonds.

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