Zu hohe Risiken eingegangen
Finanzkrise fordert Tribut

Die fallenden Kurse der Bankaktien werfen ein Schlaglicht auf die weiter eskalierenden Probleme. „Da kocht eine veritable Finanzkrise, die ist noch nicht ganz ausgeschwitzt“, sagt Klaus Kaldemorgen, Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Ein abruptes Ende der Aktienhausse hat Kaldemorgen allerdings nicht auf dem Radarschirm – eher im Gegenteil.

FRANKFURT. Laut Anlageexperten werden Investoren und Vermögensverwalter in Zukunft weniger auf die problematischen forderungsbesicherten Anleihen (ABS) setzen und stärker Rohstoffe zur Streuung der Depotrisiken einsetzen. Die Ära der kreditfinanzierten Engagements bei der Jagd nach hohen Renditen dürfte der Vergangenheit angehören.

Zu den großen Kritikern einer ungestümen Jagd auf Rendite zählt Howard Marks, Mitgründer der über 50 Mrd. Dollar verwaltenden Investmentgesellschaft Oaktree Capital und einer der ganz alten Hasen im Börsengeschäft. „Wir leben in einer Kapitalmarktwelt mit niedrigen Erträgen, aber viele Mitspieler wollten mehr Performance und haben das Risiko aus den Augen verloren – das ging schief“, sagt der Mann aus Los Angeles. Er nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn er auf die Motive angesprochen wird: „Gier, vonseiten der Investoren wie auch der Banken.“ Resultat war eine Emissionswelle von komplexen Produkten wie forderungsbesicherten Anleihen (ABS). „Wall Street will seine Gewinne machen, deshalb existiert die Branche“, sagt er nüchtern.

Manche Investoren „hebelten“ diese Produkte zur weiteren Erhöhung der Erträge. Das fiel laut Marks dank der laxen Geldpolitik der vergangenen Jahre leicht: Sie machte eine billige Fremdmittelaufnahme zur Finanzierung dieser Positionen erst möglich. Investoren gerieten in die Bredouille, weil viele der komplexen und intransparenten Produkte praktisch über Nacht kaum noch veräußerbar waren. „Anleger werden nicht mehr wie bisher hingehen können und Liquidität einfach voraussetzen können“, sagt Marks, der seine Thesen heute auf der Investorenkonferenz von Lupus Alpha in Frankfurt vorstellen wird. Er ist eher pessimistisch. „Manche Produkte wie ABS oder CDOs werden klar an Bedeutung verlieren“, glaubt er.

DWS-Mann Kaldemorgen denkt in eine ähnliche Richtung. Er glaubt, „dass die Anlagebranche den ABS-Bereich in Zukunft differenzierter sehen wird“. Für ihn heißt das: „Das Risiko rückt jetzt in den Vordergrund, und die Märkte werden höhere Renditen für diese Risiken einfordern, das heißt die Preise werden spiegelbildlich sinken.“

Die Turbulenzen fordern an den Aktienmärkten bereits Tribut bei den in heikle Geschäfte verstrickten Adressen. Als erfahrener Fondsmanager hat Kaldemorgen die gefährdeten Kandidaten im Blick: „Finanzwerte und Bankentitel sind die Leidtragenden.“ Außerhalb des Aktienbereichs wittert er die größten Risikopotenziale bei jenen Adressen, die mit hoher Verschuldung arbeiten. „Ich denke an Finanzgesellschaften wie Hedge-Fonds oder Private-Equity-Häuser.“

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