Zuflüsse von Profis
Professionelle Anleger kaufen Publikumsfonds

Institutionelle Anleger kaufen immer stärker Publikumsfonds. In diese ursprünglich für Privatanleger konzipierten Produkte sind bei den meisten großen deutschen Fondshäusern im ersten Halbjahr 2005 erhebliche Anteile neuen Kapitals geflossen. Über 50 Prozent der Zuflüsse stammen von Profis.

rez FRANKFURT/M. Beim drittgrößten deutschen Anbieter Union Investment kam "mehr als die Hälfte" der 3,2 Mrd. Euro für Publikumsfonds von professionellen Anlegern, sagte Alexander Schindler, Union-Vorstand, auf einer Veranstaltung. Beim Marktführer DWS sieht es ähnlich aus; dort sammelten allein zwei für Profis aufgelegte geldmarktnahe Fonds die Hälfte der Netto-Zuflüsse von 5,6 Mrd. Euro ein. Die Hypo-Vereinsbank-Tochter Activest bekam sogar 60 Prozent ihres frischen Kapitals von Profis. Bei der Allianz-Tochter AGI waren es rund 50 Prozent der 7,2 Mrd. Euro an Zuflüssen. Bei der Deka ist dieser Anteil jedoch deutlich geringer.

Investoren kaufen derzeit gern die beliebten Absolute- oder Total-Return-Fonds, die langfristig unabhängig von Börsenindizes absolute Renditeziele nennen. Das brachte Union, AGI und Activest einen Großteil der Zuflüsse ein. Traditionell parken die Profi-Investoren viel Kapital in Publikums-Geldmarktfonds, das aus steuerlichen Gründen zu Beginn des Jahres in die Fonds und zum Jahresende wieder heraus fließt. Dies bringt der DWS einen Großteil ihres Volumens.

Der Trend der Profis hin zu Publikumsfonds verschärft sich nach Ansicht der Fondsanbieter. "Seit einigen Jahren wächst der Anteil institutionellen Geldes in Publikumsfonds kontinuierlich - und 2005 gab es einen Sprung", sagt Schindler. Als zentrale Gründe dafür nennt er die neuen internationalen Rechnungslegungsvorschriften und die Suche nach renditestärkeren Alternativen zu Anleihen. Die neue Bilanzierungsregeln nach IFRS, die erst ab 2007 für viele Konzerne bindend sind, aber häufig bereits praktiziert werden, machen Publikums- gegenüber Spezialfonds interessanter. Denn bei Spezialfonds müssen Investoren jede einzelne Wertpapierposition bilanzieren, bei Publikumsfonds hingegen nur den Fondsanteil. Gerade mittelgroßen Investoren dürfte die erste Variante laut Experten zu aufwendig sein. Außerdem versuchten institutionelle Anleger, etwa über Absolute- und Total-Return - oder auch Immobilienfonds, Zusatzrendite zu erzielen, um ihre Verpflichtungen bedienen zu können, sagt Schindler. Mit den niedrig verzinsten Anleihen sei dies oft nicht mehr möglich.

Publikumsfonds bieten Investoren überdies die Möglichkeit, auch kleinere Geldbeträge schnell anzulegen. Zwar verzichten sie dann auf Einfluss auf das Fondsmanagement, den sie bei Spezialfonds haben, können aber investieren, ohne die Anlagestrategie lange in Gremien abstimmen zu müssen. Daher nutzten viele Leiter von Finanzabteilungen diese flexible Anlagemöglichkeit, sagt ein DWS-Sprecher. Gerade speziellere Anlagestrategien fernab von Indizes werden zunehmend über Publikumsfonds abgedeckt, auch wenn diese rund doppelt so teuer sind wie Spezialfonds.

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