Zusatzerträge beflügeln Indexfonds
Kampf um jeden Basispunkt

Im Kampf um Marktanteile in dem schnell wachsenden Segment der Indexfonds (ETFs) kommt den Zusatzerträgen aus der so genannten Wertpapierleihe und der Praxis der Indexabbildung eine immer größere Bedeutung zu. Dank dieser Erträge können die Fonds sogar besser abschneiden als ihr Vergleichsindex.

DÜSSELDORF. Im Gegensatz zu den offen ausgewiesenen Managementgebühren und der Gesamtkostenquote können Anleger jedoch weder die Erträge aus dem Verleih von Wertpapieren noch das Geschick in der Indexabbildung direkt vergleichen. Beide Faktoren spiegeln sich allerdings in der tatsächlichen Kursentwicklung eines Indexfonds wider. Als wichtige Kennziffer gilt für den Erfolg eines Indexfonds der so genannte „Tracking Error“, der die Abweichungen zwischen dem Fonds und dem Index misst.

„Grundsätzlich sind die Erträge aus der Wertpapierleihe umso höher, je exotischer der abgebildete Index ist“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, der das ETF-Geschäft von Lyxor in Deutschland leitet. Im Rahmen einer Wertpapierleihe borgt sich ein professioneller Marktteilnehmer Wertpapiere vom Indexfonds gegen die Entrichtung einer Leihgebühr. Diese schreibt der Verwalter dem Fondsvermögen ganz oder teilweise gut. „Im Idealfall sind die dem Indexfonds gutgeschriebenen Erträge dann sogar höher als die eigentliche Managementgebühr. Das gelang uns zum Beispiel im vergangenen Jahr mit dem Indexfonds auf den Euro Stoxx 50“, erläutert Götz Kirchhoff, Sprecher des Vorstands des ETF-Anbieters Indexchange.

Während derzeit für große deutsche Standardwerte lediglich Leihgebühren zwischen 5 und 15 Basispunkten (0,05 bis 0,15 Prozent) pro Jahr fällig sind, „fallen etwa für den iShares MSCI Turkey durch eine im März organisierte Leihe im kommenden Jahr Zusatzerträge in Höhe von 150 Basispunkten bei einer Gesamtkostenquote von 74 Basispunkten an. Das heißt: Der Fonds könnte somit besser abschneiden als sein Vergleichsindex“, erklärt Axel Lomholt, Leiter iShares Equity Portfolio Management bei Barclays Global Investors (BGI).

Für die im Indexfondsmarkt noch stark unterrepräsentierten Privatanleger kann dies ein Wettbewerbsfaktor im Vergleich zwischen den populären Indexzertifikaten und den Indexfonds sein. „In illiquiden Märkten ist die Wertpapierleihe der wichtigste Faktor in der Generierung eines Extraertrages für den Indexfonds. In reifen Märkten ist es die optimale Ausschöpfung der Dividendeneinnahmen“, erläutert Thorsten Michalik, ETF-Experte der Deutschen Bank. Zwischen dem Tag mit Dividendenabschlag und dem Zufluss der Dividende vergingen in England im Durchschnitt 38, in Japan gar 72 Tage. So paradox es klingt: „Mit dem physischen Erwerb der Aktien ist es kaum möglich, den Index abzubilden, denn die Ausschüttungen werden meist taggleich in den Index eingerechnet“, erläutert Deutsche-Bank-Experte Michalik.

Auch die unterschiedliche Besteuerung der Ausschüttungen je nach Fondsdomizil und Quellensteuerpflicht erschwere die präzise Abbildung des Indexes. „In dieser Hinsicht bietet der selektive Einsatz von Swaps in ETFs klare Wettbewerbsvorteile“, sagt Michalik. Da bei der Managementgebühr in reifen Märkten kaum noch Spielraum nach unten besteht, dürfte die Bedeutung von Ertragsquellen wie der Leihe, aber auch der Abbildung der Indizes über alternative Anlagen wie Swaps weiter zunehmen.

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