Zwei Jahre Bewährung
Ex-Chefs von Cinerenta-Filmfonds verurteilt

Das Landgericht München hat die beiden ehemaligen Geschäftsführer der Cinerenta-Medienfonds wegen Steuerhinterziehung im großen Stil zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Eberhard Kayser muss zudem 45 500 Euro Geldstrafe zahlen, Rainer Bienger 8 400 Euro (AZ: 6 KLs 323 Js 30919/04).
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FRANKFURT. Sie hatten gestanden, zwischen 1999 und 2002 falsche Steuererklärungen für den Cinerenta-Fonds III abgegeben und den Fiskus damit um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt zu haben. Beide hatten Produktionsverträge rückdatiert und Scheinrechnungen veranlasst, um neue Steuergesetze zu umgehen. Neue Regeln hatten es ab 1999 untersagt, Filmfonds als reine Steuersparmodelle anzupreisen, um Anleger anzulocken. Einzige Ausnahme: Filme, mit deren Produktion schon vor dem 5. März 1999 begonnen worden war, fielen nicht unter das neue Gesetz.

Die Initiatoren der insgesamt fünf Cinerenta-Fonds sammelten zwischen 1997 und 2001 rund 450 Mio. Euro ein – für Filme wie den Horrorstreifen „Jeepers Creepers“ oder unbekannte Ladenhüter mit Stars wie Pierce Brosnan, Meryl Streep und Kirk Douglas. Vertrieben wurde die Fonds größtenteils von der Investor Treuhand, die Mario Ohoven gehört. Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft ist zudem Mehrheitsgesellschafter der Cinerenta GmbH, die die Prospekte herausgibt.

Anleger dürfte die Entscheidung des Münchener Gerichts nicht glücklich machen: „Sie müssen nach diesem Urteil damit rechnen, dass ihnen das Finanzamt einen Teil der Verlustzuweisungen jetzt nachträglich aberkennt. Ihnen drohen Nachzahlungen in Millionenhöhe“, sagt Sarah Mahler, Anwältin bei der Kanzlei Mattil, die rund 400 Cinerenta-Anleger vertritt. Sie klagen gegen unter anderem gegen Ohoven wegen versteckter Provisionen und Prospektfehlern.

Filmfonds galten bis 2005 als klassische Steuersparanlagen. Sie schrieben in den ersten Jahren hohe Verluste, die sich bei der Einkommensteuererklärung absetzen ließen. Verrechnet mit dem Einkommen betuchter Anleger gab es unter dem Strich hohe Erstattungen vom Finanzamt. Doch inzwischen stehen die meisten Filmfonds vor dem Fiskus auf dem Prüfstand. So kündigten die bayerischen Behörden im März an, bei derlei Verlustzuweisungen ganz genau hingucken zu wollen – und zwar rückwirkend.

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