Zweitmarkt
Wie Ebay für Geschlossene Fonds

Endlich können Anleger Schiffs- und Immobilienbeteiligungen vor Ende der Fondslaufzeit zu attraktiven Preisen verkaufen. Der Zeitpunkt ist günstig.
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Seeräuber von heute entern Schiffe nicht mehr unter Einsatz ihres Lebens auf hoher See, sondern ganz bequem vom Schreibtisch aus. Sie können Anlegern über Handelsplattformen im Internet Anteil für Anteil an Schiffsfonds abkaufen. Anders als früher nehmen sie außer Tankern und Containerriesen auch Immobilien ins Visier. Die Angreifer, das sind institutionelle Investoren mit so wohlklingenden Namen wie Meridian 10, Tivoli oder Madison Real Estate. Dahinter stehen meist US-Konzerne wie die Investmentbank Lehman Brothers und der Versicherer Prudential. Auch deutsche Initiatoren von sogenannten Zweitmarktfonds suchen Anteile, die sie gleich wieder in einen neuen Fonds packen und an andere Anleger verkaufen.

Schiffe und Immobilien sind derzeit weltweit begehrt und teuer. Wer den Umweg über Fondsanteile wagt, so hoffen die Käufer, kann leichter Schnäppchen machen. Für Anleger zahlt sich die wachsende Nachfrage doppelt aus: Nicht nur der Wert ihrer Anteile steigt, sie können sich jetzt endlich auch - was Jahrzehnte faktisch ausgeschlossen war - vor dem Ablauf der meist 10- bis 20-jährigen Fondslaufzeit von ihren Beteiligungen trennen. Und das mit Gewinn. Inzwischen haben Anleger die Wahl zwischen mehreren Internet-Plattformen, auf denen sie ihre Fondsanteile versteigern können, fast wie bei Ebay (siehe Tabelle).

Boomender Zweitmarkt

Wegen fehlender Kaufinteressenten hatten Anleger früher kaum eine Chance, sich ohne Verlust von ihren Anteilen an geschlossenen Fonds zu trennen. Wenn sie wegen Scheidung oder Arbeitslosigkeit Bares brauchten, mussten sie hoffen, dass der Fondsanbieter den Anteil kulanterweise zurücknahm. Anders als bei offenen Fonds sind die Initiatoren dazu aber nicht verpflichtet - wer in eine geschlossene Beteiligung investiert, gilt als Mitunternehmer und nicht als bloßer Kapitalanleger.

Doch die Flaute am Secondhand-Markt ist Vergangenheit. Wurden 2001 nur Fondsanteile im Wert von 53 Millionen Euro gehandelt, waren es im vergangenen schon 412 Millionen Euro (siehe Grafik). Das ist zwar immer noch weit weniger als die 7,3 Milliarden Euro, die Anleger 2006 in neue Schiffs- und Immobilienbeteiligungen investierten. Aber in diesem Jahr geht es auf dem Zweitmarkt weiter kräftig aufwärts. So hat die derzeit größte Handelsplattform, die zur Börse Hamburg-Hannover gehörende Fondsbörse Deutschland, das Volumen des Vorjahres bereits im Juni getoppt.

Die steigende Nachfrage treibt die Preise: Im Schnitt stieg der Wert verkaufter Schiffsbeteiligungen seit Mitte 2004 von 70 auf 102 Prozent der Nominalbeteiligung. Je nachdem, wie hoch die Steuervorteile und die bisherigen Ausschüttungen waren, können Anleger ihr Investment also mit ansehnlicher Rendite beenden.

Gerade bei Schiffsfonds ist der Zeitpunkt günstig. "Derzeit zahlen Käufer hohe Preise", sagt Nikolas Dierkes, Vorstand des Fondsmaklers Deutsche Zweitmarkt. Der boomende Welthandel sorgt für einen gewaltigen Bedarf an Schiffen. Doch das wird nicht ewig so bleiben: Die Werften sind weltweit voll ausgelastet und liefern mit hoher Schlagzahl Schiffe aus. Das könnte bald zu einem Überangebot führen und die Charterraten unter Druck setzen. Dann sänke die Ertragskraft der Pötte - und damit auch ihr Wert.

Deshalb ist es sinnvoll, jetzt einen vorzeitigen Ausstieg zu prüfen. Erfolgreiche Verkäufer ersparen sich eine jahrelange Zitterpartie, wie hoch der Verkaufserlös des Schiffs am regulären Ende der Fondslaufzeit wohl sein wird.

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