Zwölf-Monats-Vergleich
Baltische Börsen stützen Osteuropafonds

Den Klagen vieler Kollegen über hohe Mittelabflüsse kann sich Ralph Luther nicht anschließen. Der Osteuropa-Experte der Hamburger Privatbank Berenberg sammelte für den von ihm betreuten Aktienfonds Berenberg-Balkan-Baltikum-Universal seit Jahresbeginn netto über 120 Mill. Euro ein. Ein Geldstrom, den auch die US-Immobilienkrise nicht austrocknete und der auch langfristig an Wert gewinnen soll.

HAMBURG. "Im Durchschnitt kommen pro Tag 500 000 bis eine Mill. Euro dazu", sagt Luther. Das Vertrauen der Anleger scheint gerechtfertigt. Mit einem Wertzuwachs von 48,13 Prozent führt der Berenberg-Balkan-Baltikum-Universal den Zwölf-Monats-Vergleich von 48 Osteuropa-Fonds an. Im gleichen Zeitraum schaffte der für die Region repräsentative MSCI-Eastern-Europe-Index gerade einmal ein Plus von 8,18 Prozent (Tabelle). Der Vergleich hinkt jedoch, denn Luther konzentriert sich mit seinem Fonds - wie es der Name verrät - ganz überwiegend auf den nördlichen und südlichen Rand der Region. Rund 30 Prozent des Portfolios sind in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen investiert, weitere 31 Prozent in Rumänien, Bulgarien und Kroatien. Beide abseits gelegenen Zielgebiete entwickelten sich seit Jahresbeginn besser als die Hauptbörsen in Moskau oder Warschau.

Auch wenn Luther angesichts des nach wie vor unsicheren Marktumfelds noch einen Teil der seit dem Sommer neu zugeflossenen Mittel als Barreserve zurückhält, lässt er keinen Zweifel daran, dass er für seinen Fonds mittel- und langfristig weiter überdurchschnittliche Ergebnisse erwartet. "Viele baltische Firmen erschließen gerade den russischen Markt und haben dadurch enormes Potenzial", sagt er. Ähnliches gelte für die neuen EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien sowie die Ukraine. Das größte Manko aller genannten Länder - die mangelnde Liquidität - hält Luther für ein beherrschbares und vor allem vorübergehendes Problem.

Dafür, dass auch der zweitplatzierte SEB Eastern Europe Small Cap Fund baltische Unternehmen mit 13 Prozent deutlich übergewichtet, gibt es gleich zwei Gründe. Zum einen investierte der 1998 aufgelegte Fonds unter dem Namen "Baltic Fund" bis Ende 2006 ausschließlich im Norden Osteuropas, ehe das gestiegene Volumen eine Neuausrichtung nötig machte. Zum anderen sitzt ein großer Teil des von Wojciech Rostworowski angeführten Manager-Teams vor Ort in Tallinn und Wilnius. Das Gros des Fondsvermögens stellen inzwischen aber Titel aus Polen und Russland (32 bzw. 26 Prozent).

Die kurzfristigen Aussichten für Osteuropa beurteilt Rostworowski trotz nach wie vor hohen Potenzials ähnlich verhalten wie Luther. "Die jüngste US-Zinssenkung hat zwar für Entspannung gesorgt, aber der nächste Akt im Subprime-Drama kommt bestimmt", sagt er.

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