„Das Gespenst lässt sich nicht unterm Teppich halten“

Gottfried Heller
„Das Gespenst lässt sich nicht unterm Teppich halten“

Die Krise ist noch nicht vorbei – welche Gefahren im neuen Jahr an den Finanzmärkten drohen. Und warum sich ein Börseneinstieg trotzdem noch lohnt, wenn Anleger einige Tipps für ihr Depot beachten.
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München2012 war das Jahr der Euro-Krise. Die Euro-Retter waren pausenlos im Einsatz. Daher war es nicht überraschend, dass „Rettungsroutine“ zum Unwort des Jahres gewählt wurde. In den einzelnen Schuldnerländern wurden schmerzhafte Reformen eingeleitet und dauerhafte Rettungsschirme installiert. Nirgendwo sonst in er Welt ging es so dramatisch zu, wie in der Euro-Zone.

Wer aber auf die aktuellen Kursstände der Börsen blickt, stellt fest, dass der deutsche Aktienindex Dax trotz der Turbulenzen und einem scharfen Rückschlag von Mitte März bis Ende Mai, bei dem er 17 Prozent einbüßte, am Ende des Jahres mit einem Kursplus von fast 30 Prozent an der Spitze aller Börsen steht.

Auch der Euro Stoxx konnte ein Kursplus von 14 Prozent verbuchen und lag damit gleichauf mit dem amerikanischen S&P 500. Besonders bemerkenswert ist, dass der Dax-Volatilitätsindex, das Angstbarometer, wieder auf dem niedrigsten Stand steht wie 2007, vor Ausbruch der Immobilienkrise in den USA. Ist die Krise etwa vorbei? Keinesfalls.

Ein Blick auf die Fundamentaldaten der Schuldnerländer zeigt zwar, dass eine ganze Menge getan wurde und dass dies auch Wirkung zeigt. Die Haushaltsdefizite sind deutlich gesenkt worden, auf den Arbeits- und Gütermärkten wurden wichtige Reformen vorgenommen und die Lohnstückkosten sind in einzelnen Peripherieländern um zehn bis 15 Prozent gefallen. Dadurch ist die Wettbewerbsfähigkeit gestiegen.

Insgesamt hat vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, noch in diesem Jahr alle Vorkehrungen zu treffen, damit im nächsten Jahr im Wahlkampf zum Bundestag im September weitgehend Ruhe herrscht an der Europa-Front.

Aber schon jetzt droht Zypern, drittkleinstes Mitglied der Währungsunion, die Ruhe zu stören. Betrachtet man zwar die Unsummen, die für Rettungsaktionen und Schuldenschnitte bereits aufgewendet wurden, sehen die 17 Milliarden Euro, die Zypern braucht, wie Peanuts aus. Doch setzt man diese Summe ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung des Landes, dann zeigt sich, dass das Darlehen fast 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

Kommentare zu "„Das Gespenst lässt sich nicht unterm Teppich halten“"

Alle Kommentare
  • Was heißt überhaupt "konservatives" Geschäftsmodell? Das heißt, die Angestellten fürstlich zu bezahlen, selber nicht gierig zu sein, vorausschauend zu planen, daß Synergieeffekte mitgenommen werden, das Geschäft sich dauernd wandelt mit den Gegebenheiten der Zeit. Regionale Kooperationen mit kleinen Anbietern und Dienstleistern versprechen viel Wachstum. Und Zusammenhalt.

    Dann ist man auch in der renditegierigen Zeit in Sicherheit. Der Kunde wird nie bedrängt, erobert mit Behaglichkeit, exquisiter Atmosphäre und mit Speck. Denn damit fängt man Mäuse.

    Alles andere scheitert bereits, oder ist zum Scheitern verurteilt.

    Hier noch der Link zum Häuserkampf:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/armut-und-reichtum/steigende-immobilienpreise-der-neue-haeuserkampf-12031094.html

    Jetzt wartet man in Ruhe, bis die Blase platzt, und dann kauft man Immobilien ein en gros für n Appel und 'n Ei. Das ist auch konservativ.

  • Gespenster werden grundsätzlich nicht unter dem Teppich gehalten. Man kann nur etwas unter den Teppich kehren, oder auf dem Teppich bleiben.
    Bleiben wir zunächst auf dem Teppich: Die Schuldnerländer bluten aus, das Kapital flieht im Sauserschritt und eins, zwei, drei explodieren im Dönerparadies Berlin die Immobilienpreise, im Matratzenschlaraffenland Hamburg, im Supermarkt-Garten Eden München. Nun kehren wir das soziale Elend unter den Teppich und schon fühlt sich der sonnengewohnte Südländer in Berlins homoerotischen Beton- und Schneematschschluchten wie zu Hause. Oder? Bevor die Superanlagen sich als bare Münze bezahlt machen, werden die Sanierungs- und Nebenkosten explodieren. Und die Kosten für Secret Services.
    Die Blase platzt, denn schließlich steigt auch das Aktienkapital nicht wegen der sprudelnden Gewinnaussicht, sondern weil Draghi und Co. Einfaltspinsel sind und mit ihrer Gelddruckerei die Märkte aufpumpen zu einem Heißluftballon. Denn die sehen keinen Sinn darin, konservativ zu investieren, sondern legen ihr Geld an in Hochgeschwindigkeitsfließbänder zur Produktion von Döner-, Matratzen- und Supermarktvielfalt, oder in Aktien.

    Dem Verschuldungsfraß wird auch Gottfried Heller nicht entkommen. Schließlich ist der Heller auch nur Kleingeld und wer ihn nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.








  • Sehe ich auch so. Zu durchsichtig, was Heller da treibt - er verdient sein Geld damit. Solche Gurus gab es in Hülle und Fülle auch vor dem letzten Crash und keiner wurde zur Rechenschaft gezogen, obwohl nur heiße Luft verkauft wurde. Aktien sind nur bedingt Sachwerte, nämlich in Höhe ihres inneren Wertes und der ist grundsätzlich nicht bekannt. Solange die Aktienkultur so strukturiert ist, dass einige wenige Anbieter einen Kurssturz erzeugen können (man denke an den Sturz im Dow von über 1000 Punkten, der durch fehlerhaften HFT-Handel ausgelöst wurde), sind Kleinanleger nicht geschützt. Wer sich aber die Finger beim letzten Crash verbrannt hat, wird sich von einem Herrn Heller nicht nochmals zu einem Abenteuer verleiten lassen!

  • Huahahahah - das ist mal wieder Werbung für die "Wettscheine" genannt Aktien

    Jetzt grade FINGER WEG von Aktien. Man sucht nur noch dumme Mitspieler, kurz bevor die Blase platzt.

  • Das stimmt.Niedrige Bewertungen sind Ansichtssache- aber der Heller bläst in den Medien immer zum Einstieg,ob der DAX bei 2200 steht wie im März 2003 oder bei 8100 wie im März 2000.Wer´s nicht glaubt,ich habe die Videobänder da.

  • Früher haben die Herrscher ihre eigenen Münzen geschaffen, als es noch keine Banken gab. Da auch sie grundsätzlich mehr ausgaben als einnahmen, wurden aus Gold-, sehr schnell Silber- und schließlich Blechmünzen, bis kein Mensch diese Münzen mehr haben wollte, und die Menschen zur Tauschwirtschaft zurückkehrten. In Staatswirtschaften haben Sie das Phänomen, dass es "schwarz" eine Zweitwährung,z.B. USD gibt, ohne den nix geht. Merke: Wenn man den Politikern völlig überläßt zu bestimmen, wieviel Geld sie brauchen, ist ein Staat in Windeseile bankrott (weil im Himmel eben kein Jahrmarkt ist!). Die "Geldschöpfung" durch das Banksystem - nicht nur Privat-, sondern alle Banken - ist seit Jahr und Tag durch Regulierung begrenzt, abhängig von der Höhe des Eigenkapitals des einzelnen Instituts. Momentan funktioniert sie nicht, weil die Banken nicht genug bonitätsstarken Abnehmer für Kredite haben.

  • Zitat: "Sinkendes Gueterangebot bei gleicher Geldmenge fuehrt zu Inflation oder besser gesagt Stagflation"

    Ich sehe eher die Gefahr einer Überproduktion (ähnlich wie 1929). Aufgrund der niedrigen Zinsen kommen die Firmen an günstige Kredite, was Investitionen und Produktion anheizt. Zunächst einmal wird die Wirtschaft boomen - solange bis die Waren keine Abnehmer mehr finden. Wenn wir Glück haben, übernehmen in ein paar Jahren die Menschen in den Schwellenländern die Rolle der Konsumenten. Wenn nicht, folgt auf die Inflation die Deflation. Ich bin aber eher optimistisch, weil die Steuerungsmöglichkeiten der Politik und Notenbanken heutzutage viel größer sind als 1929 bei der großen Weltwirtschaftskrise.


    Zitat: "selbstverstaendlich werden auch die Unternehmen im Rahmen der finanziellen Repression gemolken"

    Von einer mäßigen Inflation profitiert die Industrie, da

    a) die Verschuldung aufgrund der Inflation dezimiert wird (fast alle großen Firmen haben ca. 30-80% Fremdkapital)

    b)Gehälter und Löhne nicht im selben Tempo wie die Inflation steigen können. Leidtragende sind daher die Angestellten.

  • "Bei so niedrigen Aktienbewertungen wie heute ist das mögliche Gewinnpotenzial deutlich größer als das Verlustrisiko." Das ist alles wischi-waschi. Wie viel deutlich größer? "Mögliches Gewinnpotenzial" ist ein weißer Schimmel. Es wird Potenzial mit Risiko verglichen: Das sind im Wesen verschiedene Dinge. Alles, wie gesagt wischi-waschi, um – wenn nötig – auch einen Rückzieher machen zu können.

  • ganz kurz zu den Eurofanatikern! Gestern haben mir meine Freunde aus Lux ein gutes n eues Jahr gewünscht. Dabei wurde auf leicht politisiert. Immerhin: klammheimlich und leise bekommen die EU "Angestellten" 8 % mehr !!!!!
    Kann mich nicht daran erinnern, dass es eine Wahl hierzu gab... ha ha ha

  • Eine Inflation oder ein (Bürger-)Krieg sind bei dem jetzigen von Einzelinteressen der superreichen Besitzenden und Bänkstern im vollkommen pervertierten globalisierten Finanzkapitalismus und deren gesteuerten Politikern die einzige logische Folge. Es ist unentscheidend geworden, ob diese historische Folge politisch rechts, links oder von der Mitte getrieben ist. Sie kam und kommt von den inzwischen ca. 500 Finanzkonglomeraten, die ca. 2/3 des weltweiten Bruttosozialprodukts steuert. Also von den Besitzenden.

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