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02.11.2007 
Weniger Regulierung

Gefährliche Wundertüten der Finanzbranche

von Martin Gerth, Wirtschaftswoche

Banken locken Sparer mit neuen, komplizierten Finanzprodukten in riskante Beteiligungen. Wie sie funktionieren und in welchen Fällen Anleger profitieren.

Fonds-Vergleich wird schwieriger. Foto: Archiv

Fonds-Vergleich wird schwieriger. Foto: Archiv

Bescherung schon im November: Der Bundestag soll noch vor dem ersten Advent die neue Fassung eines Gesetzes verabschieden, das den Fondsgesellschaften weniger Regulierung und mehr Freiheiten in ihrer Geldanlage bringen soll. Offene Fonds dürfen vom Januar an beispielsweise in nicht börsennotierte Unternehmen investieren.

Die schöne neue Investmentwelt hat allerdings einen entscheidenden Haken: Wenn die Fondsmanager ihre Portfolios in Wundertüten verwandeln können, werden es die Privatanleger noch schwerer haben, den Durchblick zu bewahren. Schon jetzt stricken Banken und Vermögensverwalter so komplexe Verpackungen um Kapitalanlagen, dass der eigentliche Charakter kaum noch erkennbar ist. Wenn beispielsweise eine Lebensversicherung eine Fondspolice auflegt, die sie mit Dachfonds bestückt, die wiederum in einzelne Hedgefonds oder Private-Equity-Fonds investieren – dann weiß der Anleger nicht mehr, wie viel Geld er im Ernstfall verlieren kann.

Was die Angebote zusätzlich verkompliziert: Der Gesetzgeber verbietet es den Fondsgesellschaften, drei oder mehr Fondsebenen ineinander zu schachteln. Um das zu umgehen, greifen die Anbieter zu Versicherungspolicen oder Zertifikaten. "Bei den Kunden kommt die Botschaft an, dass der Dachfonds durch eine breite Streuung des Geldes die Risiken mindert und dass der Lebensversicherungsmantel zusätzliche Sicherheit verheißt", sagt Tom Friess, Geschäftsleiter des VZ Vermögenszentrums in München, doch in Wahrheit handele es sich nur um eine Scheinsicherheit, die den Inhalt des Produkts verschleiere.



Solche Bedenken halten die Finanzbranche nicht davon ab, weitere Schachtelprodukte mit Dachfonds oder fondsgebundenen Lebensversicherungen auf den Markt zu bringen, weil sie sich gut verkaufen lassen. Millionen von Anlegern vertrauen diesen Vehikeln ihr Erspartes an. Derzeit stecken 287 Milliarden Euro in Fondspolicen und Dachfonds (siehe Grafiken). Noch investiert nur ein Bruchteil davon in riskante Hedgefonds oder Private Equity, aber die Beraterheere schwärmen schon aus, um weitere Anleger zu ködern. Auch die Angst vor der Abgeltungsteuer 2009 öffnet den Vermittlern die Türen. Ihr Argument: Mit einer Lebensversicherung oder einem Dachfonds als Mantel bleiben realisierte Kursgewinne innerhalb des Produkts steuerfrei.

Zwar ist der Steuervorteil nicht von der Hand zu weisen, er lenkt allerdings vom Rendite-/Risikoprofil des Produkts ab. Eine fatale Entwicklung, wie Lutz Overlack, Geschäftsführer des Fondsvermögensverwalters Fund Market in Düsseldorf, findet: "Nicht allein die prognostizierte Nachsteuerrendite, sondern der Charakter der Kapitalanlage sollte bei der Auswahl im Mittelpunkt stehen." Sonst gehe das Investment am Bedarf des Kunden vorbei. Overlack: "Deutsche Anleger sind im Schnitt sehr konservativ und stehen der Aktie verhältnismäßig kritisch gegenüber, warum sollten sie sich für noch riskantere Beteiligungen entscheiden?"



Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Aufwändig verpackt, um Produkte undurchschaubar zu machen"

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