In der Krise werden Tages- und Festgeldkonten wieder attraktiv für Anleger. Experten raten, freies Kapital als Festgeld zu parken und die Schwankungen an den Kapitalmärken abzuwarten.
FRANKFURT. Man kann es Anlegern kaum verdenken, wenn sie in diesen Krisenzeiten große Teile ihres Geldes auf ein Bankkonto legen. Immerhin bekommen sie aktuell für Tages- oder Festgeld bis zu fünf Prozent Zinsen im Jahr - ohne Kursschwankungen und Kosten. Zum Vergleich: Bei den als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen gibt es sogar mit Laufzeiten von zehn Jahren zurzeit weniger als vier Prozent Rendite.
Experten wie Hans-Jürgen Delp, Chef-Anlagestratege für Privatkunden bei der Commerzbank, unterstützen die Anleger in ihrem Verhalten: Delp rät, „die extremen Schwankungen an den Kapitalmärkten abzuwarten und freies Kapital zum Beispiel als Festgeld zu parken. Wir rechnen damit, dass es an den Aktienmärkten noch ein bis zwei Monate so weiter geht“, sagt er.
Hinzu kommt, dass Tages- und Festgeldangebote zuletzt noch einmal attraktiver geworden sind. Dafür gibt es zwei Gründe: Einige neue ausländische Finanzhäuser sind auf den deutschen Markt gekommen und bieten relativ hohe Zinsen für Tagesgeld an. Die Festgeldsätze wiederum hätten auch etablierte Anbieter gestützt, die sich in Zeiten krisenbedingt knapper Liquidität Mittel zu kalkulierbaren Bedingungen sichern wollten, erklärt Sigrid Herbst vom Finanzdienstleister FMH.
In den vergangenen Wochen haben Postbank, Citibank und Deutsche Bank ihren Zins für Zwölf-Monats-Festgeld um 0,2 bis 0,6 Prozentpunkte auf 4,3 bis 4,5 Prozent angehoben. Im Schnitt sind die Festgeldzinsen der von FMH beobachteten Banken seit Februar um 0,1 Prozentpunkte auf gut vier Prozent geklettert.
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Die Tagesgeldzinsen stiegen um 0,03 Punkte auf 3,27 Prozent. Wer liquide Mittel entbehren könne, sollte das Geld in Festgeld parken und sich die Konditionen sichern, meint Herbst. Schließlich erwarten Zinsexperten eher sinkende Kurzfristzinsen, weil am Geldmarkt über Leitzinssenkungen der Europäische Zentralbank spekuliert wird.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Top-Angebote sollten sich Anleger aber genau anschauen
Die Top-Angebote sollten sich Anleger aber genau anschauen. Oft gibt es die Spitzenzinsen nur unter besonderen Bedingungen, weil Tages- und Festgeldangebote den Banken als Marketinginstrument dienen. So müssen Anleger bei zwei der drei Anbieter von Jahresfestgeld zu fünf Prozent Zinsen mit reduziertem Einlagenschutz leben.
österreichisch-türkische Vakifbank und die niederländisch-türkische Credit Europe Bank gehören nicht dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken an. Dort sind 20 000 beziehungsweise 38 000 Euro je Kunde über die jeweilige Länder-Einlagensicherung geschützt. Die lettische Parex-Bank zahlt dagegen fünf Prozent im Jahr ohne Beschränkungen, weil sie mit Filialen in Berlin und Hamburg dem Einlagensicherungsfonds angehört.
Unter den Tagesgeldanbietern zahlt die Credit Europe Bank mit fünf Prozent am meisten. Hier wie beim Marktneuling Kaupthing Bank aus Island (4,8 Prozent) gilt ein reduzierter Einlagenschutz. Die Comdirect zahlt 4,75 Prozent nur Neukunden bis zu einer Anlagesumme von 30 000 Euro. Den höchsten unbedingten Zins bietet mit 4,75 Prozent die ebenfalls neu gestartete ICICI-Bank.


