Afinsa und Fórum Filatélico unterlagen weder der Banken-, noch der Versicherungs- oder Börsenaufsicht, sondern lediglich der Kontrolle des Ministeriums für Gesundheit und Konsum. „Und das hat bei seinen Ermittlungen am grauen Kapitalmarkt kläglich versagt“, sagt Julio Urgel von der Wirtschaftshochschule Instituto de Empresa. Dem Image des Landes habe das enorm geschadet.
Die Verbraucherorganisationen können die Flut der Beschwerden kaum noch bewältigen, verlangen von der Regierung finanzielle Hilfe für Sammelklagen. Zwei Millionen Euro sagte immerhin das zuständige Ministerium zu. Die Verbraucherschutzverbände Adicae und Ausbanc, die seit Jahren vor beiden Unternehmen gewarnt haben, wollen jedoch direkt gegen den Staat vor Gericht ziehen: „Er hätte früher eingreifen müssen, dieses Anlagesystem stank doch zum Himmel“, argumentieren die Verbraucherschützer.
Wie die Künstlerin Long und ihr Mann, der ein Wein-Exportunternehmen besitzt, fragen sich nun viele der Geschädigten in Spanien, wie sie so naiv sein konnten – zu glauben, dass man mit Briefmarken, wie von den Unternehmen jahrzehntelang versprochen, wirklich eine Rendite zwischen fünf und zehn Prozent machen könne. „Es lag wohl daran, dass die Dividenden pünktlich ausgezahlt wurden,“ sagt Long, die seit sechs Jahren ihr Geld bei Afinsa hatte. Sie kramt die Unterlagen aus dem Schrank, zeigt den Scheck mit der jährlichen Dividendenzahlung. Jedes Jahr bekam sie ihn zwölf Monate im voraus. Ende Juni wäre wieder einer fällig geworden.
Zahlen konnten die Unternehmen, weil sie mutmaßlich ein Pyramidensystem betrieben. Es fanden sich immer genug neue Anleger, mit deren Einlagen die Dividenden der alten Kunden bezahlt werden konnten. Rücklagen für den Rückkauf der Sammlungen, wie es im Vertrag stand, wurden dagegen nicht gebildet. Vor Gericht stehen deswegen jetzt auch die Steuerprüfer von Afinsa und Fórum Filatélico, welche die vielen Ungereimtheiten in den Bilanzen nicht entdeckt haben.
Vicente Tardío, Präsident der spanischen Filiale der deutschen Versicherungsgesellschaft Allianz, ist jedoch nicht der Ansicht, dass die Prüfer das System gedeckt haben. „Es ist nicht so einfach, so etwas aufzudecken.“ Er hält die Leichtgläubigkeit vieler Spanier für den Hauptgrund, warum dieses Pyramidensystem so lange funktionieren konnte: „Es herrscht hier einfach ein großes Unwissen über Anlageprodukte vor.“ Zu viele Menschen vertrauten einfach darauf, was ein Freund oder ein Verwandter sage. „Viele überlassen ihr ganzes Erspartes einer so genannten Vertrauensperson, statt selber Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Wirtschaftsexperte Urgel das Phänomen.
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