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22.11.2007 
Unterbewertet

Grenke Leasing bietet Chancen

von Christian Schnell

Hoch angesehen und tief gefallen: Die Aktie des Finanzdienstleisters Grenke Leasing hat seit Monatsanfang gut 30 Prozent an Wert verloren. Doch Analysten halten dem Wert die Treue. Denn fundamental gibt es keine Gründe für den rasanten Absturz. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Die Situation wirkt kurios: Acht von neun Analysten empfehlen laut Informationsdienst Bloomberg die im Kleinwertesegment SDax notierte Aktie von Grenke Leasing. Trotzdem hat diese seit Monatsanfang gut 30 Prozent an Wert verloren. Weil es fundamental keine Gründe für den rasanten Absturz gibt, kursiert am Markt bereits das Wort "Sippenhaft“. Gemeint ist derzeit zu beobachtende kollektive Abstrafung der Finanzwerte wegen der noch immer undurchsichtigen Lage bei US-Hypothekenkrediten.

Bei Grenke Leasing lohnt jedoch die Differenzierung, schätzen Analysten. Zumal beim Baden-Badener Finanzierer von Büro-Elektronik wie Telefon, Drucker und PC in letzter Zeit nichts Überraschendes passiert ist. Die Zahlen für das dritte Quartal lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen. "Unter operativen Gesichtspunkten ist das dritte Quartal sogar etwas besser als erwartet verlaufen“, sagt Ralf Breuer von der WestLB.


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Wichtig für den Kapitalmarkt war aber vielmehr die Nachricht, dass das Neugeschäft als wichtigste Kennzahl für die Entwicklung seit dem Sommer wieder deutlich zugelegt hat, nachdem im zweiten Quartal ein Ergebnisrückgang um fast zehn Prozent die Anleger erschreckt hatte. Das Management bekam dabei die Auswirkungen steigender Zinsen zu spüren. Das Unternehmen hat zur Refinanzierung vor zwei Jahren eine Anleihe über 100 Mill. Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren und variabler Verzinsung platziert, die sie inzwischen teurer bezahlen muss.

Für Vorstand Uwe Hack, der als Nachfolger von Firmenchef und Gründer Wolfgang Grenke gilt, ist das indes kein Problem. "Wir waren durch eine Sondersituation am Markt mit nur geringen Spreads (Risikoaufschlägen) in den letzten Jahren verwöhnt und nähern uns nun lediglich wieder der Normalität an“, sagt Hack. Deswegen stellen die gestiegenen Zinsen auch keine tatsächliche Belastung dar. Zudem hat die Ratingagentur Standard & Poors gerade erst ihre positive Einschätzung mit dem Urteil "BBB+“ bestätigt.

Analysten loben die konsequente Internationalisierung, die in den nächsten Jahren noch viel Steigerungspotenzial für Umsatz, Gewinn und Aktienkurs berge. Nach dem Gang nach Portugal, Finnland und in die Slowakei geht Analyst Carsten Werle vom Bankhaus Sal. Oppenheim zwar davon aus, dass die Expansion innerhalb von Europa weitgehend abgeschlossen ist. Für Fantasie sorgt indes die Aussage von Vorstand Hack bei der jüngsten Analystenkonferenz, dass zwölf von 17 Ländern, in denen Grenke Leasing in der Zwischenzeit vertreten ist, noch keinen nennenswerten Gewinnbeitrag liefern. "Das verdeutlicht das Steigerungspotenzial, das noch in den dortigen Märkten steckt“, sagt Werle.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Deutliches Steigerungspotenzial

Aber auch im nach wie vor bedeutendsten Markt in Deutschland sieht Hack Steigerungsmöglichkeiten. Grund dafür ist zum einen die im kommenden Jahr wohl nicht mehr ganz so rosige Konjunktur, die viele Mittelständler über neue Finanzierungsformen nachdenken lassen dürfte. Zum anderen lässt die geplante Unternehmenssteuerreform Mittelständlern genügend Spielraum, weil Sonderregelungen für Firmen mit Zinsausgaben von unter einer Million Euro pro Jahr gelten.

Insofern bietet die Grenke-Aktie, deren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das kommende Jahr inzwischen im einstelligen Bereich liegt – nach Einschätzung fast aller Analysten deutliches Steigerungspotenzial. Geht es nach Michael Gallagher von der Citigroup, dann dürfte sich der Kurs vom aktuellen Niveau aus in den kommenden zwölf Monaten sogar mehr als verdoppeln. Das Kursziel des größten Optimisten liegt bei 45,20 Euro.


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Aber selbst das Kursziel des größten Pessimisten für die Grenke-Aktie bietet Potenzial für eine überdurchschnittliche Rendite. Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler rät als einziger von neun Analysten zum Verkauf. Sein "fairer Wert“ für die Aktie liegt indes noch immer bei 23,60. Vom aktuellen Niveau aus würde das ein Steigerungspotenzial von fast 13 Prozent bedeuten.

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