Institutionelles Investment

Family-Offices
Reiche setzen auf alternative Anlagen

Wohlhabende Familien haben sich längst von Anleihen verabschiedet. Sie investieren in Beteiligungen und Immobilien.
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FrankfurtDer Vermögenserhalt für die Kinder und Enkelkinder steht im Vordergrund - diesen Satz hört man oft, wenn die wohlhabenden Familien ihre Anlageziele beschreiben. Doch in der Realität liegen die Ansprüche dann doch etwas höher, wie eine Umfrage unter den Kunden der Beratungsgesellschaft Kontora Family Office ergibt, die dem Handelsblatt vorliegt. Dabei zeigt sich sehr deutlich, dass man mit den klassischen Anlagen - Aktien und Renten - heute kaum noch punkten kann. Erst mit dem Einsatz der alternativen Anlagen, wie etwa den Investments in Beteiligungskapital für Firmenkäufe, kann sich der Anleger dem Renditeverfall entziehen.

"Im Mittel haben die Kunden eine Renditeerwartung nach Kosten zwischen vier und sechs Prozent. Das ist in der heutigen Zeit mit dem Niedrigzinsumfeld schon recht anspruchsvoll. Aber mit einem deutlichen Schwerpunkt bei illiquiden Anlagen kann man sogar um die acht Prozent erzielen", sagt Kontora-Partner Patrick Maurenbrecher. Bei der Auswahl der Family-Offices spielten qualitative Kriterien wie Sympathie und Vertrauen eine sehr große Rolle. Harte Faktoren wie die Performance würden ganz einfach vorausgesetzt, ergänzt er.

Vor allem Immobilien, Private Equity und Infrastruktur sowie private Kreditfonds gelten bei den reichen Familien als Renditetreiber. Laut dem Analysehaus Preqin haben 58 Prozent der institutionellen Investoren eine gute Meinung über Private Equity, allerdings sind 86 Prozent besorgt wegen der hohen Bewertungen der Unternehmen. Skeptiker glauben, dass die hohen Renditen bei Private Equity in einem konjunkturellen Abschwung wegen der hohen Einstiegspreise nicht zu halten sind. Außerdem zieht der Boom immer neue Spieler an. "Die Zahl der Anbieter bei Anlagen in beispielsweise Private Equity, Venture-Capital oder Immobilientransaktionen wird immer größer. Die Auswahl der richtigen Manager ist deshalb entscheidend und bestimmt maßgeblich den Anlageerfolg", sagt Kontora-Manager Maurenbrecher, der mit seinem Team Vermögen über insgesamt fünf Milliarden Euro überwacht und berät.

Gut drei Viertel aller Profianleger setzen heute auf alternative Anlageklassen, geht aus den Preqin-Daten hervor. Knapp die Hälfte baut dabei gleich auf mehrere illiquide Investments. Weltweit rangeln mittlerweile aber gut 17.000 alternative Fonds um die Gunst der Anleger, entsprechend heftig ist der "beispiellose Wettbewerb" untereinander, sagt Preqin-Manager Oliver Senchal. Dabei wächst die Gefahr, dass die Private-Equity-Manager größere Risiken eingehen, um ihre Renditeversprechen zu halten.

Die Kunden von Kontora haben "Vermögensinhabern" auch Ratschläge gegeben, was zu tun ist, um Fehlschläge und Erfolglosigkeit zu vermeiden. Knapp 29 Prozent warnen beispielsweise vor unverhältnismäßigen Renditeerwartungen, gut 21 Prozent vor einer fehlenden Diversifikation der Finanzmittel. Und auch eine zu große Komplexität beziehungsweise ein zu kurzer Anlagehorizont können sich als nachteilig erweisen.

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