Institutionelles Investment

Family-Offices

Reiche setzen auf alternative Anlagen

Wohlhabende Familien haben sich längst von Anleihen verabschiedet. Sie investieren in Beteiligungen und Immobilien.
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Im Mittel haben die Kunden eine Renditeerwartung nach Kosten zwischen vier und sechs Prozent. Quelle: dpa
Eine Frage des Vertrauens

Im Mittel haben die Kunden eine Renditeerwartung nach Kosten zwischen vier und sechs Prozent.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Vermögenserhalt für die Kinder und Enkelkinder steht im Vordergrund - diesen Satz hört man oft, wenn die wohlhabenden Familien ihre Anlageziele beschreiben. Doch in der Realität liegen die Ansprüche dann doch etwas höher, wie eine Umfrage unter den Kunden der Beratungsgesellschaft Kontora Family Office ergibt, die dem Handelsblatt vorliegt. Dabei zeigt sich sehr deutlich, dass man mit den klassischen Anlagen - Aktien und Renten - heute kaum noch punkten kann. Erst mit dem Einsatz der alternativen Anlagen, wie etwa den Investments in Beteiligungskapital für Firmenkäufe, kann sich der Anleger dem Renditeverfall entziehen.

"Im Mittel haben die Kunden eine Renditeerwartung nach Kosten zwischen vier und sechs Prozent. Das ist in der heutigen Zeit mit dem Niedrigzinsumfeld schon recht anspruchsvoll. Aber mit einem deutlichen Schwerpunkt bei illiquiden Anlagen kann man sogar um die acht Prozent erzielen", sagt Kontora-Partner Patrick Maurenbrecher. Bei der Auswahl der Family-Offices spielten qualitative Kriterien wie Sympathie und Vertrauen eine sehr große Rolle. Harte Faktoren wie die Performance würden ganz einfach vorausgesetzt, ergänzt er.

Vor allem Immobilien, Private Equity und Infrastruktur sowie private Kreditfonds gelten bei den reichen Familien als Renditetreiber. Laut dem Analysehaus Preqin haben 58 Prozent der institutionellen Investoren eine gute Meinung über Private Equity, allerdings sind 86 Prozent besorgt wegen der hohen Bewertungen der Unternehmen. Skeptiker glauben, dass die hohen Renditen bei Private Equity in einem konjunkturellen Abschwung wegen der hohen Einstiegspreise nicht zu halten sind. Außerdem zieht der Boom immer neue Spieler an. "Die Zahl der Anbieter bei Anlagen in beispielsweise Private Equity, Venture-Capital oder Immobilientransaktionen wird immer größer. Die Auswahl der richtigen Manager ist deshalb entscheidend und bestimmt maßgeblich den Anlageerfolg", sagt Kontora-Manager Maurenbrecher, der mit seinem Team Vermögen über insgesamt fünf Milliarden Euro überwacht und berät.

Die deutschen Milliardäre in der Schweiz
Formula One Grand Prix of Abu Dhabi
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Sebastian Vettel

Regelmäßig listet das Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz" die reichsten Eidgenossen auf. Unter den Top 300 sind in schöner Regelmäßigkeit viele Schweizer mit ausländischem Pass. Jeder fünfte der Multimillionäre hat deutsche Wurzeln. So auch der jüngste deutscher Neueinsteiger in der Schweizer „Bilanz“-Reichenliste: Der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel (27) kommt auf ein geschätztes Vermögen von 100 bis 150 Millionen Franken (circa 125 Millionen Euro).

Aromenhersteller Wild
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Hans-Peter Wild

Den größten Schnitt hat 2013 Hans-Peter Wild (73) gemacht, der Erfinder der Capri-Sonne: Für 2,3 Milliarden Euro schluckte der US-Riese Archer Daniels Midland (ADM) den Aromahersteller Wild Flavors, an dem Wild noch mit zwei Dritteln beteiligt war.

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Georg Bau

Nach amerikanischem Vorbild errichtete Heinz Georg Baus (80) 1960 den ersten deutschen Baumarkt. Seither klingeln die Kassen und das Unternehmen expandiert mit oft riesigen Baumärkten, inzwischen auch in seiner Wahlheimat Schweiz. Oft sind die Immobilien der Bauhaus-Filialen mit bis zu 29.000 Quadratmetern im Eigentum des medienscheuen Unternehmers. In der Bilanz-Rangliste wird Baus mit einem Vermögen zwischen 3,5 und vier Milliarden Franken geführt.

Müller-Milch zieht in die Schweiz
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Familie Theo Müller

Theo Müller (74) ist alleiniger Inhaber der "Unternehmensgruppe Theo Müller". Begonnen hatte alles mit einer kleinen Dorfmolkerei, die 1896 in Bayern von Ludwig Müller gegründet wurde. Zwei Generationen später übernahm Theo Müller den Betrieb und baute ihn von vier Mitarbeitern bis zum heutigen Konzern aus. Das Gesamtvermögen der Familie wird auf zwei bis drei Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Müllers Nahrungsmittelkonzern soll jedoch noch im auslaufenden Jahr mehr als fünf Milliarden Euro Verkaufserlöse schaffen.

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Karl-Heinz Kipp

Der Bau-Guru und deutsche Milliardär Karl-Heinz Kipp besitzt neben diversen Schweizer Nobelhotels wie dem Carlton in St. Moritz oder dem Eden Roc in Ascona einige Wolkenkratzer in New York. Aber auch der zweitgrößte Handelskonzern Europas, die Metro Group, ist Pächter von diversen Warenhäusern aus der Immobilienlandschaft des Tycoon. Das Vermögen seiner Familie wird auf vier bis fünf Milliarden Franken taxiert.

Wella feiert 125. Geburtstag
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Die Wella-Erben

Immo Ströher ist der Urenkel des Friseurmeisters und Gründers von Wella Franz Ströher. Er gilt als derjenige, der gegen den Strom schwimmt, da er sich durch den Abtritt des Wella-Konzerns an Procter & Gamble, sowie seine zahlreichen Investitionen in erneuerbare Energien, komplett aus der Haarpflege-Sparte zurückgezogen hat. Das Gesamtvermögen der Wella-Erben wird auf knapp unter fünf Milliarden Franken geschätzt.

FDP wehrt sich gegen Vorwurf der Käuflichkeit
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Familie August von Finck

Die Familie, bestehend aus August Baron von Finck mit seiner Gattin Francine Baronin von Finck sowie drei Söhnen und einer Tochter verwaltet ihr Vermögen durch diverse Beteiligungen und Immobilien. Sohn Luitpold Ferdinand von Finck ist Präsident im Verwaltungsrat der Mövenpick Hotels & Resorts. Das Gesamtvermögen der Familie wird auf fünf bis sechs Milliarden Schweizer Franken geschätzt.

Gut drei Viertel aller Profianleger setzen heute auf alternative Anlageklassen, geht aus den Preqin-Daten hervor. Knapp die Hälfte baut dabei gleich auf mehrere illiquide Investments. Weltweit rangeln mittlerweile aber gut 17.000 alternative Fonds um die Gunst der Anleger, entsprechend heftig ist der "beispiellose Wettbewerb" untereinander, sagt Preqin-Manager Oliver Senchal. Dabei wächst die Gefahr, dass die Private-Equity-Manager größere Risiken eingehen, um ihre Renditeversprechen zu halten.

Die Kunden von Kontora haben "Vermögensinhabern" auch Ratschläge gegeben, was zu tun ist, um Fehlschläge und Erfolglosigkeit zu vermeiden. Knapp 29 Prozent warnen beispielsweise vor unverhältnismäßigen Renditeerwartungen, gut 21 Prozent vor einer fehlenden Diversifikation der Finanzmittel. Und auch eine zu große Komplexität beziehungsweise ein zu kurzer Anlagehorizont können sich als nachteilig erweisen.

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