Institutionelles Investment

German Private Equity Barometer

Ein Rekord jagt den nächsten

Die Stimmung im Private-Equity-Markt ist blendend und wird getragen von einer beinahe euphorischen Zuversicht für Start-ups. Nur die hohen Preise stören das Geschäftsklima – schon das sechste Quartal in Folge.
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Die Stimmung ist eigentlich gut. Lediglich zu hohe Bewertungen verunsichern. Quelle: Getty Images
Beteiligungsmarkt

Die Stimmung ist eigentlich gut. Lediglich zu hohe Bewertungen verunsichern.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtDie Hochstimmung auf dem deutschen Beteiligungsmarkt hält an. Das von der staatlichen Förderbank KfW und dem Branchenverband BVK veröffentlichte „German Private Equity Barometer (GPEB)“ hat im dritten Quartal mit 70,2 Punkten einen neuen Höchststand erreicht. Getragen wird der Zuwachs von einer fast schon euphorischen Zuversicht bei den Risikokapitalgebern für Start-ups.

Das Geschäftsklima bei diesen Venture-Capital-Fonds hat sich vor allem wegen der vorteilhaften Ausstiegs- und Fördermöglichkeiten weiter verbessert. Auch das Einsammeln neuer Gelder und das Innovationsklima werden von den Marktteilnehmern in Deutschland als sehr gut eingeschätzt. „Das beispiellos gute Fundraisingklima kommt nun auch bei den Start-ups an“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Die Finanzierungsrunden würden größer, gegenüber 2012 seien sie heute mehr als doppelt so groß.

Beteiligungskapital erfreut sich in der Niedrigzinsphase eines besonders regen Interesses seitens der institutionellen Investoren. Die Mittelzuflüsse nehmen stetig zu, aber auch das nicht investierte Kapital wächst mangels lohnender Anlagemöglichkeiten. Im dritten Quartal nahm die Zahl der Beteiligungsfonds, die ihr Fundraising abgeschlossen haben, weltweit zwar um 22 Prozent ab. Dafür nahm die Summe des eingesammelten Kapitals gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres aber um 43 Prozent zu, wie das Analysehaus Preqin ermittelt hat.

Im Gegensatz zu den Buy-out-Fonds für die Übernahme von etablierten Unternehmen sind die Risiken bei den Venture-Capital-Fonds größer. Allerdings sind die Pensionskassen, Family Offices, Versorgungswerke, Versicherungen und Stiftungen wegen des Renditedrucks jetzt offenbar bereit, größere Schecks zu schreiben. „Besonders erfreulich ist, dass die sehr gute Stimmung und der Zukunftsoptimismus nun auch im Venture-Capital-Bereich angekommen sind. Hier wurde in den letzten Jahren viel durch alle Beteiligte bewegt, um Deutschland bei der Start-up-Finanzierung voranzubringen“, meint Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes BVK-Vorstandsmitglied. Trotzdem stellen die US-amerikanischen Fonds ihren Jungunternehmern je nach Finanzierungsphase fünf- bis neunmal mehr Kapital zur Verfügung.

Sieben Tipps zum richtigen Pitchen
Richtig pitchen
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„Wenn starke Gründer am Pitch scheitern, dann eigentlich immer, weil sie es nicht ernst genug genommen haben“, schreibt Christoph Sollich im Magazin „Berlin Valley“ (Ausgabe Nummer 20). Der Autor, in ganz Europa bekannt als Pitch-Experte und Coach für viele Accelerator-Programme, Inkubatoren und Start-up-Events, hat sieben Tipps zum Pitchen formuliert, die Gründer unbedingt beachten sollten...

Zu den Begrifflichkeiten
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Geht es darum, den Grundstein für ein neues Unternehmen zu legen, brauchen Gründer zunächst eine sogenannte Seed-Finanzierung. Dabei geben meistens Business-Angels oder ähnliche Unterstützer Kapital. Weitere Finanzierungsrunden werden danach in der Regel von professionellen Venture-Capital-Gebern getragen und man spricht dann von Serie-Finanzierungen. Diese reichen von der anfänglichen Serie-A-Finanzierungsrunde bis zur Serie-E Finanzierungsrunde oder weiter.

1. Der Pitch ist ein Prozess
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Dass Start-ups die Seed-Runde mit nur einem einzigen Pitch-Meeting abschließen, hält Christoph Sollich zwar für unwahrscheinlich, aber es sei möglich. Deutlich schwieriger aber könnte es in den weiteren Finanzierungsrunden werden, wenn mehr Geld im Spiel ist und die Investoren sorgfältiger prüfen, wem sie ihr Geld geben. „Dementsprechend ist der Prozess, eine Series A zu raisen, in den meisten Fällen langwieriger als bei einer Seed-Runde“, so der Experte. Sein Rat: „So früh wie möglich anfangen, mit potenziellen Series-A-Investoren zu reden (am besten schon während des Seed-Fundraisings), und sie dann regelmäßig über Eure (hoffentlich beeindruckenden) Fortschritte auf dem Laufenden halten.“

2. An die menschliche Seite denken
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Was von vielen Gründern oft nicht oder zu wenig bedacht wird, sei die menschliche Komponente, die durchaus auch bei Investment-Entscheidungen eine Rolle spiele. Christoph Sollich: „Eure potenziellen Investoren müssen das Gefühl haben, dass Ihr mit Eurem Start-up erfolgreich sein werdet. Sie müssen Bock darauf haben, mit Euch über Jahre zusammenzuarbeiten. Sie müssen an Euch glauben. Sie müssen Euch vertrauen. Und dieses Vertrauen entsteht nicht in einem 45-minütigen Pitch-Meeting. Es braucht Zeit.“ Das kann also ganz konkret für Gründer bedeuten, mit dem Investor öfter mal Essen oder Golfen zu gehen. „Achtet nur darauf, dass der Investor zahlt – die haben ja oft einen eher teuren Geschmack“, rät der Experte zur Vorsicht.

3. Professionalität ist das A und O
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Von Bedeutung sei auch das Verhalten des Teams während des Pitch-Prozesses. Für Christoph Sollich ist es ein wichtiger Indikator dafür, wie professionell es in anderen Bereichen des Start-ups zugehe. „Ein professioneller Pitch ist nicht nur eine schickes Slide-Deck, sondern die präzise Kommunikation in allen Phasen des Prozesses. Natürlich muss das Deck die notwendigen Informationen enthalten“, so Sollich. Natürlich müsse es für jeden Investor angepasst werden: Worauf legt dieser Investor besonders wert? Wie passen wir in sein Portfolio? Sollich: „Entscheidend ist, dass Ihr effizient und präzise Eure Geschichte auf den Punkt bringt – und das als Team: Es gibt nichts Schlimmeres als Gründer, die sich im Meeting mit Investoren nicht einig sind.“

4. Ihr seid die Experten
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Zwar haben Investoren oft sehr viel Erfahrung, sie wissen deshalb aber nicht alles besser. Wichtig sei es daher, dass sie das Gefühl haben, dass die Gründer ganz klar wissen, wo es hingehen soll und dass sie die Experten in ihrem Markt sind. Christoph Sollich: „Denn letztlich will der Investor Euer Start-up nicht selbst machen müssen, sondern von Euch zum Erfolg geführt werden. Ihr solltet also Eure Positionen klar vertreten, auch wenn der Investor anderer Meinung ist. Nur „Ja“ und „Amen“ zu sagen wird Euch langfristig als Schwäche ausgelegt und damit kontraproduktiv sein.“

5. Ihr seid nicht Brad Pitt
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„Es hält sich immer noch das hartnäckige Gerücht, beim Pitchen müsse man sich in irgendeiner Weise verstellen. Dem ist nicht so. Pitchen ist nicht Schauspielerei. Der Prozess ist viel zu intensiv, und Investoren sind (in den allermeisten Fällen) viel zu schlau, um auf irgendwelche Tricks hereinzufallen“, warnt Christoph Sollich in seinem Pitch-Leitfaden. „Zumal Ihr wahrscheinlich nicht das schauspielerische Talent habt, wirklich glaubhaft etwas anderes darzustellen als Euer reales Ich. Also probiert es gar nicht erst – steht dazu, wie Ihr seid. Denn nur so findet Ihr den oder die Investoren, die zu Euch passen.“

Im sogenannten Spätphasensegment - zu dem die Buy-out-Fonds zählen - hält der Unmut über die hohen Bewertungen an, das Geschäftsklima ist aber insgesamt gut. Die Unzufriedenheit mit den verlangten Kaufpreisen nimmt jetzt schon das sechste Quartal in Folge zu. „Wer nicht die Zeit oder die Nerven hat, auf eine Reduzierung der Kaufpreise zu warten, die derzeit nicht ersichtlich ist, der muss sich auch um Neuinvestments kümmern. Auch wenn die Kaufpreise aus Käufersicht schmerzhaft hoch sind“, sagt Tobias Schneider von der Kanzlei CMS. Erleichtert werden neue Engagements durch die nahezu grenzenlose Verfügbarkeit von Krediten für Übernahmefinanzierungen. Und da, wo Banken nicht mehr mitziehen wollen, springen oftmals die privaten Kreditfonds ein, die in den vergangenen Jahren immer stärker in Erscheinung treten.

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