Institutionelles Investment

Großanleger

Richtig taktieren

Europäische Großinvestoren wollen Verluste vermeiden und trotzdem Rendite erzielen. Um ihre Renditeziele zu erreichen, gehen sie in der Anlagestrategie teils neue Wege. Mit Derivaten versuchen sie, beides zu erreichen.
Update: 15.11.2017 - 17:31 Uhr Kommentieren
Zur Absicherung eingesetzt, schonen sie die vorgeschriebenen Kapitalpuffer. Quelle: Getty Images
Derivate

Zur Absicherung eingesetzt, schonen sie die vorgeschriebenen Kapitalpuffer.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtBloß keine Verluste - das scheint das oberste Gebot für Großanleger in Deutschland und Europa zu sein, wenn sie ihr Portfolio steuern. Mit Blick auf die rekordhohen Aktienkurse und Niedrigzinsen bei Anleihen fürchten Versicherungen, Pensionseinrichtungen, Firmen, Banken oder Stiftungen offenbar Kursverluste bei den traditionellen Anlagen. So nutzen sie bereits Derivate zur Absicherung ihrer Portfolios.

Einer Studie der Universität Hamburg zufolge können solche Strategien etwa mit Optionen, Futures, Swaps aber nicht nur das Verlustrisiko verringern, sondern auch die Rendite erhöhen. Um ihre Renditeziele von im Mittel drei bis vier Prozent pro Jahr zu erreichen, gehen Großanleger in der Anlagestrategie teils neue Wege.

Apple, Bank of America und weniger IBM – das Portfolio von Warren Buffett

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
Xetra

-0,80 -0,55%
0,00€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
1 von 45

Aufgestockt (1/3)

Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway ist seit dem ersten Quartal 2016 Aktionär des Technologiekonzerns Apple – und das, obwohl Buffett als Skeptiker gegenüber Technologiewerten gilt. Bereits im vierten Quartal 2016 hatte der Star-Investor seine Beteiligung aufgestockt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres griff er noch einmal kräftig zu: zum 31. März lagen im Vergleich zum Vorquartal mehr als doppelt so viele Apple-Anteilsscheine im Portfolio und auch im zweiten Quartal 2017 hat Buffett minimal zugekauft. Offenbar ist der Investor zufrieden mit dem Technologiekonzern aus dem Silicon Valley. Im dritten Quartal 2017 stockte er seinen Anteil um knapp drei Prozent auf.

Buffetts Anteile: 134,1 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2017: plus 2,99 Prozent
Wert der Beteiligung: 20,7 Milliarden Dollar

Quelle aller Angaben:13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC für das dritte Quartal 2017 (nur US-Aktien). Stand: 30. September 2017, veröffentlicht am 14.November 2017.

SYNCHRONY FINANCIAL REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US87165B1035
Börse
FSE

+1,60 +5,37%
+31,20€
Chart von SYNCHRONY FINANCIAL REGISTERED SHARES DL -,001
Synchrony Financial
2 von 45

Aufgestockt (2/3)

Der US-Großinvestor Warren Buffett setzt verstärkt auf den Kreditkartensektor. Im ersten Quartal 2017 hat er erstmals Anteile an Synchrony Financial erworben. Im zweiten Quartal wurde die Beteiligung deutlich ausgebaut und auch im dritten Quartal verlor Berkshire nicht den Appetit auf Aktien des Finanzdienstleisters: die Anteile wurden um knapp 20 Prozent aufgestockt. Das Unternehmen wurde Mitte 2014 vom General Electric an die Börse gebracht. Berkshire gehört bereits ein Sechstel des Kreditkartenunternehmens American Express.

Buffetts Anteile: 20,8 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2017: plus 19,12 Prozent
Wert der Beteiligung: 645,9 Millionen Dollar

MONSANTO CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US61166W1018
Börse
Xetra

+0,40 +0,41%
0,00€
Chart von MONSANTO CO. REGISTERED SHARES DL -,01
Monsanto
3 von 45

Aufgestockt (3/3)

Der Zeitpunkt war günstig: Kurz vor der geplanten Übernahme durch den deutschen Chemieriesen Bayer stieg Buffett im vierten Quartal 2016 bei dem US-Saatgutkonzern Monsanto ein. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufte acht Millionen Papiere des Konzerns. Obwohl die Übernahme durch Bayer wohl frühestens Anfang 2018 in trockenen Tüchern sein wird, erhöhte Berkshire im dritten Quartal seine Beteiligung um gut zehn Prozent.

Buffetts Anteile: 8,9 Millionen Stück

Veränderung im dritten Quartal 2017: plus 10,3 Prozent

Wert der Beteiligung: 1,1 Milliarden Dollar

INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US4592001014
Börse
Xetra

-5,50 -3,97%
0,00€
Chart von INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20
IBM
4 von 45

Reduziert (1/3)

Gemessen am Investmentvolumen gehörte der Software-Hersteller IBM einst zu den Lieblingen im Buffett-Portfolio. Doch dann reduzierte der Anleger im ersten Quartal 2017 die Beteiligung um gut ein Fünftel und legte im zweiten Quartal noch einmal nach. Im dritten Quartal trennte sich Buffett von einem weiteren knappen Drittel der Anteile.

Buffetts Anteile: 37 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2017: minus 31,5 Prozent
Wert der Beteiligung: 7,4 Milliarden Dollar

WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666

WKN
ISIN
US9497461015
Börse
Xetra

-0,20 -0,38%
0,00€
Chart von WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666
Wells Fargo
5 von 45

Reduziert (2/3)

Die US-Bank Wells-Fargo sorgte in der Vergangenheit für viele schlechte Schlagzeilen, unter anderem mit einem ausgewachsenen Skandal rund um Scheinkonten, die Mitarbeiter auf Prämienjagd ohne Wissen der Kunden eröffnet hatten. Buffett ließ sich von den Negativschlagzeilen lange nicht beirren. Der US-Finanzdienstleister blieb ein Favorit des „Orakels von Omaha“, auch wenn er auf seiner Hauptversammlung das Krisenmanagement scharf kritisierte. Er hält rund ein Viertel des Konzerns. Bereits im zweiten Quartal 2017 reduzierte er seinen Anteil leicht – und tat dies auch im dritten Quartal.

Buffetts Anteile: 464,2 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 0,8 Prozent
Wert der Beteiligung: 25,6 Milliarden Dollar

CHARTER COMMUNICATIONS INC. REG. SH. CLASS A DL-,001

WKN
ISIN
US16119P1084
Börse
FSE

+4,00 +1,36%
+298,00€
Chart von CHARTER COMMUNICATIONS INC. REG. SH. CLASS A DL-,001
Charter Communications
6 von 45

Reduziert (3/3)

Charter Communications ist der viertgrößte Kabelbetreiber in den USA. Zwischenzeitlich hatte Buffett im Jahr 2015 eine Beteiligung am Unternehmen komplett abgebaut – doch er entschied sich anders und kaufte immer mal wieder zu. Anders im dritten Quartal: Da trennte er sich von gut zehn Prozent der Anteile und verkauft 954.000 Aktien.

Buffetts Anteile: 8,5 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2017: minus 10,1 Prozent

BANK OF AMERICA CORP. REGISTERED SHARES DL 0,01

WKN
ISIN
US0605051046
Börse
Xetra

+0,20 +0,78%
0,00€
Chart von BANK OF AMERICA CORP. REGISTERED SHARES DL 0,01
Bank of America
7 von 45

Neu eingestiegen (1/1)

US-Banken verdienen wieder prächtig - anders als viele Konkurrenten in Europa. Offenbar glaubt auch Warren Buffett an die Geldhäuser in seiner Heimat. Im dritten Quartal des Jahres stieg er bei der Bank of America neu ein – und das gleich in ganz großem Stil: Er erwarb 679 Millionen Anteile im Wert von 17 Milliarden Dollar. Er scheint also große Hoffnungen in das Institut zu setzen, das nicht nur zu den weltweit größten Finanzinstituten gehört, sondern seit der Übernahme von Merrill Lynch im Jahr 2009 auch einer der größten Vermögensverwalter der Welt ist. Immerhin macht der Anteil der Bank-of-America-Aktien knapp zehn Prozent des Berkshire-Hathaway-Portfolios aus.

Buffetts Anteile: 679 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2017: plus 100 Prozent
Wert der Beteiligung: 17,2 Milliarden Dollar

„Mit Abstand am wichtigsten“ sei es deutschen und auch europäischen Großinvestoren, keine Verluste im Portfolio zu erleiden, resümierte Alexander Szimayer, Professor für Finanzwirtschaft der Universität Hamburg, mit Blick auf eine Umfrage unter 101 deutschen und 104 europäischen Großinvestoren für die von ihm erstellte „Risikomanagement-Studie 2017“. Danach gaben 89 Prozent der Deutschen und 83 Prozent der Europäer dies als oberstes Anlageziel an. Die Europäer hätten sich in puncto Verlustvermeidung zuletzt dem deutschen Niveau angenähert, erklärte Szimayer auf einer Konferenz des genossenschaftlichen Fondsanbieters Union Investment zum Thema Risikomanagement in Mainz. Interessant ist, dass aber das Thema Rendite für knapp die Hälfte der europäischen Investoren gleichwohl vor der Sicherheit ihrer Anlagen steht. Für knapp drei Viertel der Deutschen ist dagegen Sicherheit am wichtigsten und zuletzt auch noch bedeutender geworden.

Die größten Staatsfonds der Welt
Platz 15: Südkorea – Korea Investment Corporation
1 von 15

Die Korea Investment Corporation verwaltet ein Vermögen von knapp über 122 Milliarden US-Dollar. Damit ist der in Südkorea angesiedelte Fond das Schlusslicht im Ranking um den größten Staatsfond.

Platz 14: Vereinigte Arabische Emirate – Mubadala Investment Company
2 von 15

Die Mubadala Investment Company hat ein Volumen von 125 Milliarden US-Dollar. Das Kapital kommt zum Großteil aus dem Öl-Geschäft. Der Sitz des Fonds ist in Abu Dhabi. Das macht Platz 14 im Ranking.

Platz 13: Saudi-Arabien – Public Investment Fund
3 von 15

Der Public Investment Fund in Saudi-Arabien verwaltet ein Vermögen in Höhe von 183 Milliarden Dollar. Den größten Teil bezieht der seit 2008 bestehende Fond aus Öl.

Platz 12: Singapur – Temasek Holdings
4 von 15

Einer der Staatfonds von Singapur – Temasek Holdings – verfügt über ein Volumen von 197 Milliarden US-Dollar. Das macht Platz zwölf im Ranking.

Platz 11: Vereinigte Arabische Emirate – Investment Corporation of Dubai
5 von 15

Auch für den Elfplatzierten ist das Ölgeschäft sehr wichtig. Er wird vom Staatsfonds der Investment Corporation in den Vereinigten Arabischen Emiraten belegt. Knapp 210 Milliarden US-Dollar beträgt sein Vermögen. Der Fonds wurde im Jahr 2006 gegründet und hat seinen Sitz in Dubai.

Platz 10: China – National Social Security Fund
6 von 15

Die Top Ten eröffnet China mit dem National Social Security Fund. Der zehngrößte Staatsfonds besitzt ein Volumen von 295 Milliarden US-Dollar.

Platz 9: Katar – Qatar Investment Authority
7 von 15

Platz neun belegt Katar. Das Vermögen des Staatsfonds der Qatar Investment Authority in Katar beläuft sich auf knapp 320 Millionen US-Dollar. Seine Einnahmen bezieht der Fonds aus Öl und Gas. Seit der Gründung im Jahr 2005 kauft sich das Emirat über Fonds und Tochtergesellschaften bei Unternehmen weltweit ein.

Hilfreich beim Spagat zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Streben nach laufenden Erträgen sind nach Auffassung von Wissenschaftler Szimayer Strategien mit Derivaten. In seiner Studie ermittelte er „Mehrwert“ durch Derivate auf drei Ebenen: einem „Türöffnereffekt“, einem Renditeplus und einer Risikoverringerung. Anlegern werde mittels Derivaten ermöglicht, das gesamte Anlagespektrum zu spielen, sagte er: Sie könnten etwa auf spezielle Segmente wie Aktien mit geringen Kursschwankungen oder kleine oder unterbewertete Titel setzen und dabei das Gesamtmarktrisiko ausschließen.

Der Einsatz von Derivaten, etwa über das Schreiben von Optionen, kann laut Szimayer ein Renditeplus von bis zu zwei Prozent im Jahr bringen. Eingesetzt im Risikomanagement, hätten Investoren etwa in den Jahren zwischen 1998 und 2013 mithilfe von Derivaten ihre Rendite leicht erhöhen und das Marktrisiko um 13 Prozent verringern können. Grundsätzlich funktioniere eine solche Risikominimierung in allen Marktphasen, auch in Krisenzeiten, betonte der Ökonom. Auch angesichts einer immer stärkeren Regulierung der Anlagestrategien vieler Großinvestoren machen Derivate Sinn, wie er betont: Zur Absicherung eingesetzt, schonen sie die vorgeschriebenen Kapitalpuffer.

Mehr alternative Anlagen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Großanleger - Richtig taktieren

0 Kommentare zu "Großanleger: Richtig taktieren"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%