Institutionelles Investment

Großanleger
Richtig taktieren

Europäische Großinvestoren wollen Verluste vermeiden und trotzdem Rendite erzielen. Um ihre Renditeziele zu erreichen, gehen sie in der Anlagestrategie teils neue Wege. Mit Derivaten versuchen sie, beides zu erreichen.
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FrankfurtBloß keine Verluste - das scheint das oberste Gebot für Großanleger in Deutschland und Europa zu sein, wenn sie ihr Portfolio steuern. Mit Blick auf die rekordhohen Aktienkurse und Niedrigzinsen bei Anleihen fürchten Versicherungen, Pensionseinrichtungen, Firmen, Banken oder Stiftungen offenbar Kursverluste bei den traditionellen Anlagen. So nutzen sie bereits Derivate zur Absicherung ihrer Portfolios.

Einer Studie der Universität Hamburg zufolge können solche Strategien etwa mit Optionen, Futures, Swaps aber nicht nur das Verlustrisiko verringern, sondern auch die Rendite erhöhen. Um ihre Renditeziele von im Mittel drei bis vier Prozent pro Jahr zu erreichen, gehen Großanleger in der Anlagestrategie teils neue Wege.

„Mit Abstand am wichtigsten“ sei es deutschen und auch europäischen Großinvestoren, keine Verluste im Portfolio zu erleiden, resümierte Alexander Szimayer, Professor für Finanzwirtschaft der Universität Hamburg, mit Blick auf eine Umfrage unter 101 deutschen und 104 europäischen Großinvestoren für die von ihm erstellte „Risikomanagement-Studie 2017“. Danach gaben 89 Prozent der Deutschen und 83 Prozent der Europäer dies als oberstes Anlageziel an. Die Europäer hätten sich in puncto Verlustvermeidung zuletzt dem deutschen Niveau angenähert, erklärte Szimayer auf einer Konferenz des genossenschaftlichen Fondsanbieters Union Investment zum Thema Risikomanagement in Mainz. Interessant ist, dass aber das Thema Rendite für knapp die Hälfte der europäischen Investoren gleichwohl vor der Sicherheit ihrer Anlagen steht. Für knapp drei Viertel der Deutschen ist dagegen Sicherheit am wichtigsten und zuletzt auch noch bedeutender geworden.

Hilfreich beim Spagat zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Streben nach laufenden Erträgen sind nach Auffassung von Wissenschaftler Szimayer Strategien mit Derivaten. In seiner Studie ermittelte er „Mehrwert“ durch Derivate auf drei Ebenen: einem „Türöffnereffekt“, einem Renditeplus und einer Risikoverringerung. Anlegern werde mittels Derivaten ermöglicht, das gesamte Anlagespektrum zu spielen, sagte er: Sie könnten etwa auf spezielle Segmente wie Aktien mit geringen Kursschwankungen oder kleine oder unterbewertete Titel setzen und dabei das Gesamtmarktrisiko ausschließen.

Der Einsatz von Derivaten, etwa über das Schreiben von Optionen, kann laut Szimayer ein Renditeplus von bis zu zwei Prozent im Jahr bringen. Eingesetzt im Risikomanagement, hätten Investoren etwa in den Jahren zwischen 1998 und 2013 mithilfe von Derivaten ihre Rendite leicht erhöhen und das Marktrisiko um 13 Prozent verringern können. Grundsätzlich funktioniere eine solche Risikominimierung in allen Marktphasen, auch in Krisenzeiten, betonte der Ökonom. Auch angesichts einer immer stärkeren Regulierung der Anlagestrategien vieler Großinvestoren machen Derivate Sinn, wie er betont: Zur Absicherung eingesetzt, schonen sie die vorgeschriebenen Kapitalpuffer.

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