Institutionelles Investment

Investorenumfrage von Merrill Lynch
Gefährliche Champagnerlaune

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Märchenhafte Hoffnung

Trotz der Gefahren, die sie sehen, setzen die Investoren insgesamt darauf, dass die Wirtschaft weiter moderat wächst und die Inflation niedrig bleibt. Dieses sogenannte Goldilock-Szenario - benannt nach einem englischen Märchen - erwarten 56 Prozent mehr der Investoren als solche die die es nicht tun. Auch das ist ein Rekordwert. Die größten Risiken sehen Investoren in einer zu härteren Gangart beziehungsweise Fehlern der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank. Auch ein Crash an den Bondmärkten wird als Risiko gesehen. Aber nur als „Tail Risk“, also als unwahrscheinliches Ereignis.

Einen unmittelbaren Absturz der Märkte erwartet Hartnett von der BofA Merrill Lynch trotz der Sorglosigkeit der Investoren nicht. Schon die Ergebnisse der Umfrage im Oktober erinnerten ihn an Ikarus aus der griechischen Mythologie. Der Dessen Vater Dädalus baute für ihn und sich selbst Flügel aus Federn und Wachs, um aus dem Gefängnis in Kreta zu fliehen. Dädalus warnte seinen Sohn zu nah an die Sonne zu fliegen. Das ignorierte Ikarus, das Wachs schmolz und Ikarus stürzte ins Meer. „Ikarus fliegt jetzt noch näher an der Sonne“, meint Hartnett. Vor einem Monat hatte er in diesem Bild Ikarus noch als intakt bezeichnet.

Doch noch gibt es eben keinen Absturz und auch andere Strategen meinen, dass die Jahresendrally noch einmal Schwung aufnehmen könnte. Oft steigen die Börsen gerade zum Jahresende, weil Fondsmanager gut gelaufene Aktien nachkaufen, um beim Jahresabschluss gut dazustehen und zu zeigen, dass sie die Top-Performer in ihren Portfolios haben. „Window Dressing“ heißt diese Taktik in der Fachsprache. Dazu kommt: Auch vor einem Monat waren die Investoren sehr zuversichtlich - und die Börsen stiegen weiter, auch wenn es in den vergangenen Tagen zu einer Verschnaufpause kam. Wichtig wird es von daher zu sehen, wann die Fondsmanager vorsichtiger werden. Ob das im nächsten Monat schon so weit ist, darf bezweifelt werden. Der irrationale Überschwang könnte noch eine Weile weitergehen.

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Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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