Institutionelles Investment

Verkauf von Lebensversicherungen Policen-Käufer wittern die Rendite

Nach der Ankündigung von Ergo und Generali Deutschland, einen Verkauf zu prüfen, könnte jede siebte Lebensversicherungs-Police veräußert werden. Was Kunden schreckt, freut jene, die auf ein neues Geschäftsmodell setzen.
  • Dominic Egger
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Moon rising over buildings in the City of London, including 30 St Mary Axe (left) and the Leadenhall Building at 122 Leadenhall Street (right) Quelle: Getty Images
Finanzdistrikt in London

Großbritannien hat schlechte Erfahrungen mit dem Verkauf von Lebensversicherungs-Policen gemacht.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt„Alle versuchen aktuell, den Klotz am Bein loszuwerden“, sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale-Bundesverband mit Blick auf die Lebensversicherung. Wirklich alle? Die Käufer der Bestände, sogenannte Run-off-Plattformen, reiben sich die Hände. Ihr Geschäft mit Lebensversicherungen hat derzeit Hochkonjunktur: Nach der Ankündigung der Generali Deutschland, einen Verkauf zu prüfen, haben sich auch andere Lebensversicherer aus der Deckung gewagt. So überlegt Ergo, die frühere Hamburg-Mannheimer und die Victoria Leben zu verkaufen, und selbst die deutsche Axa sondiert den Preis für ihr Lebensversicherungsgeschäft.

Professionelle Abwickler stehen parat, den Versicherern die missliebig gewordenen Vertragsbestände abzunehmen. Das Ziel: die alten Verträge mit Gewinn bewirtschaften – und das in einer Zeit, in der von einer Krise der Lebensversicherung gesprochen wird. Warum gelingt den Konsolidierungsplattformen, was die Lebensversicherer nach Jahren aufgeben? Das Handelsblatt erklärt das Geschäftsmodell der Run-off-Plattformen.

Nach Gewinn suchen die Nur-Verwalter vor allem in den Verwaltungskosten. Beim Kostenergebnis lässt ihnen die Versicherungsaufsicht den größten Spielraum für Verschiebungen: Nur 50 Prozent der hier gewonnenen Überschüsse müssen sie an die Sparer weitergeben. „Kosten sparen die Verwalter der Altbestände im Wesentlichen durch schlankere IT-Systeme“, erklärt Michael Klüttgens, Versicherungsexperte der Beratungsfirma Willis Towers Watson.

Das fremde Bestandssystem schnell in das eigene zu überführen, ist besonders wichtig, denn das senkt die Stückkosten erheblich. Ist die Datenlandschaft des Altbestandes zu komplex, kann das die Übernahme sogar gefährden. „Manche Versicherer haben nur ein Bestandsführungssystem, andere besitzen eine Vielzahl von Systemen mit schwer zu migrierenden Beständen“, stellt Klüttgens fest. Diesen Wildwuchs zu beschneiden, ist eine der Kernaufgaben von Run-off-Plattformen.

„Kostenvorteile allein reichen nicht aus, um profitabel zu wirtschaften“, erklärt Ina Kirchhof, Vorstandsvorsitzende der Athene Lebensversicherung, einer von drei Run-off-Anbietern in Deutschland. Auch in der Kapitalanlage wollen die Konsolidierungsplattformen effizienter sein als die Vorbesitzer. Der Spielraum ist hier jedoch ungleich kleiner als bei den Kosten.

Die Abwickler erben nicht nur die Kunden und Vermögenswerte des Verkäufers, auch dessen Zahlungsverpflichtungen aus Hochzinszeiten müssen sie bedienen. Und die Plattformen unterliegen den Kapitalanforderungen der EU-Richtlinie Solvency II. Seit dem Jahr 2016 schreibt das Regelwerk vor, mehr Geld für spätere, garantierte Auszahlungen beiseite zu legen. Darüber hinaus schreibt die Aufsicht den Verwaltern vor, mindestens 90 Prozent des Kapitalgewinns an die Versicherungsnehmer abzutreten. Die ohnehin geringen Kundenbeschwerden sind also wenig begründet.

Doch soll das Plus in der Kapitalanlage gelingen, wo Bundesanleihen nahe null rentieren? „Die Anbieter haben sich speziell mit dem Geschäft der Lebensversicherung und der Natur der Verpflichtung auseinandergesetzt“, erklärt Berater Klüttgens, dessen Kollegen auch in den aktuellen Ergo-Deal involviert sind. Illiquide Vermögenswerte wie Unternehmensanleihen oder sogenanntes Peer-to-Peer-Lending, bei dem sich Firmen untereinander mit Krediten aushelfen, böten sich angesichts den langen Laufzeiten der Lebensversicherungen an.

Traditionelle Versicherer investierten nur zögerlich in diese Anlageklassen. „Erwartete Mehrrenditen von 0,3 oder 0,4 Prozent bezogen auf ein Anlageportfolio von vielen Milliarden Euro lohnt sich durchaus für die Run-off-Plattformen und die Versicherungsnehmer“, sagt Klüttgens. Den Nachweis, dass sie in der Kapitalanlage höhere Renditen erzielen können als traditionelle Versicherer, müssten die Abwickler allerdings noch erbringen.

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